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11.07.2010

Das i-Tüpfelchen der Kirchenrenovierung

Mit 1200 Grad schießt ein Kupfer-Zinn-Gemisch in die Form der späteren Kirchenglocke. 55 Landsberger schauten interessiert zu und zückten die Fotoapparate, um dieses seltene Schauspiel festzuhalten. Foto: Kathrin Löther
Bild: Kathrin Löther

Landsberg, Passau Es ist staubig und stickig in der Halle. Fünf Männer laufen wie Marsmännchen um einen großen Ofen herum: Sie tragen einen Helm mit Schutzblech, dazu silberglänzende Jacken und Mäntel. Die Teilnehmer der Busfahrt aus Landsberg, die an diesem Tag nach Passau gefahren sind, zücken ihre Fotoapparate. Sie können live miterleben, wie zwei der drei neuen Glocken für die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt gegossen werden.

Etwas Außergewöhnliches

Ein Glockenguss ist etwas, was man nicht alle Tage erlebt - die allermeisten der 55 Landsberger, Erwachsene, Kinder und Jugendliche, die schulfrei bekommen hatten, waren am Freitag also hoch gespannt. "Was wir heute machen, ist etwas ganz Außergewöhnliches", sagte Stadtpfarrer Thomas Rauch zur Einstimmung.

Um 7 Uhr morgens war die Gruppe mit dem Bus Richtung Passau aufgebrochen. Ihr Ziel: Die Glockengießerei Rudolf Perner. Drei neue Glocken sollen in den nächsten Wochen in die Landsberger Stadtpfarrkirche kommen (LT berichtete). Zu dieser Anschaffung war es gekommen, weil die bereits bestehenden Glocken seit Langem keinen harmonischen Klang mehr erzeugen.

Das i-Tüpfelchen der Kirchenrenovierung

Das liegt daran, dass das Geläut ursprünglich aus fünf Glocken bestand, eine von ihnen im Ersten Weltkrieg aber abgegeben werden musste und nie mehr zurückkam. Anstatt der fehlenden einen sollen nun drei kleinere hinzukommen. "Die Glocken sind natürlich das i-Tüpfelchen, der Höhepunkt der Renovierung", so Thomas Rauch. Am 1. August sollen sie geweiht werden: Die größte, die Papst-Glocke (550 Kilogramm), die Pater-Rupert-Mayer-Glocke (400 Kilogramm) und die Regens-Johann-Evangelist-Wagner-Glocke (175 Kilogramm). Rund 160 000 Euro wird das gesamte Glockenprojekt dann gekostet haben.

Bis es aber so weit sein wird, war und ist für die Verantwortlichen noch einiges zu tun. Der Guss der Glocken ist nur einer der vielen Arbeitsschritte im Glocken-Herstellungsverfahren. Professor Franz Bernhard Weißhaar, der in der Kirchenverwaltung für Kunst- und Bauangelegenheiten zuständig ist, hat im Vorfeld Wappen und Inschriften für die neuen Glocken entworfen und in Wachs modelliert. Die Glockengießerei erstellt eine dreiteilige Glockenform. Als Erstes wird dafür ein Kern aus Ziegeln gemauert, der eine Stütze darstellt. Darauf wird Lehm Schicht für Schicht aufgetragen und immer wieder mit der Glockenschablone abgezogen. Auf diese Innenform wird wiederum mit mehreren Schichten Lehm die sogenannte "Falsche Glocke" aufgebracht, die genauso aussieht wie die spätere Glocke. "Eine Art Platzhalter für das spätere Metall", wie Monika Stürze von der Firma Perner erklärte. Danach werde auf die falsche Glocke wieder mit viel Lehm der Mantel aufgetragen. Die Schicht zwischen Kern und Mantel - die falsche Glocke - wird abgeschlagen, so dass ein Hohlraum entsteht. Der kann beim Guss in der Grube aufgefüllt werden.

1200 Grad heißes Metall

Der Glockenguss selbst beginnt mit dem Anstich des Ofens. Pfarrer Rauch spricht ein Segensgebet für den Glockenguss, dann wird die sogenannte Glockenspeise aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn bei etwa 1200 Grad zu den Formen in die Grube geleitet. Wie glühende Lava schießt das brodelnde Metall durch den Kanal. Erst Tage später - je nach Glockengröße - wird die abgekühlte Form aus der Grube geholt und der Mantel abgeschlagen.

Dann muss noch überprüft werden, ob der Guss geklappt hat und vor allem der gewünschte Ton herauskommt. Thomas Rauch: "Erst Ende Juli wissen wir also ganz genau, ob am 1. August die Glockenweihe stattfinden kann."

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