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Kaufering

07.03.2018

Der Lärmschutz muss wohl warten

Vor Ort, in der Nähe der Leonhardistraße, trafen sich Experten, Bürger und Kommunalpolitiker und ließen sich von Harald Ritter (Mitte) über die Mini-Lärmschutzwände informieren.
Bild: Thorsten Jordan

Im Juni beginnen bei Kaufering die Arbeiten für die Elektrifizierung der Bahnlinie. Werden dann Mini-Lärmschutzwände gebaut? Vielleicht gründet sich eine Bürgerinitiative.

Mit einem offiziellen Spatenstich werden am 23. März die Bauarbeiten für die Elektrifizierung der Strecke Geltendorf-Lindau starten. Zwischen 11. Juni und 2. Juli führt die Bahn auf dem Abschnitt zwischen Geltendorf und Buchloe größere Arbeiten durch. Die Strecke wird in diesem Bereich dann komplett gesperrt. Dass die Marktgemeinde Kaufering in dieser Zeit eigene Lärmschutzwände errichten kann, gilt als ausgeschlossen. Das wurde bei einer Infoveranstaltung des Gemeinderats deutlich.

Langsam wird es schwierig

Seit März 2016 macht sich der Kauferinger Umweltingenieur Josef Mayrock für Mini-Lärmschutzwände und die Entdröhnung des nördlichen Teils der Eisenbahnbrücke über den Lech stark. Denn für die betroffenen Anwohner in der Bahnhofstraße und der Leonhardistraße sehen die Planungen der Bahn nur passive Lärmschutzmaßnahmen wie den Einbau von Lärmschutzfenstern vor. Mittlerweile ist das Planfeststellungsverfahren zur Elektrifizierung der Strecke rechtskräftig. „Wenn wir jetzt noch was erreichen wollen, bedarf das großer Anstrengungen“, sagte Kauferings Tiefbauamtsleiter Andreas Giampa bei dem Infotermin.

Vor Ort, an der Bahnunterführung in Alt-Kaufering, informierte zunächst Harald Ritter von der Firma Rieder über die Alternative Mini-Lärmschutzwand. Sein Unternehmen hat unter anderem die Lärmschutzwände an der Lechbrücke der A96 nördlich der Landsberger Schwaighofsiedlung gebaut. Eines der Firmenprodukte sind die rund einen Meter hohen Wände, die in einem Abstand von 1,75 Metern zu den Schienen aufgestellt werden. Das Fundament müsse daher im Dammbereich des Gleisbetts errichtet werden, was nur im Einklang mit der Bahn möglich sei.

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Was bringt die kleine Lärmschutzwand?

Sollte sich die Marktgemeinde für die Mini-Lärmschutzwände entscheiden, müsse eng mit dem Projektleiter der Bahn zusammengearbeitet werden. Dass die Wände während der Sperrung des Abschnitts zwischen Geltendorf und Buchloe aufgestellt werden können, sei ein „Ding der Unmöglichkeit“. Harald Ritter sprach von einem Projekt für die Zukunft. Allerdings sollte im Vorfeld mit der Bahn gesprochen werden, damit keine Elektrokabel im Bereich des späteren Fundaments verlegt werden.

Welche Wirkung hätte eine Mini-Lärmschutzwand? Diese Frage beantwortete der Lärmschutzgutachter Dr. Thomas Hils aus Kaufering beim Infotermin. Entscheidend sei das Verhältnis zwischen der Wandhöhe und dem Abstand der Wand zum Gleis. Je weiter Häuser entfernt stehen, umso geringer sei die Wirkung der Wand. Hils sprach von einer schwierigen Abwägung. „Selbst bei einer niedrigen Wand wird es laut bleiben.“ Das müsse den Kosten gegenübergestellt werden.

Über die finanziellen Auswirkungen referierte Andreas Giampa. In der Verwaltung der Marktgemeinde gehe man von 700 Euro je Meter aus, 450 Euro für die Wand und 250 Euro für die Gründung. In der Leonhardistraße (Alt-Kaufering) und in der Bahnhofstraße müssten insgesamt 2,4 Kilometer Lärmschutzwand gebaut werden. Nach dieser Berechnung waren rund 1,7 Millionen Euro für die Kommune fällig.

Salzberger und Mayrock wollen lästig sein

„Das können wir derzeit nicht bezahlen“, sagte Gemeinderat Thomas Salzberger (SPD). Er möchte einen anderen Weg gehen. Es müsse sich eine Bürgerinitiative für mehr Lärmschutz gründen. „Wir müssen lästig sein, egal, wer Bürgermeister wird.“ Die betroffenen Anwohner hat er sicherlich auf seiner Seite. Sie machten deutlich, dass sie nicht erwarten, dass die neuen Lärmschutzmaßnahmen nicht sofort umgesetzt werden können. Wie ein Anlieger aus der Leonhardistraße sagte, war die zunehmende Lärmbelastung in den vergangenen Jahren zunehmend zu spüren. Mit der Elektrifizierung drohe eine Verdoppelung des Verkehrs auf der Strecke.

Lästig bleiben will auch Josef Mayrock. Zuletzt übergab der Ortsvorsitzende der Freien Wähler Finanzminister Markus Söder bei dessen Besuch in der Lechauhalle in Kaufering ein Schreiben, in dem er seine Pilotprojekte (Mini-Lärmschutzwand und Entdröhnung) vorstellt. Mayrock ist gespannt, ob er beim designierten Ministerpräsidenten mehr Erfolg hat, als beim ehemaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt.

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