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Kupfer

05.04.2012

Das rote Gold ist fast unsichtbar geworden

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2 Bilder
In diesem Gutshof ist das Kupfermuseum untergebracht.

In Fischen gibt es ein ganz besonderes Museum

Fischen In Fischen am Ammersee befindet sich das laut Angaben des Museums weltweit einzige Kupfermuseum. Allein diese Tatsache lockt zwar schon viele Neugierige an. Doch in den vier Jahren seines Bestehens kamen zwar immer Besucher, aber nicht so, wie sich das der Gründer des Museums Siegfried Kuhnke vorgestellt hat, wie er dem LT mitteilt.

Am 2. März 2011 wurde das Museum nach einer dreimonatigen Schließung wieder eröffnet. In den Wochen sei ein wenig umgebaut, aber vor allem umgestellt worden, berichtet Kunsthändler Kuhnke, der seit 45 Jahren Kupfergegenstände sammelt. Über 1000 Exponate des „roten Goldes“ hat er zusammengetragen und ausgestellt.

Im denkmalgeschützten Gutshof

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Über eine Außentreppe gelangt der Besucher in das Museum im ersten Stock eines denkmalgeschützten Gutshofes. Beim Betreten des Eingangsraumes ist man zunächst überrascht über die Größe des Museums. Wer sich einen kleinen Raum mit ein paar kupfernen Töpfen und Pfannen vorgestellt hat, wird eines Besseren belehrt. Beidseitig vom Eingangsraum, mit Museumsshop und Informationstafeln über das Vorkommen des Kupfers, liegen große Räume, in denen die Gegenstände thematisch geordnet betrachtet werden können.

Kupfer ist für viele Menschen völliges Neuland, davon ist Kuhnke überzeugt. Daher ist der Besuch des Museums auch immer mit einer Führung verbunden, die nicht nur sehr informativ ist, sondern auch in der erfrischenden Vortragsweise begeistert. Kupfer war zu allen Zeiten teuer und begehrt. Vor allem der Adel und der Klerus erwärmten sich für die Kupferkunst, so der Fachmann.

Ein Raum des Museums ist den aufgekauften Exponaten von Ernst August von Hannover, dem Herzog von Braunschweig, gewidmet. Jedes Stück Kupfer wurde damals gekennzeichnet mit dem Wappen des Herzogs und dem Schloss, in dem es sich befand. Man sieht hier nicht nur riesige Töpfe und Pfannen, sondern auch aufwendig gearbeitete Formen für Pasteten und Pudding. Diese komplizierten Arbeiten machten nicht die einfachen Kupferschmiede, sondern die an filigraneres Arbeiten gewöhnten Silber- und Goldschmiede. Es werden nicht nur die strahlend glänzenden Kupferwerke gezeigt, sondern auch die Exponate, die durch lange Lagerung und fehlende Pflege eine natürliche Patina entwickelt haben.

Der Kesselflicker und der Kesseltreiber

Früher gab es daher neben dem Beruf des Kesselflickers, der schadhafte Teile erneuerte, auch den des Kesseltreibers, der sich mit dem Bearbeiten und auch dem Pflegen der Gegenstände befasste. Die Kunhkes sind daher auch Kesseltreiber geworden, denn sie müssen ihre Objekte selbst regelmäßig auf Hochglanz bringen. Im gegenüberliegenden Raum sind Kupfergegenstände thematisch geordnet: Im Bereich Kirche findet man unter anderem Weihwasserbehälter, Passionskreuze und ein riesiges Osterlamm. In einem anderen Teil kann man verschiedene Öfen, Bettwärmer und beheizbare Vorrichtungen bewundern, darunter einen tragbaren Ofen für Marktfrauen, die sich auf die beheizte Kupferplatte stellen konnten und sich so vor kalten Füßen schützten. Eine große Abteilung ist der arabischen Kupferkunst gewidmet. In diesen Ländern wird noch Kupfer geschmiedet und auf Märkten und Basaren kann man fein gearbeitete Kunstwerke kaufen. Heutzutage braucht man Kupfer bei uns mehr denn je. Es wird hauptsächlich in Form von Rohren und in der Elektronikbranche verwendet. Den Beruf des Kupferschmieds jedoch gibt es seit 1960 nicht mehr. Das rote Gold als Kunstform ist damit fast unsichtbar geworden für uns.

Öffnungszeiten Mittwoch bis Samstag, 10 bis 16 Uhr, Gruppenführungen mit Voranmeldung

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