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Unterdießen

23.11.2017

Der Herr des Rasens

Rupert Sporer ist seit 22 Jahren Platzwart beim SV Unterdießen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Rupert Sporer ist die gute Seele des SV Unterdießen, sein Steckenpferd die Sportanlage. Warum er seinen Jahresurlaub opferte und warum ihn jedes Kind im Ort kennt.

Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne großes Aufheben darüber zu machen. Sie helfen, unterstützen, sie begleiten und gehen voran. Es sind die ehrenamtlichen Bürger, ohne die das Gemeinwohl nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Heute: Rupert Sporer aus Unterdießen.Würde er für einen Profiverein arbeiten, wäre die Berufsbezeichnung mindestens „Greenkeeper“. Er würde auf Fortbildungen und Lehrgänge gehen oder diese abhalten und könnte seinen Lebensunterhalt damit bestreiten. Nun ist Rupert Sporer weit von einem Profverein entfernt, seine Liebe gilt von jeher dem SV Unterdießen. Und an Lehrgänge in Sachen Pflanzenwuchs und Rasenpflege verschwendet er sicher keinen Gedanken.

Er ist eine ehrenamtliche Allzweckwaffe

Er wirft dafür Liebe und Hingabe in die Waagschale und eine schier unerschöpfliche Portion gesunden Menschenverstandes. Rupert Sporer pflegt und hegt seit über 22 Jahren die Sportanlage des SV Unterdießen und „opfert“ dafür viel Zeit. Doch das empfindet der im 60. Lebensjahr stehende gelernte Schreiner nicht als Opfer – im Gegenteil. Der Junggeselle ist Mitglied in zahlreichen Vereinen und Organisationen wie dem BRK, den Maltesern, dem Veteranen- oder Maibaumverein und einigen anderen, allerdings zumeist als passives Mitglied: „Wo ich überall dabei bin, merke ich dann, wenn die Beitragsrechnungen abgebucht werden.“ Seine große Liebe gehört aber dem Fußball.

Er selbst hat im Alter von „sechs oder sieben“ angefangen und spielte fortan im offensiven Mittelfeld. Aktiv stand er aber auch auf der Kegelbahn im Ligenbetrieb und 1979 zog er auch noch das Tischtennis-Trikot seines Vereins über. Außerdem wacht er als Fußballschiedsrichter und -beobachter über die unteren Ligen.

1995 sprang er dann vorübergehend – wie er dachte – als Platzwart ein. Und seither ist er regelrecht gefangen von der Aufgabe. Das Wissen um den richtigen Untergrund erwirbt er sich vielfältig: vor allem durch gesunden Menschenverstand, Engagement, Interesse und eine Expertise: „Wir haben einen Gartenexperten im Ort.“ Den konsultiert er immer wieder, wenn er vor einer Problemlösung steht. Wie er überhaupt Dinge recht pragmatisch angeht und auf seine Kontaktfreudigkeit setzt: „Ich kenne jeden Mechaniker im Ort.“ Unterstützung erfährt er von seinem langjährigen Wegbegleiter Rupert Amberg, der aus gesundheitlichen und Altersgründen nun bald kürzer treten wird, und von seinem Bruder Herbert. Der ist Gemeindearbeiter. Sie teilen sich zum Beispiel Gerätschaften und Aufgaben. So ist es für Rupert Sporer durchaus selbstverständlich, wenn er mit dem Rasenmäher unterwegs ist, auch Gemeindewiesen schell zu mähen. „Wir arbeiten gut zusammen.“

Andere haben Sumpf vor den Toren, Unterdießen sattes Grün

Wie gut Rupert Sporer seinen „Nebenjob“ versieht, beweist der Fünfmeterraum vor den Fußballtoren. Normalerweise eine rasenfreie Zone, in Unterdießen genießen Torhüter den Luxus eines grünen Teppichs, auch zu dieser Jahreszeit. Und wer mehr über Rupert Sporer erfahren möchte, der fragt einfach mal die Kinder des Ortes und der umliegenden Gemeinden. Der an den Sportplatz anliegende Spielplatz ist nämlich auch ein Steckenpferd des Platzwartes, der von 1994 bis 1998 die C-Jugend trainierte, und den er von undurchdringlichem Gestrüpp in stundenlanger Arbeit befreit hat. Die Mütter breiten dort inzwischen im Sommer sogar Liegedecken aus und haben den Spielplatz längst zum gemütlichen Treffpunkt erkoren.

Es bedarf wohl (k)einer besonderen Erwähnung, dass Rupert Sporer heuer auch seinen dreiwöchigen Urlaub geopfert hat – Sporer arbeitet im „richtigen Leben“ bei Delo in Windach – um eine angrenzende Wiese, die von der Gemeinde gepachtet werden konnte, in ein Spielfeld für die kleinsten Kicker des Ortes umzuwandeln. Der Verein rechnete mit einer Herstellungsdauer bis zu zwei Jahren, Sporer hat die Zeit durch tägliches Mähen, Beseitigen der Unebenheiten bis hin zum Steine herausklauben auf wenige Monate begrenzt. Im kommenden Frühjahr, dem Fußball-WM-Jahr, wird der Platz eingeweiht.

Der Ruhestand wartet auf ihn

Für all dieses Engagement verlangt Rupert Sporer keinen Lohn. Die Zuneigung der Kinder ist ihm Dank genug. Natürlich werde ihm immer wieder mal eine kleine Aufmerksamkeit des Vereins zuteil, doch unser „Stiller Held“ genießt sein Leben mit dem SV Unterdießen so, wie es ist. Und er freut sich auf seinen Ruhestand: „Dann hab’ ich endlich richtig viel Zeit, um mich um den Sportplatz zu kümmern.“ Nur eines wird er auch dann nicht tun: Linienstreuen. „Das hab ich von Anfang an gesagt, dass das nicht in Frage kommt.“

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