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Landsberg

29.12.2019

Der Barde von Landsberg

Erik Müller liebt die Musik. Der 49-Jährige ist freiberuflicher Gitarrenlehrer und hat sich in Landsberg schon so einigen Musikprojekten gewidmet.
Bild: Peter Wilson

Plus Erik Müller ist ein Musiker mit einer großen Bandbreite. Seine Diplomarbeit schrieb er über englische Lautenmusik der Renaissance. Aber der Rocker spielte auch schon beim Metal-Open-Air in Wacken.

Das stille Örtchen? Das ist in diesem Haus dort, wo ein kleines Bild hängt. Darauf: Frank Zappa mit heruntergelassenen Hosen, wirren Haaren und ohne T-Shirt – während der Verrichtung seines Geschäfts. Wenn man die Toilette verlässt, wandert der Blick über Zeichnungen eines Kindergartenkindes. Beide Motive symbolisieren im Ungefähren die Bandbreite, innerhalb derer sich das Leben des Erik Müller bewegt. Also irgendwo zwischen Mitglied einer Metalband und Kinderbücher vorlesendem Familienvater. In der Mitte dann das eigentliche Leben und der Beruf: Erik Müller, 49, Vater zweier Kinder (zehn und vier Jahre alt) ist diplomierter Gitarrenlehrer mit eigenem Musikstudio im Haus.

Nächstes Jahr feiert seine Band Cumulo Nimbus 20-jähriges Bestehen. Seit ein paar Jahren ist es allerdings ruhig um die Renaissance-Metalband geworden, deren Name Müllers früherem Interesse für die Meteorologie entspringt. „cumulonimbus“ ist das lateinische Wort für Gewitterwolke. Plattenaufnahmen, Touren quer durch Deutschland, Kulturförderpreis der Stadt Landsberg im Jahr 2005 und vier Jahre später ein Auftritt auf dem in der Metalszene berühmt-berüchtigten Wacken Open Air.

Mittlerweile haben die Bandkollegen von früher alle Kinder

Warum gibt es seit 2014 keine Konzerte mehr, Herr Müller? Nun, er würde schon wahnsinnig gerne wieder „richtigen Rock“ machen, sagt der schlanke Mann mit den langen, dunklen, zum Zopf gebundenen Haaren. „Aber wir sind alle keine 25 mehr und mittlerweile gibt es rund zehn kleine Kinder bei den Bandmitgliedern.“ Also keine Zeit. Aber: In der gleichen Besetzung wie vormals „Cumulo Nimbus“ gibt es jetzt „Bernsteyn“ mit ähnlicher Musik, nur in Akustikversion. Mit ihrem Renaissance- und Neofolkrock tritt die fünfköpfige Band bis heute auf unzähligen Mittelalterfesten und -märkten auf.

Der Barde von Landsberg

Erik Müller, Gitarre und Gesang, wirkt bei den Auftritten – in seiner schwarzen knielangen Pumphose, dem weiten weißen Hemd unter schwarzer Weste sowie seinem Dartagnan-Bärtchen und den offenen Haaren – wie direkt aus dem Mittelalter entsprungen. Aufgewachsen ist er allerdings auf einem Dorf in Niedersachsen. Pünktlich zum Start am Gymnasium kam die Familie 1981 nach Landsberg und Erik Müller besuchte fortan neben dem DZG die Flötenklasse der Städtischen Sing- und Musikschule. Vater Klaus Müller arbeitete als Elektroniker bei Dornier in Oberpfaffenhofen und leitet bis heute den Gesangverein „Frohsinn“. Ein wenig liegt die Musik also in der Familie.

So kam Erik Müller zum Gitarrespielen

„Wenn man in den 70er-Jahren aufwächst, will man natürlich Gitarrespielen lernen“, sagt Erik Müller, „so das ganze Rumgepose mit Tennisschläger Luftgitarrespielen und so.“ Er erinnert sich an Deep Purple, The Teens, AC/DC, auch an Abba. Letztendlich hat er sich dann Ende der 80er-Jahre in den Song „Over the Hills and far away“ von Gary Moore und dessen Gitarre schockverliebt. Das war’s, das wollte er machen. Auch die Platte „The Crossing“ von der schottischen Band „Big Country“ hat ihn schwer beeinflusst. „Da ist nicht nur in der Mitte der Platte ein Loch, die habe ich so oft gehört, die ist ganz dünn geworden.“

Doch erst mal ging es nach dem Abitur 1991 und Zivildienst im Landsberger Krankenhaus („ich war der erste Zivi auf der neuen Storchennest-Station“) nach München an die Uni. Eine zweite Leidenschaft von Erik Müller sind nämlich die Naturwissenschaften, und da insbesondere die Meteorologie und die Astronomie. Und wo wir gerade bei den Leidenschaften sind: Auch sportlich war und ist Erik Müller viel unterwegs. Früher mit Judo und Leichtathletik, heute als Träger des vierten Dan in Karate (beim TSV Landsberg).

Zunächst wollte er Meteorologe werden

Ein Studium war dann doch nicht so seins und er brach nach zwei Semestern ab, um sich mit dem von ihm sehr verehrten Musikschulleiter und Gitarrenlehrer Lothar Kirsch zu besprechen. „Einfach ein hervorragender Musikpädagoge, ein Freigeist, der weiß, was Kinder brauchen“, so Erik Müller. Seine Idee nun: Musiklehrer werden. Er bestand die Aufnahmeprüfung am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg (Hauptfach Gitarre, Nebenfach Klavier), wechselte bald ans Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg, wo er 1999 mit Staatsexamen als staatlich geprüfter Musiklehrer abschloss und noch bis 2001 sein Diplom als Musiklehrer anhängte.

Das Abschlussthema seiner theoretischen Arbeit lautete „Ausgewählte musikalische Aspekte englischer Lautenmusik der Renaissance“. Schon immer faszinierte Müller neben der Metalmusik auch eben jene Lautenmusik aus vergangenen Zeiten. In seinen Bands hat er beide Aspekte integrieren können.

Wird aus dem Musiker Müller doch wieder ein Student?

Nach zweijährigem Jobben in diversen Musikschulen machte sich Müller 2003 als Gitarrenlehrer selbstständig. Das war in ungefähr die Zeit, in der es mit seiner Mittelalterband „Cumulo Nimbus so richtig krass losging“ und eine wilde Zeit folgte. Lederklamotten, düsterer Look, man muss sich das wohl ungefähr so wie auf Peter Wilsons „Landsberger-Leute“-Foto vorstellen.

Heute ist es insgesamt ruhiger geworden, die kleine Familie lebt beschaulich im Osten von Landsberg und Erik Müller frönt neben seiner Lehrertätigkeit vielen kleinen Nebenprojekten wie beispielsweise dem „Poetry Slam Rock“ der Band „Rogo Deville“ mit Christian Rogowski, die demnächst am 10. Januar in Waal auftreten.

Erik Müller liebt es einfach, unterschiedliche musikalische Stile und Instrumente auszuprobieren. Und wer weiß, vielleicht nimmt er ja noch mal sein Physikstudium auf. Oder er geht doch in den öffentlichen Dienst und wird festangestellter Musiklehrer. Oder „Cumulo Nimbus“ lebt wieder auf. So ganz genau weiß er das noch nicht.

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