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Pürgen

06.12.2020

Der Gnadenhof Frauenwies bei Pürgen braucht einen Finanzier

Jane Kellner (mit Esel Carlos) hofft durch einen Verkauf ihres Gnadenhofs in Frauenwies das Tierasyl weiterbetreiben zu können.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Janne Kellner kümmert sich auf dem Anwesen bei Pürgen um Tiere aus schlechten Verhältnissen. Die finanzielle Situation ist schwierig – eine außergewöhnliche Aktion soll den Hof jetzt retten.

Schon seit geraumer Zeit befindet sich der zwischen Lengenfeld und Pflugdorf gelegene Gnadenhof Frauenwies in finanziellen Schwierigkeiten. Die Corona-Pandemie hat die ohnehin schon angespannte Situation verschärft: Viele Spenden bleiben in diesem Jahr aus – schon bald könnte sogar das Futter knapp werden, wie Betreiberin Janne Kellner gegenüber dem Landsberger Tagblatt berichtet. Mit einer ungewöhnlichen Aktion sollen die Pferde, Ponys, Esel, Katzen und Hunde, die auf dem Hof friedlich zusammenleben, doch noch gerettet werden sollen.

Bereits seit 2016 steckt der Gnadenhof Frauenwies, der jeden Monat rund 11.000 Euro an Unterhaltskosten benötigt, in finanziellen Schwierigkeiten. Damals, erzählt Janne Kellner, seien innerhalb eines Tages zwei Spender verstorben, auf die sie dringend angewiesen war. Durch die Corona-Pandemie habe sich die Situation nun noch einmal deutlich verschlechtert. „Zu unseren Unterstützern zählen beispielsweise viele Theaterschauspieler. Und die sind jetzt selbst im Lockdown.“ Janne Kellner habe inzwischen ihre eigene Lebensversicherung und auch einen Bausparvertrag in den Hof gesteckt.

Auch der Hagel vor eineinhalb Jahren richtete Schäden an

Auch die Nachwirkungen des Hagelunwetters im vergangenen Jahr bekomme der Gnadenhof noch immer zu spüren. Damals hatte der Sturm Teile des Stalldachs zerstört, zwei Pferde wurden von herunterstürzenden Ziegeln getroffen und mussten später eingeschläfert werden. Das Dach sei mittlerweile repariert, allerdings müssten am Giebel einige Bretter eigentlich dringend ersetzt werden. „Sonst bläst es uns beim nächsten Sturm wieder das Dach weg“, sagt Janne Kellner. Doch ein Angebot eines Betriebs aus der näheren Umgebung sei ob der klammen Kassen momentan einfach nicht zu stemmen.

Jane Kellner mit ihren drei Hunden. Ihr Gnadenhof in Frauenwies ist in einer finanziellen Notlage.
Bild: Julian Leitenstorfer

Aufgeben kommt für die 68-Jährige, die den Gnadenhof als „ihre Berufung“ bezeichnet, aber nicht infrage. „Ich habe versprochen, mich bis zu meinem Lebensende um die Tiere zu kümmern“, sagt Janne Kellner. Bereits seit 1982 betreibt sie ihr Tierasyl und hat dabei nach eigenen Angaben strenge Auflagen des Landratsamts zu erfüllen. Janne Kellner nimmt dies gerne in Kauf – für sie ist die Hauptsache, dass es ihren Tieren gut geht. „Zur Not ernähre ich mich eben nur noch von Haferflocken und Wasser.“

Der Makler will an dem Geschäft nichts verdienen

Ganz abgesehen von der Corona-Krise hat Janne Kellner beobachtet, dass die Menschen inzwischen jedoch lieber für Tiere im Ausland spenden. „Sie kommen an meinem Hof vorbei und sehen, in welch gutem Zustand die Pferde jetzt sind. Davor waren die Tiere aber total im Eimer“, sagt sie.

Mittlerweile ist Janne Kellner auf der Suche nach einem Investor und arbeitet dabei mit dem Landsberger Immobilienmakler Riesemann zusammen. Laut Manuel Riesemann möchte das Unternehmen daran nichts verdienen und spendet seine Zeit und Maklercourtage. Der Auftrag läuft bis Ende Dezember. Wenn sich bis dahin nichts tut, müsste Janne Kellner wohl anfangen, ihre Tiere einschläfern zu lassen. „Wir sind positiv gestimmt“, sagt Manuel Riesemann. „Wir haben bereits Gespräche geführt.“ Der Hof soll nach dem Bieterverfahren verkauft werden – der Startpreis liegt bei 800.000 Euro.

Welche Bedingungen Janne Kellner formuliert

Janne Kellner ist froh über die Hilfe der Makler. Allerdings stellt sie auch einige Bedingungen. Sie möchte auf dem gut 10.000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem sich auch zwei Wohnhäuser befinden, weiter mit ihren Tieren leben. „Ich muss mich ja weiter um sie kümmern“, sagt sie. Dass auf dem Hof, der auch gewerblich genutzt werden dürfte, etwa eine Autowerkstatt errichtet wird, möchte sie nicht. Ihr großer Wunsch ist, dass der Gnadenhof Frauenwies weiterhin ein Ort der Ruhe bleibt.

Der Gnadenhof in Frauenwies aus der Vogelperspektive.
Bild: Julian Leitenstorfer

Für klassische Investoren könnte das lebenslange Wohnrecht eine Hürde sein, sagt Makler Manuel Riesemann. „Es fehlt eben der Punkt, ab dem sie auf dem Grundstück schalten und walten können.“ Er wünscht sich, dass beide Seiten aufeinanderzugehen und mögliche Investoren offen in alle Richtungen denken. „Keine Idee ist eine schlechte Idee“, sagt Manuel Riesemann. Einem Interessenten schwebe beispielsweise vor, auf dem Areal langfristig eine Tiny-House-Kommune zu errichten. Auch einen Campingplatz könnte sich der Makler aufgrund der idyllischen Lage vorstellen. „Vielleicht findet sich aber auch ein Käufer mit Weitblick, der dort irgendwann seinen eigenen Pferdehof errichten will.“

Der Bürgermeister ist guter Dinge

Auch Pürgens Bürgermeister Wilfried Lechler ist guter Dinge, dass sich ein Investor finden wird. Wichtig sei, dass die zukünftige Nutzung des Gnadenhofs auch in die Umgebung passe. „Ich kann mir vorstellen, dass dort weiterhin etwas mit Tieren gemacht wird oder Landwirtschaft entsteht. Es gibt aber viele Möglichkeiten und die Gemeinde wird sich alles anhören.“

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