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Kino

01.12.2013

Das flüchtige Leben auf die Leinwand bannen

Edgar Reitz bei den Dreharbeiten.
Bild: Filmforum

Regisseur Edgar Reitz stellt „Die andere Heimat. Chronik einer Sehnsucht“ im Landsberger Filmforum vor

Und die Zeit für seinen Film „Die andere Heimat. Chronik einer Sehnsucht“ sollte man sich im Landsberger Filmforum am Sonntag, 8. Dezember, auch nehmen. Denn Reitz’ Film kam nicht nur in der Filmbiennale in Venedig sehr gut an, sondern auch bei den Kritikern. Der Film wird um 15 Uhr gezeigt und dauert 230 Minuten. Die Familie von Reitz stammt aus dem Hunsrück (Taunus). In diesem Teil der Welt lässt er seine Geschichte beginnen und erzählt vom Exodus der deutschen Bauern und Handwerkern in die Neue Welt. In endlosen Kolonnen ziehen Mitte des 19. Jahrhunderts die hochbeladenen Pferdefuhrwerke über Berge und Täler zum Rhein hinab, um von dort zu den Seehäfen zu gelangen, wo die Auswanderungsschiffe ins Ungewisse starten. Ein Abschied für immer, Menschen auf der Suche nach dem Glück in einer anderen Heimat. Die andere Heimat wurde an Originalschausplätzen im Hunsrück gedreht. Reitz: „Es geht um das Weggehen und auch das Wegbleiben. Sehr viele verlassen ihre Heimat, das ist normal.“ Dazu gehöre aber auch ein tiefgreifender Entschluss. Vor rund 150 Jahren gab es aber neben Not und Elend auch noch einen anderen Grund, die Heimat zu verlassen. Es war die erste Generation, in der viele Lesen und Schreiben konnten. „Durch Bücher hatten sie Kenntnis von der Welt. Auch deshalb sind sie ausgewandert.“

Reitz: „An vielen Orten in der ganzen Welt gibt es noch Menschen, die deutsche Dialekte sprechen.“ Diesem Thema mit dem Hunsrücker Dialekt in Brasilien sei das Filmteam genauer auf den Grund gegangen. „Ich hatte viele Anstöße dazu, Briefkontakte und vieles mehr.“ Eine Krankenschwester aus Brasilien schrieb ihm beispielsweise. Sie habe einen Filmbericht über ihn gesehen und er sehe ihrem Klinik-Chef, der auch den Namen Reitz trage, sehr ähnlich.

Nach längerem Schriftwechsel stellt sich heraus, dass Vorfahren der brasilianischen Reitz-Sippe aus dem Hunsrückdorf Hirschfeld stammten. Sein Bruder habe ihm bestätigt, dass sie Verwandte hatten, die in dem Ort lebten, der etwa 15 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt liegt.

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Am Filmen liebt Reitz besonders die Arbeit mit den Menschen. Vor allem mit denen, die Fantasie haben, das sei faszinierend und reiße einfach mit. „Ich habe eine Vorliebe für Menschen die schöpferisch tätig sind.“ Über seinen Film sagt der 81-jährige Regisseur: „Nach Beendigung dieser Arbeit, die fast vier Jahre erforderte und mich ebenso wie das Team und die Darsteller auf eine Reise in ein anderes, gar nicht so fernes und doch so vergessenes, bitterarmes Deutschland führte, erfasst mich unendliche Dankbarkeit dafür, in einer Zeit leben zu dürfen, in der Freiheit und Lebensfreunde selbstverständliche Forderungen aller geworden sind.“ Er und sein Team haben von dem „Schabbach aus“ (dem Ort im Hunsrück) einen Blick auf die Gegenwart werfen können und seien erschrocken gewesen, wie apokalyptisch diese im Konsumtaumel rotierende und in Egozentrik und maßlosen Ansprüchen zersplitterte Gesellschaft erscheine.

Womit Reitz wieder beim Thema Zeit ist. „Denn eine der Wirkungen der anderen Heimat mag es sein, den Betrachter zum Innehalten zu bringen und für ein paar Stunden den Rhythmus zu erfahren, der unsere Vorfahren zum überleben befähigte und möglicherweise immer noch der Rhythmus unserer Herzen ist.“

Zusatz Das Buch zum Film enthält eine ausführliche Nacherzählung und Erläuterung des Films aus der Sicht des Regisseurs. Ein zweiter Teil schildert die Stoffentwicklung und die Entstehung. Ein umfangreicher Anhang informiert über die Mitwirkenden – Crew, Künstler, Haupt- und Nebendarsteller (Schürer Verlag). Das Buch der Bilder zu diesem Film gibt es im Schirmer/Mosel Verlag.

Der Film wird am Sonntag, 8. Dezember, im Filmforum Landsberg im Stadttheater gezeigt. Beginn ist 15 Uhr, die Kasse hat ab 14 Uhr geöffnet. Edgar Reitz wird anwesend sein.

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