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16.01.2015

Das kleine Dorf und die große Halle

Über die Erweiterung des Gewerbegebietes in Eresing wird kontrovers diskutiert. Am Wochenende hatten die Gegner des Projekts zu einer Informationsveranstaltung geladen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Ob das Gewerbegebiet für ein mehr als 15000 Quadratmeter großes Hochregallager erweitert werden soll, ist eine Frage, die Eresing ein weiteres Mal spaltet

Der Kampf um die Stimmen beim Bürgerentscheid in Eresing nimmt Fahrt auf: Kurz nach der Weihnachtspause riefen die „Umweltfreundlichen Bürger“ (UB) zu einem Informationsabend in den „Alten Wirt“: Sie zeigten dabei die Gründe auf, die ihrer Meinung nach gegen die Erweiterung des Logistik- und Handelsunternehmens Franz Mensch sprechen. Die Antwort der Befürworter (den Gemeinderatsmitgliedern der Dorfgemeinschaften aus Eresing und Pflaumdorf) folgte prompt in Form einer vierseitigen Broschüre, die übers Wochenende verteilt wurde.

UB-Gemeinderat Philipp Leichtle skizzierte zunächst anhand von Unterlagen aus dem Gemeinderat und des Unternehmens die Dimensionen der geplanten Erweiterung: Demnach soll in zwei Bauabschnitten in einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren ein 192 mal 80 Meter großes und rund 20 Meter hohes Hochregallager nördlich des jetzigen Gewerbegebiets errichtet werden. Zu diesem Zweck beabsichtigt die Gemeinde, das bestehende Gewerbegebiet um 6,5 Hektar bis kurz hinter die Abzweigung nach St. Ottilien zu erweitern. So lautet die bisherige Beschlusslage im Gemeinderat, über die die Eresinger Bürger am 25. Januar abstimmen sollen. Außerdem soll auf der neuen Gewerbefläche dem „Sozialtherapeutischen Netzwerk“ eine Erweiterung um rund 3000 Quadratmeter ermöglicht werden. Dessen Zukunftsplanungen sind jedoch noch nicht konkret.

Welche Folgen ein solches Projekt für die Gemeinde haben wird, wurde kontrovers diskutiert. Das betraf vor allem die Frage, welche finanzielle Bedeutung die Firma Mensch für die Gemeinde hat (siehe Kasten). Die Umweltfreundlichen verwiesen dabei auf die (vergleichsweise niedrigen) Gewerbesteuerzahlungen der Jahre 2011 und 2012. Die Fürsprecher einer Erweiterung wie Bürgermeister Josef Loy operierten mit den höheren Zahlungen im vergangenen Jahr. UB-Gemeinderat Egmont Wolff stellte dabei in den Raum, von der eingenommenen Gewerbesteuer bleibe der Gemeinde nach Abzug der Umlagen nur noch rund ein Drittel. Das trug ihm scharfe Widerworte des Bürgermeisters ein: „Da muss ich Ihnen schwer widersprechen, das ist nicht in Ordnung. Die Gewerbesteuer ist die einzige, die der Gemeinde bleibt, in voller Höhe. Nur die Gewerbesteuerumlage geht weg an den Staat, uns würden 350000 Euro fehlen und das muss kompensiert werden.“ Als mögliche Folgen wegbrechender Gewerbesteuer skizzierte Loy, dass die Grundsteuer erhöht werden könnte und überlegt werden könnte, wie die Gemeinde ihren Anteil an den Kosten des Kindergartens verringern könnte.

Dass auch die Einkommensteuer eine wichtige Einnahmequelle der Gemeinde sei, daran erinnerte ein weiterer Versammlungsteilnehmer, und deren Zuwachs habe auch mit der Attraktivität des Ortes zu tun. Doch für diese Attraktivität „wäre es eine Katastrophe, wenn eine Halle die der Größe des Münchner Hauptbahnhofs, der 174 Meter lang und 21 Meter hoch ist, hinkäme“. So etwas gebe es in der ganzen Umgebung nicht, und die Gemeinde mache sich abhängig, sei am Ende erpressbar von einem Unternehmen. Diese Einschätzung hatte zuvor auch der frühere Zweite Bürgermeister Leonhard Geyer getroffen: „Als ich noch Gemeinderat war, hieß es, wir sollten uns nicht von einer Firma abhängig machen. Wer soll so ein Gebäude nutzen außer einer Spedition? Das hat nichts mit Gewerbe zu tun, das passt absolut nicht in unsere Landschaft.“ Da zeigte sich wiederum der Bürgermeister optimistischer: „Das Gewerbegebiet hat eine bestimmte Qualität und wir werden uns auch um die Qualität der Erweiterung kümmern, bei der Eingrünung gibt es Möglichkeiten.“

Ebenso auseinandergingen die Erwartungen beziehungsweise Befürchtungen zusätzlichen Verkehrs. Ein Versammlungsbesucher, der eigenen Angaben zufolge selbst in der Logistikbranche tätig ist, zog die bisher von Gemeinde und Unternehmen genannten zwölf bis 30 Lieferfahrzeugbewegungen pro Tag in Zweifel: „Da verdienen die wahrscheinlich kein Geld, meine Befürchtung ist, dass die Fahrzeugbewegungen sehr über dem liegen, was man vermutet.“ Bezweifelt wurde auch, ob die Gemeinde auf Dauer die jetzt im Raum stehenden Gewerbesteuerzahlungen erhalten werde. „Wer gibt Ihnen die Sicherheit bei der Gewerbesteuer und wie hoch ist diese, wenn der Firmensitz nicht mehr in Eresing ist?“, fragte ein Diskussionsredner den Bürgermeister. Der verwies darauf, dass die Firma seit 17 Jahren in Eresing sei und bekundete, ihren Aussagen zu vertrauen. „Die Firma hat bei der Informationsveranstaltung erklärt, dass sie in Eresing bleiben will, und das glaube ich, sie ist seit 1998 hier und hat uns nie angelogen.“ Diesen Glauben teilte ein anderer Versammlungsbesucher nicht: „Ich will einen Besen fressen, wenn es 30 Fahrzeuge am Tag bleiben.“

Auch die erweiterungswillige Firma Franz Mensch will sich, wie auf der Veranstaltung bekannt wurde, demnächst den Eresingern präsentieren: Am Freitag, 16. Januar, soll es einen Tag der offenen Tür geben.

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