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Dießen

23.10.2020

Das ehemalige Therapiezentrum in Bischofsried ist verkauft

Das ehemalige Therapiezentrum in Bischofsried ist verkauft worden.
Bild: Gerald Modlinger

Plus Die Immobilie in Bischofsried, die zuletzt als Flüchtlingsunterkunft diente, gehört jetzt einer GbR. Zur Zukunft des riesigen Anwesens gibt es Fragen.

Das ehemalige Drogentherapiezentrum in Bischofsried oberhalb von Dießen hat einen neuen Eigentümer. Die Liegenschaft war im vergangenen Jahr vom Kreisverband München des Roten Kreuzes zum Verkauf ausgeschrieben worden. Im Sommer nun wurde ein Kaufvertrag geschlossen, wie jetzt bekannt wurde. Neue Eigentümerin ist eine „Bischofsried GbR“. Zu dieser Gesellschaft bürgerlichen Rechts haben sich zwei Personen zusammengeschlossen, die sich aber momentan noch nicht zu erkennen geben wollen.

Zur Frage, was mit dem Komplex in Bischofsried werden soll, gibt es derzeit von den Beteiligten noch keine Antworten. Ein Konzept hierfür müsse erst noch entwickelt werden. Bischofsried liegt in idyllischer und ruhiger Lage etwa drei Kilometer westlich des Dießener Ortskerns. Außer dem ehemaligen Therapiezentrum befinden sich dort noch drei weitere Anwesen. Erreichbar ist der Weiler nur über schmale Straßen. Bekannt ist Bischofsried wegen seiner Quellen, aus denen das Dießener Trinkwasser gewonnen wird. Das Wasserwerk befindet sich in unmittelbarer Nähe des Therapiezentrums.

Künftige Nutzungen waren bereits Thema im Dießener Rathaus

Die Liegenschaft, die jetzt ihren Eigentümer gewechselt hat, besteht aus einem rund 6400 Quadratmeter großen Grundstück in Bischofsried. Darauf befinden sich zwei größere Gebäude, die das eigentliche Therapiezentrum bildeten, und ein Wohnhaus, in dem dessen früherer Leiter lebte. Außerdem gehören zwei Grundstücke mit Wiesen- und Waldflächen mit insgesamt drei Hektar zu dem verkauften Anwesen.

Über mögliche künftige Nutzungen des Anwesens wurde bereits im vergangenen Oktober im Bauausschuss des Dießener Gemeinderats gesprochen. Damals lagen dem Gremium zwei Anfragen auf Nutzungsänderung von Kaufinteressenten vor. Einer hatte eine Mischnutzung aus Wohnen und psychosozialen und therapeutischen Zwecken angedacht, ein Architekt aus Dießen plante für die beiden Gebäude an der Ortsstraße eine Wohn- und Gewerbenutzung. Beide Varianten lehnte der Bauausschuss damals ab. Die baulichen Möglichkeiten in Bischofsried sind grundsätzlich eng begrenzt.

Der Weiler befindet sich im eigentlich nicht bebaubaren Außenbereich. Entscheidend für die Ablehnung war zudem, dass damals die Frage, welche Gebäude Bestandsschutz hätten, noch nicht geklärt war. Auch eine baurechtliche Teilprivilegierung scheide vermutlich aus, weil die bestehenden Gebäude wohl keine besondere Bedeutung für die Kulturlandschaft hätten. Angesprochen wurde auch die Lage im Wasserschutzgebiet. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich eine Quellfassung, aus der Dießen mit Trinkwasser versorgt wird. Das Anwesen sei zudem nicht einmal unmittelbar an die Abwasserbeseitigung angeschlossen.

Ein düsteres Kapitel aus der Zeit des Dritten Reichs

Bischofsried war ursprünglich ein Weiler mit drei Anwesen. Davon ist heute nur noch ein ehemaliger Hof vorhanden. Ein Hof befand sich in der Nähe der Quellfassung. Auf einem Teil von dessen Areal stehen die beiden großen Gebäude des ehemaligen Therapiezentrums, das dritte Anwesen lag ebenfalls auf dem jetzt verkauften Areal.

Das idyllisch gelegene Bischofsried hat aber auch eine teilweise düstere Vergangenheit. In der Zeit des Dritten Reichs befand sich dort ein sogenannter „Wanderhof“. Die Historikerin Annette Eberle publizierte dazu einen Aufsatz in den Dachauer Heften (Band 16, erschienen 2001). In Bischofsried waren bis zu 160 Mädchen und junge Frauen untergebracht. In den Wanderhof wurden sogenannte „asoziale“ Mädchen und Frauen ab etwa 16 Jahren eingewiesen. Darunter fielen Frauen, die der Prostitution beschuldigt oder wegen Geschlechtskrankheiten gemeldet wurden sowie Fürsorgezöglinge vor allem aus Großstädten oder Dienstmädchen und Hilfskräfte, die ihren Arbeitgebern davongelaufen waren. Manche von ihnen wurden später auch in Konzentrationslagern, Strafanstalten, Arbeitshäuser, psychiatrische Einrichtungen und sonstige Fürsorgeanstalten gebracht. Wanderhöfe waren ein Instrument der nationalsozialistischen Zwangsfürsorge.

1979 wurde vom Rotkreuz-Kreisverband München in Bischofsried ein Therapiezentrum für Drogen- und Alkoholabhängige eingerichtet. Nachdem diese Einrichtung mit zwölf Plätzen 2013 geschlossen wurde, waren zwischen 2015 und 2018 Flüchtlinge untergebracht.

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