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Kreis Landsberg

10.09.2019

Dellendrücker und Zimmerer noch mit Hagel-Nachwehen beschäftigt

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Konstantin Galliardt ist Kfz-Mechaniker und verbringt die Sommer immer dort, wo es gehagelt hat. Derzeit ist er in Utting und arbeitet die Folgen des Pfingstunwetters ab, indem er Autos ausbeult und Dellen beseitigt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Vor einem Vierteljahr fegte ein folgenschwerer Hagelsturm über den Landkreis Landsberg. Noch immer sind die Folgen sichtbar und bescheren Handwerkern jede Menge Arbeit.

Plopp...deng, deng, deng: Mit rhythmischen Schlägen eines kleinen Hammers treibt Konstantin Galliardt das Metall einer Motorhaube wieder in seine ursprüngliche Position. Galliardt ist „Beulendoktor“ oder „Dellendrücker“ – kein eigener Beruf, aber eine geschätzte Tätigkeit im Kfz-Gewerbe. Ludwig Schweiger senior vom gleichnamigen Autohaus in Utting hat den Dellendrücker engagiert. Er ist einer von denen, die helfen, die Folgen des Hagelunwetters vom Pfingstmontag, 10. Juni, zu beheben. Das Landsberger Tagblatt hat sich drei Monate nach dem Ereignis mit Betroffenen und Handwerkern unterhalten.

Die Schneise der Verwüstung verlief damals von Kaufbeuren bis München. Stark betroffen waren der Landkreis Landsberg und der Ammerseeraum. Die ersten Schadensschätzungen der Versicherungskammer Bayern gingen von einer Summe von 30 Millionen Euro aus, die Gebäudeversicherer rechneten mit 10.000 Schadensfällen.

Nach dem Hagelsturm: So sieht es am Ortseingang Dießen auf den Straßen aus.

Zerschmetterte Autoscheiben, von Beulen übersäte Autos – diese Spuren hinterließen die golfballgroßen Hagelkörner auf Fahrzeugen, unter anderem in Utting. „Wir haben noch am Montagabend 80 Scheiben bestellt“, erinnert sich Ludwig Schweiger, dessen Firma sich nicht nur um zerschlagene Kundenautos kümmern musste und muss, sondern auch selbst mit 30 eigenen Fahrzeugen vom Hagelschlage betroffen war – wie einige andere Autohäuser auch. „Seit Pfingstmontag geht es rund“, sagt Schweiger. Er kümmerte sich auch sofort um einen Dellendrücker. Gaillardt kam bereits einen Tag nach dem Unwetter und war nach den Probearbeiten sofort engagiert.

Seitdem beschäftigt sich der Tübinger in einem Raum der Werkstatt in Utting mit Dellen. Er findet seine Arbeit nicht monoton: „Jede Delle ist eine Herausforderung“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker, der die Sommer dort verbringt, „wo es gehagelt hat“. Das Ploppen zu Beginn erfolgt übrigens, wenn die Delle mit Kleber und einem kleinen Instrument nach außen zur Beule gezogen wird, um dann mit dem Hammer bearbeitet zu werden.



„Am vergangenen Freitag haben die Mitarbeiter der holländischen Glashausfirma die letzten Scheiben ausgetauscht“, erzählt Kurt Scherdi. Die Gärtnerei in Hofstetten wurde vom Hagel vom Pfingstmontag schwer getroffen. Die letzten Glasscherben seien aus einem Glashaus geräumt worden, jetzt müsse noch das sogenannte Schattiergewebe in Teilen erneuert werden. Nicht nur Glas musste ausgewechselt werden, sondern auf allen 10,000 Quadratmetern Fläche mussten auch Kunststoffteile, die zerschlagen worden waren, ausgetauscht werden.

Die Produktion sei über den Sommer aber nicht beeinträchtigt gewesen, berichtet Kurt Scherdi, da schnell ausgebessert beziehungsweise mit Planen abgedeckt wurde. Obstbäume und Rosen seien vom Hagel zerstört worden, aber innerhalb einer Woche sei neue Ware da gewesen. „Was uns wehgetan hat, ist beispielsweise, dass Dahlien, Rittersporn und Lupinen, die wir selbst gezogen haben, kaputt waren.“ Und Kurt Scherdi stören die Container, die immer noch an Rand des Parkplatzes stehen, da nach den Glaserarbeiten weiter aufgeräumt werden muss.

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Heftiger Hagel fegt über den halben Landkreis
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Gärtner sind zwar gut versichert, sie müssen wegen des Hagels aber neue Anschaffungen machen, die so nicht eingeplant waren, wie Josef Streicher aus Utting erzählt: Er hat vier Folienhäuser, deren Planen durchlöchert wurden. „Ich wollte zwar heuer eines erneuern, aber nicht alle.“ Und die Versicherung zahle nur den Zeitwert. Die Gemeinde hat – wie berichtet – für die Gärtnerei ein Spendenkonto eingerichtet. Wie hoch die Summe sein wird, weiß Streicher nicht: „Bürgermeister Josef Lutzenberger hat uns am Donnerstagabend zur Gemeinderatssitzung eingeladen.“ Streicher erinnert sich auch an sehr viel Hilfsbereitschaft von Uttingern, die sich als Freiwillige beim Aufräumen anboten, was ihn und seine Frau sehr gerührt habe. „Die Hilfe war unwahrscheinlich groß.“

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