1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Das größte Hospitalschiff der Welt wird auch von Landsberg aus gesteuert

Hilfsorganisation

04.05.2017

Das größte Hospitalschiff der Welt wird auch von Landsberg aus gesteuert

jor105(1).jpg
3 Bilder
Die „Africa Mercy“ ist derzeit das Hospitalschiff der Hilfsorganisation „Mercy Ships“.
Bild: Mercy Ships e.V.

Die Hilfsorganisation „Mercy Ships“ hat sich mit ihrer Deutschlandzentrale in Landsberg niedergelassen. Die medizinische Hilfe wird vor allem nach Afrika geschickt.

Die Hilfsorganisation „Mercy Ships“ bringt den Ärmsten der Armen, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, mit dem Aufenthalt ihres Hospitalschiffs „Africa Mercy“ wieder Hoffnung auf Gesundheit. Verbunden ist damit auch die Rückkehr in die Gesellschaft, aus der sie aufgrund eines Gebrechens ausgestoßen wurden. Es geht dabei nicht um Flüchtlinge, sondern um die medizinische Versorgung von Menschen, die eine solche in ihrem Land sonst nicht erhalten können. Die Organisation existiert nun seit 40 Jahren, vor Kurzem hat sich die Deutschlandzentrale in Landsberg niedergelassen.

Es gab gleich ein halbes Dutzend gute Gründe, weshalb die Deutschlandzentrale der Hilfsorganisation „Mercy Ships“ ihren bisherigen Sitz von Kaufbeuren an den Lech verlegt hat. Einer davon liegt zum Beispiel in der Person der Landsberger Unternehmerin Cornelia Veit begründet, die Vorstandsmitglied von „Mercy Ships“ ist. Dazu kommt die verkehrstechnisch günstige Lage, die große Attraktivität der Stadt, repräsentative Räumlichkeiten im Landsberger Westen und ein „Flair der Weltoffenheit“, das „Mercy-Ships“-Deutschland-Geschäftsführer Udo Kronester gespürt hat. Mit ihm bezogen nun sechs Mitarbeiter das Büro in der Rudolf-Diesel-Straße 5, gleich neben den IWL-Werkstätten.

Zuerst war die Organisation in Kaufbeuren beheimatet

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

In Kaufbeuren angesiedelt war „Mercy Ships“ aufgrund der engen Beziehungen zu der dort ansässigen Hilfsorganisation „humedica“ von Wolfgang Groß, der gleichzeitig Gründungsmitglied und ebenfalls Vorstandsmitglied von „Mercy Ships“ ist. Ursprünglich fuhren drei kleinere, alte Schiffe unter der Flagge der Hilfsorganisation, mittlerweile betreibt Mercy Ships ein großes: die MS „Africa Mercy“. Sie ist eine zur Klinik umgebaute Eisenbahnfähre, die mit ihren 16.572 Bruttoregistertonnen das größte private Hospitalschiff der Welt ist. Auf ihm arbeiten 1000 Personen im Wechsel, 400 Mitarbeiter sind ständig vor Ort – ehrenamtlich, wie Udo Kronester betont. Er war selbst einer von ihnen, hat mit seiner Familie, seiner Frau Ines und den vier Kindern von 1996 bis 2000 und noch einmal von 2004 bis 2005 auf dem Hospitalschiff gelebt und gearbeitet – seine Unkosten deckte ein Unterstützer.

Überhaupt ist die „Africa Mercy“ komplett auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Ohne sie gäbe es weder Besatzung noch Ausrüstung wie etwa fünf voll ausgerüstete, moderne Operationssäle, Röntgengeräte, Computertomografen, insgesamt 450 Betten, darunter eine Intensivstation. Der Schwerpunkt liegt auf gynäkologischen und orthopädischen Operationen, dem Entfernen von Kopf- und Halstumoren, Korrekturen an Lippen-Gaumen-Spalten, gynäkologischen und plastischen sowie Augenoperationen. Außerdem ist eine Zahnklinik an Bord. Für die Patienten ist die Behandlung kostenlos.

Das medizinische Personal arbeitet kostenlos

Die Ärzte, die ihre Kunst ebenfalls kostenfrei zur Verfügung stellen und in der Regel alle drei bis sechs Wochen wechseln, behandeln jeden, der zu ihnen kommt – kostenfrei. Ein Aufenthalt der „Africa Mercy“ hat dabei eine Vorlaufzeit von fünf bis sechs Jahren. Udo Kronester: „Da nehmen wir den ersten Kontakt mit der jeweiligen Regierung auf.“ Denn ohne offizielle Kooperation funktioniere das System Hospitalschiff nicht. „Das Land ist dabei auch Spender“, erklärt der Geschäftsführer. So verzichtet die jeweilige Regierung etwa auf die Liegegebühren im Hafen. Bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von etwa zehn Monaten komme so eine erhebliche Summe an Hafengebühren zusammen, die aber nicht bezahlt werden müssen. Das sei wichtig - auch für das Selbstverständnis der Gastgeberländer: „Sie erhalten so nicht einfach Hilfe von außerhalb, sondern leisten aktiv ihren eigenen Beitrag.“ Auch die Patientensuche wird vom jeweiligen Gesundheitsministerium organisiert. Ist die „Africa Mercy“ angekommen, gibt es noch Voruntersuchungen durch eines der Ärzteteams und ein Patientenscreening an Land. Erst dann bekommen die Hilfesuchenden an Bord die Behandlungen, die für sie im eigenen Land nicht möglich wären.

Nun, da Udo Kronester in die deutsche Geschäftsführung gewechselt ist – weltweit betreibt „Mercy Ships“ 16 Büros – kümmert er sich von Landsberg aus mit seinen Mitarbeitern um drei Dinge: um Spendenakquise, um ehrenamtliche Mitarbeiter und um die öffentliche Wahrnehmung der Hilfsorganisation. Immer wieder macht er auf Messen und bei öffentlichen Auftritten nämlich die Erfahrung, dass „Mercy Ships“ trotz des fast 40-jährigen weltweiten Wirkens noch relativ unbekannt ist. Viele der heutigen Unterstützer hätten die Frage gestellt: „Wieso hab ich das nicht gekannt?“ Das gelte es zu ändern – mit Landsberg als neuem Zentrum der Arbeit von „Mercy Ships“ Deutschland.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren