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Utting

11.07.2017

Den Strom gibt’s oft kostenlos

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Das Auto hat von uns die Sonderlackierung erhalten, damit es nicht nur Schwarz und unnahbar erscheint
Bild: Benedikt Ummen

Magdalena Witty und Benedikt Ummen sind mit einem Tesla-Elektroauto über Westasien Richtung Russland unterwegs. Die spannende Frage: Wann muss die Batterie geladen werden?

Nach wie viel Kilometern muss die Batterie wieder ans Netz? Für jeden Fahrer eines Elektroautos eine spannende Frage, besonders spannend, wenn man sich auf große Tour begibt. Gerade dies hat jedoch Benedikt Ummen und Magdalena Witty gereizt, wie die junge Frau via Skype erzählt. Sie befindet sich gerade in Astana, Kasachstan und hat dort ihr Elektroauto am Schweizer Pavillon der Expo gezeigt.

 Das Paar lebt in der Schweiz, Magdalena Witty wuchs in Utting und Windach auf, ihr Freund stammt aus Nordrhein-Westfalen. „Das Thema der Expo ist Future Energy, also Energie der Zukunft, das passt perfekt.“ Die beiden durften aufs Gelände fahren, was eigentlich den Präsidenten vorbehalten ist. „Wir beantworten pausenlos Fragen von Besuchern und Journalisten. Die meisten können nicht glauben, dass wir mit dem Elektroauto aus Europa gekommen sind.“

Unterwegs ist das Paar mit einem Tesla S 85, der Antrieb ist Strom, 400 Kilometer ist die Reichweite. Für den Tesla – er kostete gebraucht 65000 Euro – entschieden sie sich, da es ihrer Meinung nach das einzige E-Auto ist, welches zuverlässig 400 Kilometer macht.

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Der Wagen trägt den Namen, den sie ihrer Tour gegeben haben: E-Explorer, also gewissermaßen Elektro-Entdeckungsreisender. „Das Auto hat von uns die Sonderlackierung erhalten, damit es nicht nur schwarz und unnahbar erscheint, sondern nach Weltreise und Abenteuer aussieht und Menschen sich trauen, mit uns ins Gespräch zu kommen.“

Magda Witty, die als Unternehmensberaterin arbeitete, erzählt, dass sie und ihr Freund – er hat in der Schweiz Maschinenbau studiert – sich für E-Mobilität interessierten. 2015 bekam er von ihr die Biografie des Tesla-Gründers Elon Musk. Beide hatten den Traum, eine längere Reise zu machen, auf der sie etwas erleben.

Beide Interessen haben sie nun vereint. „Wir wollen beweisen, dass es geht.“ Start war Anfang April in der Schweiz, über Utting ging es nach Österreich auf den Balkan. Georgien, Armenien, Iran und Turkmenistan wurden durchfahren, jetzt sind beide in Kasachstan. Die Route wird dann nach Russland führen, zu verfolgen ist sie über den Internetblog der beiden.

„Einen Stromnotfall hatten wir bisher noch nicht“, sagt Witty. Aber wie funktioniert das, schließlich steht hier kein Supercharger, das heißt Schnellladegerät, der die Batterie in 30 bis 40 Minuten lädt? Die beiden jungen Deutschen brauchen für ein schnelles Laden ihres Fahrzeugs dreiphasigen Strom von 380 bis 400 Volt, das heißt Starkstrom. Und den gibt es beispielsweise in Werkstätten, Hotelküchen oder an Campingplätzen. Es reicht auch der 220 Volt Haushaltsstrom, dann muss jedoch die Batterie über mehrere Stunden am Netz hängen.

Freilich würde es nicht funktionieren, wenn ihr Freund nicht manchmal etwas zusammenbastele, erzählt Witty, das heißt einen Adapter, um vor Ort anstecken zu können. „Hin und wieder laden wir auch an der normalen Steckdose auf. Schwieriger als das Stromtanken ist so mancher Grenzübertritt, beispielsweise nach Turkmenistan. Acht Stunden hätten sie dort gewartet, erzählt die junge Frau. „Da lernt man den Schengenraum wertschätzen.“

Oder das Wetter macht zu schaffen. Der Wintereinbruch erwische sie Ende April in Montenegro. „Wir waren eingeschneit mit Sommerreifen.“ Und in Usbekistan galt es dann Hitze von 42 Grad Celsius auszuhalten. Gefährliche Situationen haben sie keine erlebt, die Menschen seien sehr hilfsbereit.

Im Kosovo wurden sie sogar auf eine Hochzeit eingeladen, der Tesla fungierte als Hochzeitsauto. „Es sind extrem gastfreundliche Kulturen“. Frage man nach einer Autowerkstatt, werde man hingebracht. Sie versuchten auch immer den Strom zu zahlen, was manchmal aber auch als Affront gesehen werde. Die letzten sechs Nächte hätten sie in Wohnungen von Einheimischen übernachtet ohne einen Cent zahlen zu müssen. „Es macht gerade richtig Spaß.“

Im Iran seien sie fast wie Berühmtheiten behandelt worden, denn dort gebe es keine amerikanischen Autos. Auf ihrer Webseite ist ein Artikel der iranischen Financial Tribune über ihren Besuch dort verlinkt. Wie die politische Situation in einem Land ist, bekommen die Reisenden auch indirekt mit: über den Zugang zu Internet und Sozialen Medien. „Kasachstan ist sehr westlich und die Internetverbindung tipptopp.“ Im Iran und in Usbekistan sei der Zugang dagegen sehr reglementiert und in Turkmenistan ganz schwierig.

Nicht schwierig, aber zumindest gewöhnungsbedürftig ist für Fahrer, aber auch Fußgänger so ein Elektroauto. Denn ohne Verbrennungsmotor ist bis auf die Reifengeräusche nichts zu hören. Und da reagiert ein Passant schon mal erschreckt auf das leise Automobil, welches plötzlich hinter ihm ist.

Meist sei es aber mehr ein verwundertes Anschauen, meint Magdalena Witty. Vor Unfällen schützte eine extrem gute Sensorik, die eigenständig Bremsvorgänge einleitet – und dies auch tut, wenn in ländlichen Gebieten Vögel auf der Straße sitzen. „Da muss man dann noch mal aufs Gaspedal drücken.“ Gas geben werden die beiden noch einige Wochen: Durch Russland über das Baltikum und Skandinavien geht es zurück gen Heimat, wo sie Mitte September ankommen wollen.

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