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Landsberg

19.03.2016

Der Bruder taucht in Köln auf

Der Bruder es Panthers in Köln: Die Ähnlichkeit ist unverkennbar.
Bild: Joachim Zeller

Inselbad-Panther Eine identische Bronzeskulptur stammt aus dem Jahr 1920. Auch der Zufall spielt eine große Rolle

Der kürzere Weg zum Erfolg ist oft der Umweg. Diese Erfahrung machte die junge Forschungsgruppe rund um das Projekt „Der Panther im Inselbad“ machen. Nachdem sie die ersten Spuren der rätselhaften Bronzeplastik zwischen dem heutigen Standort und dem Mutterturm ausgemacht hatten (LT berichtete), führten ihre Untersuchungen jetzt sogar bis nach Köln.

Auf die Stadt am Rhein hatten sie nicht zuletzt einige Hinweise von Landsbergern und Internetrecherchen gebracht. Projektleiter Wolfgang Hauck vom Kulturverein „KunstBauStelle“ und die Jugendlichen der Mittelschule staunten jedenfalls nicht schlecht, als sie den „Landsberger“ Panther auf Fotos im Südpark im Kölner Stadtteil Marienburg entdeckten. Da sich beide Panther zum Verwechseln ähnlich sehen, wandte sich die Gruppe aus Schülern und Flüchtlingen an die Kölner Stadtverwaltung. Ein Volltreffer, beinahe, denn wie in Landsberg war auch die Kölner Archivlage eher dünn denn hilfreich. Immerhin konnte Stadtkonservatorin Marion Grams-Thieme das ungefähre Entstehungsdatum mitteilen. Die Bronzeplastik ist in einer zweibändigen Publikation über Kölner Bildwerke des 20. Jahrhunderts erwähnt: 1920. „Vermutlich“, so die Stadtkonservatorin, „wurde sie um diese Zeit auch im Südpark aufgestellt.“ Im Gegensatz zum Landsberger Panther steht sein Kölner Bruder zudem unter Denkmalschutz und wurde, so Grams Thieme „von der Stadt Köln erworben“. Eigentümer am Lech sind, wie Norbert Köhler auf Anfrage von Wolfgang Hauck erklärte, die Stadtwerke, die aber über keinerlei Unterlagen verfügen. Dass die Spuren von Köln wiederum nach Bayern führten, lag an einem kleinen Detail, das man nur allzu schnell übersehen kann. Wie jeder Bronzeguss, so ist auch der Kölner Panther mit einer Art Stempel versehen: „Erzguss Ferdinand von Miller“, eine einstmals renommierte Münchner Kunstgießerei.

Daraufhin untersuchten jungen Landsberger Geschichtsforscher nochmals „ihren“ Panther. Sie wurden zwar fündig. Ihre Entdeckung sorgte aber gleichzeitig für eine weitere Verwirrung und Aufregung, die bei diesem Geschichtskrimi wohl mittlerweile wie selbstverständlich dazugehört. Auf der Plinthe, dem Untersatz auf dem der Panther steht, ist zu lesen: „Guss A. Brandstetter München“. Für Katharina Grenzmann, 16, stand wie für die anderen fest: „Ein Panther, zwei Gießereien“.

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Die Münchner Kunstgießerei ist, wie die Projektteilnehmer vor Ort überprüfen konnten, eine Institution. Der Sohn des jetzigen Inhabers, Göktepe Asian führte die jungen Forscher persönlich durch den traditionsreichen Betrieb.

Das museal anmutende Ambiente wurde in der Tat seit über 100 Jahren kaum verändert, Rußspuren allerorten, dazu der Geruch von Wachs, der sich in dem alten Gemäuer festgesetzt hat. Fasziniert schauten die Landsberger, Göktepe Asian dabei zu, wie er anhand eines Gipsmodells die einzelnen Schritte eines Bronzegusses nachvollzog. Auch wenn heutzutage neben Wachs auch Silikon eingesetzt wird, sind immer noch Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefordert. Millimeterarbeit, im sprichwörtlichen Sinn. „Wenn der Guss bei einer größeren Bronze stärker als vier Millimeter ist, dann verzieht sich das Metall“, erklärte Asian, und fügte hinzu: „Das ist dann nicht so doll“.

Gelernt haben die Teilnehmer aber auch eines: Bei Bronzegüssen handelt es sich nicht um Voll-, sondern um Hohlgüsse.

Bei ihren Recherchen im Landsberger Inselbad war immer wieder die Frage nach dem Gewicht des Panthers aufgetaucht. Wie schwer ist er wirklich? Bademeister Christian Wappler hatte ihnen unter anderem die Geschichte erzählt, wie junge Besucher vor etlichen Jahren bei einer nächtlichen Aktion den Panther vor lauter Übermut ins Becken werfen wollten. Um Streiche dieser Art zukünftig zu unterbinden, wurde der Panther zunächst im Winter mit einer Kette gesichert und dann mit Beton ausgegossen und auf dem Waschbetonsockel befestigt.

Zaker Alizade aus Afghanistan, aber auch Badr Alahmar konnten über die Aktion der Jugendlichen, die den Panther ins Wasser schmeißen wollten, nur den Kopf schütteln. „So ein Kunstwerk erfordert doch Respekt. Das ist doch wertvoll“. Wie wertvoll es wirklich ist, das war also eine weitere Frage, mit der es sich auseinanderzusetzen galt. Auch hier konnte Gökpete Asian weiterhelfen: Vom reinen Materialwert her betrachtet, bewegt sich der Wert einer Bronzeplastik je nach Größe bis zu einigen Tausend Euro. „Im Internet“, so Projektleiter Wolfgang Hauck „findet man Auktionen von kleineren Modellen des Panthers, „die zwar nur zwanzig Zentimeter groß sind, aber bereits für 13000 Euro versteigert wurden“.

Apropos Panther-Modell. Fotos des Inselbad-Panthers hatten die Jugendlichen natürlich auch nach München mitgenommen. Zu ihrer Überraschung konnte Asian sofort etwas mit ihnen anfangen. Aus dem Stehgreif erklärte er, dass Hans Kastner, ein bekannter berühmter Tierplastiker seine Modelle einstmals in der Gießerei A. Brandstetter hatte anfertigen lassen. Kastner wiederum war ein Schüler des noch bekannteren Künstlers Fritz Behn.

Das nun war ein wirklicher Volltreffer. Auf den Inselbad-Panther nämlich ist Fritz Behn auf der Plinthe als Künstlername eingraviert. Der Landsberger Panther wurde auch – allerdings ohne Angabe des Datums – in der Münchner Kunstgießerei hergestellt, welche die jungen Forscher mehr oder weniger zufällig vor einigen Wochen bereits besucht hatten. Vor diesem Hintergrund machte eine Äußerung von Jürgen Aicher, Schwimmmeister und Betriebsleiter des Inselbades seit 1982, Sinn. Zu Beginn der Recherchen hatte er wissen lassen: „Die Nachfrage nach dem Panther ist im Moment sehr hoch. Selbst aus Murnau sind Leute hier gewesen.“ Zur Erinnerung: Seit 1972 steht die bronzene Wildkatze im Inselbad.

Bei den bisherigen Nachforschungen spielten Vermutungen, Zeitzeugen, der Zufall und eine gehörige Portion Glück eine große Rolle. Dass Internet-Recherchen indes Grenzen haben und mitunter auch in die Irre führen können, darüber berichtet das LT am kommenden Wochenende. „Es wird nicht einfacher, aber noch spannender“, verspricht Projektleiter Wolfgang Hauck.

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