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Kommentar

27.10.2017

Der Fall „Moritz“

Im Frühjahr 2017 feierte das „Moritz“ in Landsberg sein zehnjähriges Bestehen. Jetzt ist die Zukunft des Clubs offen.
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Im Frühjahr 2017 feierte das „Moritz“ in Landsberg sein zehnjähriges Bestehen. Jetzt ist die Zukunft des Clubs offen.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Der Fall „Moritz“ ist verzwickt. Die einen wollen in der Stadt feiern, die anderen ihre Ruhe. Die Lösung liegt hier wohl nicht in einer Entscheidung der Stadt, vielmehr sind wir verantwortlich.

Wenn man bei jeder Störung sofort aufschreit und die Polizei holt, wird die Stadt bald eine Schlafstadt sein. Ist eine Lösung, die einfach scheint, wirklich eine Utopie? Die Wirte sorgen für mehr Schallschutz, die Gäste schreien nachts nicht lautstark in der Stadt herum, und wir tolerieren kleine Störungen. Denn einst gab es in der Stadt drei Diskotheken und es wurde bis in den frühen Morgen getanzt.

1968 startete der „Kratzer“ von Uli Stegmeir. Danach der „Here-Club“ und das „Privé“ – und in Igling der Sommerkeller. Die Jugend in Landsberg und auch die angesiedelte Bundeswehr hatten jede Menge Möglichkeiten, auszugehen. Fast scheint es so, als wären mit der Schließung der Kasernen auch die Discos gestorben. Denn heute gibt es außer der Sonderbar und einigen kleineren Bars nur noch den Club von Claus Moritz, wo getanzt und gefeiert werden kann. Das „Glücklich“ (der „Kratzerkeller“ wird abgerissen, es gab Beschwerden der Nachbarn) musste seinen Standort verlassen und geht jetzt auf Wanderschaft. Nächster Auftrittsort: das Jugendzentrum.

Der Hahn auf dem Dorf und die Disco in der Stadt

Auch der Club Moritz kann mit zwei Tanzveranstaltungen im Monat nicht überleben. Doch nicht die Stadt ist schuld an dieser Entwicklung – auch wenn es auf Facebook so oft betont wird. Sondern die stets nachlassende Bereitschaft vieler Menschen, noch Störungen hinzunehmen. Was auf dem Land der Gockelschrei am Morgen, die Kuhglocken oder die Kirchturmuhr ist, ist in der Stadt die Kneipe, der Biergarten oder der Club.

So musste 1992 das sehr erfolgreiche „Privé“ schließen, weil es einer Nachbarin nachts dort zu laut war. Ähnlich wie im Moritz? Vielleicht, nur war das „Privé“ schon lange vor der neuen Wohnbebauung da, und die Nachbarin wusste, bevor sie hinzog, dass es in der Nähe eine Diskothek gab. Trotzdem bekam die Nachbarin vor Gericht recht, der Club musste früher zusperren und war nicht mehr rentabel.

Vorwürfe an die Stadt sind falsch

Beim Moritz waren die Anwohner zuerst da. Trotzdem wird seit über zehn Jahren dort gefeiert und die Stadt wurde erst aktiv, als ein anderer Landsberger einen ähnlichen Club betreiben wollte. Danach stellte man fest, dass Nachtclubs in den Mischgebieten der Stadt nicht zugelassen sind. Der Stadt einen Vorwurf zu machen, ist in diesem Fall falsch – im Gegenteil, sie hat den Club an dieser Stelle über zehn Jahre sogar geduldet.

Auch aktuell hat OB Neuner alles versucht, den Club zu halten und scheitere bei der Regierung von Oberbayern. Wenn wir in der Stadt feiern und tanzen wollen, müssen wir (natürlich in Grenzen!) auch in Kauf nehmen, dass es mal lauter wird. Aber es soll ja auch Leute geben, die nach einem Kneipenbesuch nach Hause gehen, dann bei der Polizei anrufen und sich beschweren, dass es jetzt in dieser Kneipe zu laut ist, und sie schlafen wollen. Wer es also totenstill in der Stadt will, muss künftig mit dem Auto zur nächsten Disco fahren.

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28.10.2017

Der Kommentar ist inhaltlich richtig, aber er kommt leider 6 Monate zu spät.Bereits im April haben wir vom Glücklich Club und RS Event & Artistmanagement die Aktion "passt auf unsere Nachtkultur auf" gestartet!Wir haben vor 6 Monaten schon darauf hingewiesen, dass unser Club extreme Probleme mit Hilde hat und haben unsere Gäste gebeten, im Außenbereich, bei der An & Abreise und beim warten auf das Taxi ruhig zu sein, den Nachbarn wie Hilde nicht in die Karten zu spielen! Auch sind wir damals und immer wieder an die lokalen Medien heran getreten, haben gebeten unsere Aktion public zu machen, den Flyer abzudrucken!Geantwortet hat uns nie jemand, weder das Landsberger Tagblatt, der Kreisbote oder sonstige Zeitschriften, Radiosender etc. Erst als wir vom Glücklich 4 Tage vor unserem Re-Opening das Ende einer 10 jährigen Club Geschichte verkünden mussten sind die Medien auf uns aufmerksam geworden! Doch da war es leider schon zu spät! Aber die Sensation war da und damit das Interesse! Ähnlich verhält es sich mit dem Moritz, auch die Sonderbar leidet seit geraumer Zeit unter dem Druck der Nachbarn! Natürlich konnten wir durch unsere Türsteher vor dem Glücklich Club durch permanentes hinweisen auf die Nachbarn auf unserem Grundstück für Ruhe sorgen, aber wir konnten nicht alle Straßen im Umkreis von 500 Metern kontrollieren und jeden Schreihals zur Ruhe bringen! Ähnlich ist es bei der Sonderbar! So ziemlich jeder der am Wochenende am Hellmaierplatz ein Bier trinken geht wurde beim Rauchen vom Türsteher schon darauf hingewiesen, doch bitte ruhig zu sein! Jetzt ist das Moritz dran, und wieder ist das mediale Interesse groß! Und wieder ist es zu spät! Dass die Nachtkultur in unserer so schönen Stadt langsam stirbt liegt nicht alleine an den Nachbarn, an den Clubbetreibern, der Stadt selber oder an den Gästen! Es ist eine Verkettung von Ignoranz, Intoleranz, Arroganz und Rechthaberei! Den was man bei all den Diskussionen bedenken muss! Der Lärm durch die Clubs entsteht nie durch die Clubs selber sondern durch die Gäste, die sich vor den Club aufhalten. Und wir reden hier nicht von Lärm wie dem eines Max Giesinger Konzertes auf der Waitzinger Wiese! Wir reden von Gruppen von Menschen die Nachts draussen stehen uns ich unterhalten! Wir reden von Nachbarn die in unsere Stadt ziehen und hier leben wollen wie auf dem Dorf! Wir reden von einer Stadt die lange Zeit nicht ihre eigenen Gesetze kannte und jetzt nur noch reagieren kann statt zu agieren! Wir reden von der Schaffung von immer mehr Wohnraum die keinen Platz mehr für Nachtkultur übrig lässt! Wir reden von Medien die sich nicht um unsere Bitten gekümmert haben, die nicht einmal nachgefragt haben wo das Problem liegt! Die Beste Antwort war: "Wenn sie wollen dass wir das Drucken kann ich sie gerne mit unserer Werbeanzeigenstelle verbinden" Als Inhaber einer Veranstaltungsfirma bin ich es gewohnt mich mit Menschen herum zu schlagen, die Regelwerke auswendig kennen und Entscheidungen treffen, die keinerlei Sinn machen aber dem Regelwerk entsprechen! Dem ruf nach einem Club am Stadtrand kann ich hier nur folgendes entgegen bringen! Wir leben in einer Zeit in der immer weniger Jugendliche ein Auto besitzen geschweige denn einen Führerschein machen! Wir sind in einer wunderschönen Stadt zu Hause, deren Innenstadt zum blieben, zum Leben einlädt! Nicht zum schlafen! Ein Nachtclub am Stadtrand ist leider nicht finanzierbar, nicht realistisch! Die Nachfrage nach Clubveranstaltungen ist in den letzten Jahren immer mehr zurück gegangen, die Clubs werden in ganz Deutschland kleiner und spezialisierter! Das Konzept Großraumdisse für Alle funktioniert nicht mehr, so einfach ist das! Und das ist auch gut so! Nachtkultur ist mehr als 2 Drinks zum Preis von einem, mehr als Despacito und Hulapalu! Wenn nicht endlich bald alle Beteiligten, also Anwohner, Gäste, Betreiber und die Stadt sowie die Medien an einem Strang ziehen wird es über kurz oder lang bald kein Angebot mehr geben in der Stadt! Das bedeutet auch die Vernichtung von Arbeitsplätzen und Existenzen! Das wir vom Glücklich Club gerade auf Wanderschaft sind ist nicht dem Grund geschuldet, dass wir damit Geld verdienen wollen oder können! Durch das ständige Errichten von mobilen Clubs, sei es in der Likka Lounge, dem Jugendzentrum oder bald anderen Locations kann kein Geld verdient werden! Wir machen es weil wir nicht aufgeben wollen! Aber das ist kein Dauerzustand! Kurz gesagt: PASST AUF UNSERE VERDAMMTE NACHTKULTUR AUF! UND ZWAR ALLE! Clubs sind das Ventil zum Alltag, Musik etwas das uns alle verbindet! Das treffen von Freunden an einem Ort die Alternative zur Social Media Abstumpfung!Das war der Inhalt der Aktion! Aus gegebenen Anlass starten wir die Aktion: PASST AUF UNSERE NACHTKULTUR AUF!Hintergrund dieser Aktion :Durch die Wohnraumverdichtung in Landsberg haben immer mehr Nachtbetriebe auf einmal Probleme mit Anwohnern, die neu zugezogen sind und "nicht wussten", dass sie über einer Bar oder einem Nachtclub wohnen! Diese neuen Anwohner machen den Betreibern der Bars und Clubs momentan das Leben zur Hölle, verschwenden die Zeit der Polizei indem sie bei jedem Husten vor ihrem Fenster genau diese rufen um den Lärm zu beseitigen! Die Polizei rückt meistens auch an, stellt fest dass alles ist wie immer und fahren wieder weg! Wertvolle Zeit die da jedes Mal verloren geht! Was wollen wir mit der Aktion erreichen! Spielt den Anwohnern nicht in die Karten. Egal ob ihr am Glücklich steht, dem Bootshaus Schongau, dem Moritz Landsberg, dem Aquadrat oder der Sonderbar Landsberg, versucht jeglichen Lärm im Außenbereich, auf den Parkplätzen oder bei der Anreise zu vermeiden! Den irgendwann verliert selbst der härteste Veranstalter die Lust auf so einen unnötigen Kampf und gibt auf, mit dem Ergebnis, dass die Nachtkultur irgendwann etwas sein wird, wovon ihr euren Kindern erzählen könnt!Deswegen: Passt auf eure Clubs auf!#supportyourlocalclub #supportyourlocalartists #Lärmistnichtimmerlärm

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