1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Dem Sammeltaxi in Landsberg droht das Aus

Landsberg

26.07.2015

Dem Sammeltaxi in Landsberg droht das Aus

Noch sind die Taxiunternehmer im Auftrag der Stadt unterwegs. Das könnte sich bald ändern, denn die Transportfahrer sind verärgert. 
Bild: Thorsten Jordan

Die Taxibetriebe haben den Vertrag mit der Stadt Landsberg zum 1. Oktober 2015 gekündigt - die Missstimmung ist groß unter den Betreibern. Ob weitere Gespräche eine Lösung bringen?

Die Entscheidung der Landsberger Stadträte, den heimischen Taxiunternehmern gestiegene Betriebs- und Arbeitskosten für das Anrufsammeltaxi nicht entsprechend zu vergüten, könnte das Ende des Systems AST in der Kreisstadt bedeuten. Wie das Landsberger Tagblatterfuhr, haben die Taxibetriebe den Vertrag mit der Stadt Landsberg zum 1. Oktober 2015 gekündigt.

Die Missstimmung ist groß unter den Taxibetreibern. Denn nicht der Stadtratsbeschluss an sich war es, der für Unmut sorgte – er fiel mit 11:12 Stimmen denkbar knapp aus –, sondern die Art und Weise, wie die Diskussion geführt worden sei. Vereinzelte Äußerungen, so war aus Taxifahrerkreisen zu hören, seien dazu angetan, die Unternehmer in der Öffentlichkeit als "Abzocker" darzustellen. Daher griffen sie nach einer internen Sitzung zur Ultima Ratio und beschlossen mehrheitlich, den AST-Vertrag zu kündigen.

Fahrpreisanpassung endete mit Kündigung des Vertrags

Bernd Schmidt, Sprecher der Taxiunternehmer, vermutet zunächst einmal, dass die Beweggründe für eine Fahrpreisanpassung in der Juni-Sitzung nicht deutlich genug wurden. "Im vergangenen Herbst mussten wir die Taxi-Fahrpreise nach längerer Zeit wieder erhöhen und haben gleichzeitig den Antrag für das AST gestellt." Die Bearbeitung des Antrags habe sich dann aber immer wieder verzögert, doch im Juni "wollten wir nun Nägel mit Köpfen" machen. Was dann geschah, endete letztlich mit der Kündigung des Vertrags. Vor allem die Äußerungen von CSU-Stadtrat Christian Hettmer verärgerten die Unternehmer. Hettmer hatte gegen eine Anpassung ins Feld geführt, dass die Benzinpreise seit Monaten ohnehin stark gefallen seien. Auch bemängelte er, dass eine Fahrt zum Beispiel nach Reisch mit dem Taxi rund 10 Euro koste, für das Sammeltaxi aber bis zu 14 Euro abgerechnet würden. Außerdem seien Nutzer des AST-Systems Kunden, die man den Unternehmen zuführt, ohne dass diese sich darum kümmern müssten.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Das saß offensichtlich. Bernd Schmidt: "Da hat er den optimalen Berechnungsfall herangezogen. Wir sind keine Abzocker." Was Hettmer vermutlich nicht wisse: Bei einer normalen Taxifahrt können die Kosten durchaus steigen. Gerät das Taxi nämlich in einen Stau – in Landsberg nicht unwahrscheinlich – kämen andere Tarife zum Tragen, dann werde nach Zeit abgerechnet. Werde ein Taxi telefonisch bestellt, ist ebenfalls eine Gebühr fällig wie auch für ein eventuell benötigtes Großraumtaxi.

"Das AST darf nicht sterben"

All diese Kosten kamen beim AST bislang nicht zum Tragen. Auch die Anfahrtskosten, wenn ein Taxi in einen Ortsteil gerufen würde, tauchen im AST-Tarif nicht auf. Im Gegenteil. Für das AST wird ein Bereitschaftsdienst vorgehalten, der wöchentlich unter den Unternehmern wechsle. Auch die Kosten für die Vermittlung, die über einen Server in Eschweiler läuft, tragen sie selbst. Zu guter Letzt müssten AST-Fahrer auch eine spezielle Schulung und Einweisung absolvieren. Bernd Schmidt: "Für all das haben wir eben eine Mischkalkulation."

Die gute Nachricht: Das Tischtuch sei nicht endgültig zerschnitten. Ernst Müller, Chef des Landsberger Ordnungsamts: "Wir werden uns in den nächsten Tagen noch einmal zusammensetzen." Sein Ziel: "Das AST darf nicht sterben. Das ist eine gute Sache." Bei dem Treffen wollen auch die Taxi-Unternehmer ihre Vorschläge noch einmal unterbreiten und genauer erklären. Als Alternative – das vorgeschlagene Wabensystem scheint derzeit wohl nicht zu verwirklichen – können sie sich einen noch zu vereinbarenden Festpreis für jede einzelne AST-Gemeinde vorstellen.

Eine Abrechnung nach Taxameter, die ebenfalls kurzzeitig im Gespräch war, hält der ÖPNV-Experte des Landkreises, Dietmar Winkler, für nicht durchführbar: "Da wird der Verwaltungsaufwand für beide Seiten ungemein groß." Auch er prüft derzeit Festpreise für die Landkreisgemeinden, die zunächst im AST eingebunden sein werden. Er hat Verständnis für die Verärgerung der Unternehmer, hat er doch Kenntnis von dem Aufwand, der für das AST notwendig ist. Er weiß: "Im Nachbarlandkreis Ostallgäu läuft das AST hervorragend." Dort bezahlt aber der Landkreis allein schon 50000 Euro jährlich an Grundkosten.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren