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Landsberg

04.02.2017

Der Bond-Bösewicht mit keckem Spitzbärtchen

Ein bekanntes Gesicht im neuen Look: Götz Otto besuchte Snowdance mit Spitzbart, den er derzeit als Don Quijote am Hamburger Theater trägt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Götz Otto will nicht auf Action-Blockbuster festgelegt werden, hat aber ein Faible für Independent-Rollen. Jetzt war er zu Gast beim Snowdance-Festival.

Berühmt wurde er durch seine Rolle als wasserstoffblonder Fiesling aus dem Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“. Da spielt er den bitterbösen „Stamper“ und macht Bond-Darsteller Pierce Brosnan über den Dächern von Hamburg das Leben schwer. Auch sonst steht er oft als Bösewicht oder Nazi vor der Kamera. In Landsberg war Götz Otto jetzt weder blond noch böse.

Mit einem kecken Spitzbart – „den trage ich grad als Don Quijote im Altonaer Theater in Hamburg“ – mischte er sich im Likka unter das Festivalpublikum. Als „Special Guest“ des Snowdance Filmfests stand der 1,98 Meter große Hüne Festivaldirektor Tom Bohn Rede und Antwort und plauderte aus dem Nähkästchen eines Schauspielers. „Als ich damals im Boot den „Stamper“ spielte und wild um mich schoss, sang ich alle meine Entchen. Leider war das im Film später nicht zu hören“, erzählt er breit grinsend und hat die Lacher schnell auf seiner Seite, auch die von Tom Bohn. Beide kennen sich von einer Tatort-Verfilmung. „Aber das ist gut 20 Jahre her.“

Dass er bei einer Bond-Verfilmung mitwirken konnte, bezeichnet er als reinen Glücksfall. Beim Casting in London habe er sich damals mit den Worten vorgestellt: „I’m big. I’am bad. I’am german.“ Das habe wohl gereicht. Ansonsten nerve es ihn, ständig auf die Bond-Rolle angesprochen zu werden. Bond-Bösewicht sei ja keine Berufsbezeichnung. Otto legt Wert darauf, offen für alle möglichen Rollen zu sein. „Egal, ob Film, Fernsehen oder Theater. Ich mache alles gern.“ Theater spiele er mindestens einmal im Jahr. „Da kann ich dann auch gut meine beruflichen Fähigkeiten anspitzen. Das geht besser als vor der Filmkamera“, erläutert der 49-jährige Familienvater.

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Gerne würde er mal den „Hamlet“ oder im „Tod eines Handlungsreisenden“ im Theater spielen. Doch reichen seine Engagements aus, um vier Kinder satt zu bekommen? „Ich liege schon manchmal nachts im Bett und bekomme es mit der Angst zu tun“, gesteht Otto ein, der mit seiner Familie im Würmtal im Süden Münchens lebt. Dennoch liebe er seinen Job und würde auch nicht von der Schauspielerei abraten. „Eltern sollten ihre Kinder unterstützen, das zu tun, was sie antreibt, was ihre Leidenschaft ist, was sie gerne machen“, betont Otto. Das habe auch sein Vater mit ihm gemacht. „Und der war Bäcker und wollte ursprünglich, dass ich das auch werde.“

In Landsberg war Otto am dritten Shortfilm- und DJ-Abend im Likka auch in seiner Paraderolle als böser Mond-Nazi Klaus Adler in „Iron Sky“ zu sehen. Ein Independentfilm, der mittlerweile Kultstatus hat. Und? Wirkt er weiter bei Indie-Filmen mit? In Frankreich sei gerade der Kurzfilm „Vesper“ von Keylan Sheikhalishahi angelaufen. „Da spiele ich an der Seite von Agnes Godey“, erläutert Otto. Überhaupt spiele er derzeit viel in französischen Filmen. Nur bekomme das deutsche Publikum das leider kaum mit.

Und der Independentfilm an sich? „Man braucht durch die neuen Produktionsmöglichkeiten nicht mehr so viel finanzielle Mittel, um eine gute Geschichte zu erzählen“, ist sich Otto sicher. Auch aus Deutschland heraus würden es immer mehr Indie-Filme auf den internationalen Markt schaffen. Da sei es von Vorteil, dass auch in Deutschland immer mehr auf Englisch produziert werde.

Zudem änderten sich die Verwertungssysteme. der Filmprofi Götz Otto ist sich daher sicher: „Das klassische Fernsehen wird es in 20 Jahren so nicht mehr geben“.

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