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Dießen

22.10.2020

Der Abbau der Skateranlage löst in Dießen einen Shitstorm aus

Nix mehr los: Nur noch eine Asphaltfläche findet sich an der Stelle der bisherigen Skateranlage in Dießen. Wenn sie neu gebaut wird, soll sie jedoch um den bisherigen angrenzenden Basketballplatz erweitert werden.
Bild: Gerald Modlinger

Plus Am Mittwoch wurde die Freizeitstätte beim MTV-Gelände demontiert. Die Jugendlichen, die sich dort treffen, wussten davon nichts. Der Ärger darüber entlädt sich im Internet.

Es ist ein Shitstorm erster Güte, den die Demontage des Skaterplatzes beim MTV-Gelände in Dießen ausgelöst hat. Am Mittwoch wurden die Aufbauten weggebracht – ohne vorherige Information der Jugendlichen, die sich dort treffen, wie es in einem Facebook-Post kurz darauf hieß. „Die Gemeinde macht einfach alles platt, ohne uns miteinzubeziehen“, schrieb Stefanie Sanktjohanser. Und dann ging es rund, binnen weniger Stunden folgten Dutzende Kommentare – und auch Rechtfertigungen der Kommunalpolitiker bis hin zu Bürgermeisterin Sandra Perzul.

So kritisierte Sanktjohanser, dass man die Gemeinde bereits vor einem Jahr darauf aufmerksam gemacht habe, dass der Skaterplatz nicht TÜV-konform sei. Daraufhin habe man sich mehrmals getroffen, diskutiert, Pläne eingereicht, Angebote eingeholt „und viel Zeit und Mühe investiert“. Das sei alles im regen Kontakt mit den Gemeindevertretern geschehen. Weitere Vorwürfe folgten rasch: „Für die Jugendlichen wird absolut nichts gemacht“, hieß es beispielsweise.

Die Tischtennisplatte ist immer noch nicht aufgestellt

Das lässt der Jugendreferent des Gemeinderats, Frank Fastl, so freilich nicht stehen. Manche Projekte dauerten einfach länger, gibt er zu verstehen und verweist beispielsweise auf die benachbarte Soccerbox, bei der es vier Jahre gedauert habe, bis sie stand. Und die bereits 2018 angeschaffte Tischtennisplatte, die daneben aufgestellt werden soll, stehe noch immer im Bauhof. Im Bad in St. Alban seien eine Seilbahn installiert und Spielgeräte aufgestellt worden, in Dettenschwang sei der Spielplatz erweitert worden. Und in Workshops mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehe es darum, was in den nächsten Jahren gemacht werden könne. Trotz Corona-Einschränkungen sei ein Ferienprogramm aufgestellt worden. Allerdings: „Leider fanden die meisten Veranstaltungen mangels Teilnehmern nicht statt.“

Aktuell stehe der Skaterplatz auf der Agenda. Fastl lobt die „tolle Zusammenarbeit mit den Jugendlichen“, schreibt aber auch: „Leider grätscht jetzt hier die Bürokratie rein, aber vielleicht (hoffentlich) sieht die Welt im Frühjahr 2021 wieder wunderbar aus, weil der komplette Bereich neu gestaltet wurde. Kurzfristig – auch aufgrund der Kommunikation – verständlicherweise ärgerlich.“ Wie Fastl weiter ankündigte, solle der Skaterplatz nicht nur erneuert, sondern auch deutlich vergrößert werden – und zwar um das angrenzende Basketballfeld. Am Montag, 26. Oktober, steht der Skaterplatz denn auch auf der Tagesordnung der ab 19.30 Uhr in der Halle 4 der Carl-Orff-Schule stattfindenden Gemeinderatssitzung. Trotz der Kritik an der gemeindlichen Vorgehensweise lobt denn auch Stefanie Sanktjohanser die Aktivitäten des Jugendreferenten: Der habe den Jugendlichen wirklich geholfen.

Neben dem Skaterplatz gibt es seit 2019 eine Soccerbox (im Bild der Jugendreferent des Gemeinderats, Frank Fastl). Die Aufstellung einer Tischtennisplatte kommt jedoch nicht so recht voran.
Bild: Uschi Nagl

Der Skaterplatz hatte in den vergangenen Monaten mit den coronabedingten Einschränkungen offenbar eine große Bedeutung als Treffpunkt für junge Menschen. So schreibt eine Mutter: „Das war im Moment die beste Möglichkeit, sich mit Freunden im Freien zu treffen. Es wäre schön gewesen, wenn die Anlage, so wie sie jetzt war, noch hätte stehen bleiben können, bis die Anlage erneuert wird. Schließlich ist der Zustand schon seit Jahren so.“ Die Jugendlichen seien vor den Kopf gestoßen worden. Sie hätten sich gewünscht, informiert zu werden „um sich seelisch und moralisch darauf einzustellen, dass sie nun wieder einen neuen Treffpunkt suchen müssen". Aber sie freuten sich auf eine Neugestaltung des Platzes (hoffentlich) im Frühjahr.

Ein Sachverständiger forderte den sofortigen Abbau der Skateranlage

Bürgermeisterin Sandra Perzul klinkte sich in die Debatte im Netz schließlich auch noch ein: Dass der Abbau der Skateranlage so schnell erfolgte, sei Folge der kürzlich stattgefundenen jährlichen Prüfung der gemeindlichen Spiel- und Sportanlagen. Dessen Bericht habe „die Verpflichtung des sofortigen Abbaus“ enthalten. Ein entsprechendes Hinweisschild werde aufgestellt und sei schon in Auftrag gegeben. Weiter schreibt Perzul: „Unabhängig von der Entwicklung in den vergangenen Jahren, wo meiner Meinung nach ,nicht nichts passiert’ ist, gibt es im neuen Gemeinderatsgremium viele Ideen, wie man den Jugendbeteiligungsprozess fortführen kann.“ Die Corona-Lage habe jedoch leider vieles über den Haufen geworfen. Wie der Kontakt zu jungen Menschen verbessert werden kann, lässt die Bürgermeisterin auch erkennen: „Gerne hätte ich auch einen engagierten Jugendbeirat oder ein Jugendgremium, mit dem man solche Probleme der Jugend offen und konstruktiv diskutieren kann.“

Der Jugendbeirat ist lange her

Einen Jugendbeirat hatte es in Dießen erstmals in den 1990er-Jahren gegeben. Zuletzt wurde in Dießen übrigens 2007, also vor 13 Jahren, ein Jugendbeirat gewählt. Seither scheiterten alle Versuche, ein neues Gremium zu bilden, das die Wünsche junger Menschen in Dießen artikuliert. Während Kommunalpolitiker bemängelten, dass junge Leute an einer solchen Interessenvertretung nicht interessiert seien, machte der frühere Leiter des Jugendtreffs auch darauf aufmerksam, dass ein solcher Beirat nur dann auf Interesse stoße, wenn die dort formulierten Vorschläge und Ideen zeitnah umgesetzt werden können.

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