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07.10.2010

Das hervorragende Spionagesystem von Kaiser Napoleon

Landsberg Der Historische Verein für Stadt und Landkreis Landsberg startete seine "Vortragsreihe im Herbst" gleich mit einem Thema, das sehr viel Interesse fand und viel Publikum in das Pfarrzentrum Mariä Himmelfahrt lockte. Der Historiker Thomas Schuler aus Ulm beschäftigte sich unter dem Titel "Napoleons Armee vor Landsberg" nicht nur speziell mit dem Gefecht zwischen Franzosen und Österreichern am 11. Oktober 1805 westlich des Lechs bei Landsberg.

Schuler, der mit "Napoleon in Bayern" den ersten Band einer fünfteiligen Reihe verfasst und veröffentlicht hat, beleuchtete auch die Person Napoleons, räumte mit dem öfters geführten, seiner Meinung nach unsinnigen Vergleich Napoleons mit Hitler auf.

Bezüglich des Gefechts bei Landsberg thematisierte der Historiker zunächst, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die Ursache liege im Friedensschluss Frankreichs mit den meisten europäischen Ländern. "Das mächtige England wollte das nicht, es fürchtete, dass damit eine zweite große Macht entstünde." Im Mai 1803 seien alle in englischen Häfen liegenden, französischen Handelsschiffe besetzt und vereinnahmt worden. Napoleon sei daraufhin mit einer 150 000 Mann starken Armee an den Ärmelkanal gezogen und wollte übersetzen. Die Engländer wiederum kauften sich Russland, Österreich und Schweden als Verbündete ein, wobei Schweden eine eher unbedeutende Rolle gespielt habe. Russen und Österreicher schickten Truppen Richtung Frankreich.

Von diesen Aktionen habe Napoleon über sein "hervorragendes Spionagesystem" Wind bekommen und trieb deshalb seine Armee in einem Gewaltmarsch Richtung Südosten. Die österreichischen Soldaten, die am 7. Mai 1805 bereits in Landsberg "gehaust" haben und denen sich zunächst, bis zum so genannten "Vertrag von Bogenhausen", 30 000 bairische Streitkräfte entgegenstellten, sollten von zwei Seiten in die Zange genommen und geschlagen werden.

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"Napoleons Kriegsplan war, die Österreicher, die im Dreieck Iller-Donau auf die russischen Truppen warten wollten, weitläufig zu umgehen." Er überschritt mit seiner Armee die Donau bei Donauwörth und zog Richtung Augsburg. Gleichzeitig habe Marschall Soult Truppen vom Süden her lechabwärts geführt. Am 11. Oktober 1805 sei es dabei zu dem Gefecht bei Landsberg, zwischen Franzosen und österreichischen Kürassieren gekommen.

Eine schauerliche Orgie des Plünderns

Leider seien in Landsberg dazu ganz wenige Informationen vorhanden, auch was beispielsweise Plündereien betreffe. Schuler zitierte deshalb Mindelheimer Quellen, wonach die Söldner eine "schauerliche Orgie des Plünderns" getrieben und die Bewohner der Stadt im Allgäu in Angst und Schrecken versetzt haben. "Die Armee hat jeden Ort auf ihrem Zug rücksichtslos geplündert", so Schuler. Der schwere Versorgungstross konnte damit gespart werden, die Armee rückte wesentlich schneller vorwärts.

Dass sich Napoleon während dieser Zeit, genau am 14. Oktober 1805, in Landsberg aufgehalten habe, "das muss mit einem klaren Nein beantwortet werden", erklärte Schuler. Die Behauptung im 1982 erschienenen "Heimatbuch für den Landkreis Landsberg" ist nach Schulers Recherchen früher erschienenen "Landsberger Geschichtsblättern" entnommen. Diese wiederum haben die Information aus einem 1886 erschienenen Buch von Franz Schlosser. (löbh)

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