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Egling

10.01.2021

Der Heimatverein Egling nutzt den Lockdown als Chance

Christopher Vila hat die Aktion "Du für die Kultur" mit initiiert. Der Vorsitzende des Heimatvereins Egling wird in der Corona-Krise kreativ und das zahlt sich aus.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Der Kultur- und Heimatverein Egling hat wegen der Beschränkungen neue Wege eingeschlagen. Das eröffnet nicht nur dem Verein Möglichkeiten, mit denen niemand gerechnet hätte.

Corona und Kultur – zwei Dinge, die sich nicht miteinander vertragen. Aber die Pandemie macht erfinderisch. Und zwar nicht nur in den großen Einrichtungen, sondern beispielsweise auch beim „kleinen“ Kultur- und Heimatverein in Egling. Mit einer neuen Aktion wurde eine Lawine losgetreten, mit der Christopher Vila, der Vorsitzende des Vereins, nie gerechnet hätte.

Erneut sind seit Wochen alle kulturellen Einrichtungen geschlossen – und bleiben es auch noch lange. Eine Situation, mit der sich der Dachverband für Kulturfördervereine in Deutschland (Daku) nicht so einfach abfinden wollte. Diesem Verband gehört auch Christopher Vila an. „Kultur lebt vom bürgerlichen Engagement“, sagt Vila im Gespräch mit dem Landsberger Tagblatt. Und dieses Engagement wolle man am Leben erhalten. Der Vorsitzende des Eglinger Fördervereins, der aktuell rund 70 Mitglieder hat, wurde also aktiv. So arbeitete er in dem Arbeitskreis mit, der die Initiative „Du für die Kultur!“ ins Leben rief – und man zeigte in Egling gleich, wie dieses Engagement aussehen könnte.

Über Nacht den Internet-Auftritt aus dem Boden gestampft

„Wir haben praktisch über Nacht einen Facebook- und Instagram-Auftritt aus dem Boden gestampft“, erzählt Vila, der aktuell seinen Master in Museumswissenschaften macht. Und das Echo war überwältigend. „Es kamen viele Rückmeldungen aus Egling und Umgebung und viele fragten nach, wie sie mitmachen können“, sagt Vila. Genau das wollte er erreichen: Dass sich jeder mit seinem Talent einbringt, das er hat. „Wenn jemand gut Videos machen und schneiden kann, soll er das tun und kann so mithelfen.“

Doch nicht nur Bürger meldeten sich zu Wort, auch andere Einrichtungen, mit denen man nicht gerechnet hatte: zum Beispiel das Haus der Stadtgeschichte in Waiblingen (bei Stuttgart). „Wir besitzen in Egling Kinderaltäre, in denen die Ministranten während der Zeit des Nationalsozialismus die Messe nachvollzogen haben“, erzählt der 33-Jährige – das Waiblinger Museum fragte wegen eines Leihvertrags an.

Unter anderem diese Kinderaltäre sind im Eglinger Heimatmuseum zu sehen.

Auch vom Knopf- und Regionalmuseum Schmölln (Thüringen) kam eine Anfrage. „Wir drei haben jetzt einen Antrag bei der Kulturstiftung der Länder gestellt“, sagt Vila – rund 50000 Euro sollen ein gemeinsames Digitalprojekt in Fahrt bringen. Aber auch Egling profitiert von dem Auftritt. „Erst vor Kurzem habe ich Trachten aus dem 19. Jahrhundert abgeholt, die uns aufgrund des Online-Auftritts angeboten wurden.“ Und in diesem Jahr dürfen sich alle Besucher auch noch auf eine besondere Ausstellung freuen. Das Arolsen-Archiv (Niedersachsen) verfüge über eine einmalige Sammlung an Dokumenten bezüglich KZ-Häftlingen, Zwangsarbeitern und Verfolgten des Nationalsozialismus, so Vila.

Eine Wanderausstellung in einem Container

„Es ist eine Wanderausstellung in einem Container“, sagt der Christopher Vila, der seit April 2019 dem Verein vorsteht, die unter dem Titel Stolen Memorys also gestohlene Erinnerungen steht. Selbst wenn die Corona-Regeln weiter streng bleiben würden, könnte diese besucht werden, denn „die Containerwände werden heruntergeklappt, es muss also niemand in den Container hinein“.

Die Pandemie zwinge alle Kulturschaffenden, kreativ zu werden, wobei sich Vila das nicht nur in so schwierigen Zeiten wünscht. „Kultur bestimmt doch unser Leben.“ Und damit meint er nicht nur bekannte Museen, große Konzerthäuser und dergleichen. „Der Heimat- und Trachtenverein, der Musikverein, sie alle leben doch vom ehrenamtlichen Engagement.“ Das gelte auch für den Kultur- und Heimatverein Egling. „Die Gemeinde stellt uns die Räume für das Heimatmuseum zur Verfügung, und im Verein sind nur Ehrenamtliche tätig.“

Aufgrund des Internet-Auftritts wurden dem Museum alte Trachten angeboten, die Christopher Vila präsentiert.
Bild: Julian Leitenstorfer

Um möglichst viele zu gewinnen, sich einzubringen, habe der Verein bei der jüngsten Jahresversammlung auch beschlossen, alle unter 30-Jährigen vom Beitrag freizustellen. „Wir wollen die Leute animieren mitzumachen, zu überlegen, wie sie sich einbringen können.“ Dabei, so Vila, sei es nicht wichtig, „ein Kunststudium absolviert zu haben“, vielmehr solle es Spaß machen, sich mit Kultur zu beschäftigen. Und man will jeden ansprechen. „Im Gemeindeblatt haben wir jetzt eine Kolumne“, sagt er – dabei wird beispielsweise von einer Hebamme in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erzählt, die an der Gartentür immer auf einer Tafel notiert hatte, wo sie gerade sei „für den Ernstfall“, so Vila.

Für die Kultur ist es wichtig, im Gedächtnis zu bleiben

Gerade in dieser schwierigen Zeit sei es wichtig, weiter im Gedächtnis zu bleiben: „Fern der Metropolen sind es doch die Kulturvereine, die das Leben lebenswert machen.“ Und so hat der Eglinger Förderverein noch einiges vor: Vielleicht gibt es bald einen eigenen YouTube-Kanal, nichts scheint unmöglich. „Durch diese Art der Präsentation – und wegen der Pandemie – finden auch Leute, die digital nicht so affin sind, ins Digitale“, freut sich der Vereinsvorsitzende.

Auch wenn der Start ins Digitale für das Eglinger Heimatmuseum und den Förderverein erzwungen wurde: „Er ist so angelegt, dass er langfristig sein wird“, sagt Vila, damit möglichst viele „an Bord“ kommen, die bislang vielleicht noch gar nicht so viel mit „Kultur“ zu tun hatten. Angesichts der Möglichkeiten, die sich innerhalb kürzester Zeit eröffnet haben, durchaus verständlich.

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