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Rott

28.11.2017

Das vergessene Puppenkabinett

Unzählige handgefertigte Marionetten sind in den Besitz der Gemeinde Rott gelangt. Die lässt nun den Wert ermitteln.
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Unzählige handgefertigte Marionetten sind in den Besitz der Gemeinde Rott gelangt. Die lässt nun den Wert ermitteln.
Bild: Dagmar Kübler

Kurioser Fund: Unzählige Marionetten sind in den Besitz der Gemeinde Rott übergegangen. Jetzt soll die Augsburger Puppenkiste helfen.

Die Überraschung bei Rotts Bürgermeister Quirin Krötz und den Angestellten des Bauhofs war groß, als sie die Wohnung am Eichberg in Rott betraten: In einem Zimmer hingen unzählige Marionetten in allen Größen, und sogar ein kleines Kasperltheater stand dort. Das Landsberger Tagblatt durfte nun einen Blick auf den ungewöhnlichen Fund werfen, bevor er an anderer Stelle eingelagert wird.

Über eine Holztreppe geht es hinauf in den ersten Stock des alten, unrenovierten Bauernhauses. Eiskalt ist es dort, die Wohnung verfügt über keine Zentralheizung. Sie wurde von der Bewohnerin nur über ein paar einzelne Holzöfen beheizt, wie Krötz berichtet.

Am Boden wellt sich der alte Teppichboden, durch die kleinen Fenster kommt nur wenig Licht an diesem trüben Herbsttag. Vorbei an Gemälden, die die ehemalige Bewohnerin, eine Künstlerin, gemalt hat, geht es zum Marionettenzimmer.

Die Verwandten wollten das Erbe nicht antreten

An den Wänden und in einem Schrank mit Glastüren hängen die Gestalten, die die Besucher mit ausdrucksvollen Augen anblicken. Sultan, Mönch und Prinzessin, Chinese, mexikanischer Mandolinenspieler, Hexe und Afrikanerin, alte, zahnlose Weiber, ein kleiner Clown und ein waschechtes Schlitzohr wetteifern dort um die Aufmerksamkeit des Betrachters, und natürlich darf auch der Kasperl nicht fehlen. Über allem liegt eine fast greifbare Stille – hier ist die Zeit stehen geblieben – und natürlich liegen geblieben: Staub. Denn die Künstlerin ist bereits im Oktober 2016 gestorben. Seitdem ist die Wohnung unbewohnt.

Wie Bürgermeister Quirin Krötz berichtet, hatte die Gemeinde das Haus 2010 geerbt. „Beide Mietparteien waren da schon drin, und wir haben die Mietverträge übernommen“, so Krötz. Als dann 2016 die Bewohnerin des oberen Stockwerks starb, hat das Nachlassgericht alle erbberechtigten Verwandten angeschrieben. Es handelte sich nur um weiter entfernte Verwandten, weiß Krötz – und keiner wollte das Erbe antreten. So hat das Gericht im Oktober 2017 entschieden, dass alles, was sich in der Wohnung befindet, an die Gemeinde Rott geht.

Ein paar Dinge sollen ins Dorfmuseum kommen

Dieser bleibt nun nichts anderes übrig, als die Wohnung auf ihre Kosten zu räumen. Ein langwieriger Prozess, denn die sieben Zimmer waren voll mit allerlei Gegenständen, die die Bewohnerin gesammelt hat. Einiges, wie zum Beispiel ein alter Fotoapparat und eine bemalte Truhe, werden eventuell im Rotter Dorfmuseum ein neues Zuhause finden. Das meiste aber, vor allem die unzähligen Kleider und Werkzeuge aus der Werkstatt, seien unbrauchbar, wandern in die Kleiderkammer oder in den Müll.

Doch den schönen Marionetten soll dieses Schicksal erspart bleiben. Deshalb hat sich Gemeinderat Simon Krötz mit der Augsburger Puppenkiste in Verbindung gesetzt, mit dem Ziel, den Wert der hölzernen Gestalten zu ermitteln. Und wer weiß, vielleicht darf ja das eine oder andere Unikat auf einer Puppenbühne irgendwann einmal wieder auftreten.

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