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Dießen/Andechs

24.11.2017

Der Komponist und sein Kosmos

Wilfried Hiller (rechts) und Florian Zwipf-Zaharia (links) sind für die Programmgestaltung des Carl-Orff-Festes und Gerhard Müllritter für die Carl-Orff-Competition verantwortlich. Die Drei befinden sich hier im ehemaligen Arbeitszimmer von Carl Orff am Ziegelstadel in Dießen.
Bild: Stephanie Millonig

Vor zwei Jahren fanden die Carl-Orff-Festspiele wegen finanzieller Probleme ein jähes Aus. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf - mit dem „Carl Orff Fest Andechs Ammersee“.

Heuer wäre es schon fast so weit gewesen und der Nachfolger für die Carl-Orff-Festspiele in Andechs, die nach fast 20-jähriger Dauer 2015 ein nicht ganz rühmliches Ende fanden, hätten einen Nachfolger gehabt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten des Veranstalters mussten die Planungen auf Eis gelegt werden. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

„Wir haben die Zeit genutzt und noch einmal neu geplant“, erklärte Florian Zwipf-Zaharia, der die neue Veranstaltungsfirma „arte musica poetica“ gegründet hat, bei der Vorstellung des Programms für den Nachfolger der Orff-Festpiele in Andechs, das „Carl Orff Fest Andechs Ammersee 2018“. Neu ist, dass Carl Orff in seinem Kosmos gezeigt werden soll. Erstmals stehen dessen szenische Werke nicht im Mittelpunkt, sondern werden Kompositionen seiner Vorbilder, Lehrmeister, Partner, Schüler gegenübergestellt. Weitere Neuerung ist, dass nicht mehr nur Andechs Aufführungs, beziehungsweise Festspielort ist.

Das eigentliche Fest steigt im Hochsommer

Laut Zwipf-Zaharia wird es weitere Spielstätten rund um den Ammersee geben, weil Orffs Leben sich ja nicht nur auf Andechs beschränkte, wo er begraben ist. Carl-Orff-Stiftung und Kloster Andechs werden das Festival wieder unterstützen. Das Weltenrad der Glücksgöttin Fortuna soll sich also ziemlich sicher ab 2018 – zunächst auf drei Jahre ausgerichtet – wieder drehen. Wie Komponist und Orffschüler Wilfried Hiller erläuterte, ist der Auftakt zum Fest am 8. Juli geplant, in der Nähe von Orffs Geburtstag und an dessen letzter Wohn- und Arbeitsstätte in Dießen Ziegelstadel. Im Zentrum stehen dort Wechselbeziehung und Zusammenwirken Orffs mit Bert Brecht. Es singt das Mendelssohn Vocalensemble unter der Leitung von Karl Zepnik.

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Einen Monat später, am 8. August, beginnt das eigentliche Fest. In der Klosterkirche St. Ottilien werden Bachs Goldbergvariationen und der Orff-Kanon aus dem Spiel vom Ende der Zeiten einander gegenübergestellt. Interpret an der Orgel ist der Leiter des Münchner Bachchors, Hans-Jörg Albrecht. Der folgende Abend im Andechser Florianstadl sind Werke von Komponisten zu hören, die für die Arbeit von Carl Orff von großer Bedeutung waren.

Am 12. August findet das letzte Konzert statt

So findet sich laut Hiller beispielsweise das Thema aus Ravels Bolero im „Zweiten Stasimon“ bei „Ödipus der Tyrann“ wieder. Ausführende sind Simone Rubino (Schlagwerk), das Duo d’Accord und August Zirner als Sprecher. Die Münchner Symphoniker und „Einshoch6“ zeigen Konzertbesuchern am 11. August Orffs musikalischen Kosmos, Titel: „Wer dumm ist, der soll draußen bleiben“. Am Abschlusstag gibt es vormittags einen Vortrag von Oliver Rathkolb aus Wien, der sich mit Orff und dessen Verhältnis zum Nationalsozialismus beschäftigt.

Am Nachmittag wird in der Schondorfer Heilig-Kreuz-Kirche unter dem Titel „Die Schöpfung“ Orffs „Laudes creaturarum zu hören sein, aber auch eine Vertonung des Wessobrunner Gebets und ein Werk von Wilfried Hiller.

„Mit dem letzten Konzert am 12. August können wir einen schönen Bogen schlagen zum Beginn der Festspiele“, glaubt Zwipf-Zaharia und meint damit die reizvolle Gegenüberstellung von Bachs Osteroratorium und Orffs Osterspiel am Abend.

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