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Landsberg

16.07.2020

Der Landsberger Stadtrat will beim Kulturbau mitreden

Blick aus Richtung Bahnüberführung nach Osten. Rechts ist der Kulturbau zu sehen, links die künftige Wohnbebauung im neuen Stadtviertel „Urbanes Leben am Papierbach“.
Bild: ehret+klein

Plus Über den Kulturbau im neuen Landsberger Stadtviertel „Urbanes Leben am Papierbach“ wird viel diskutiert. Auch im Stadtrat gehen die Meinungen auseinander.

Der Landsberger Stadtrat wird sich nach der Sommerpause im September nicht in einer Sondersitzung, sondern bei einem moderierten Workshop mit dem geplanten Kulturbau im neuen Landsberger Baugebiet Urbanes Leben am Papierbach (ULP) beschäftigen. Das wurde in der Stadtratssitzung einstimmig beschlossen. In der Diskussion davor war es in erster Linie um die Frage gegangen, was der Stadtrat in der Sache eigentlich zu entscheiden hat. Und dabei gingen die Meinungen durchaus auseinander.

Wie berichtet, hatte Stadtbaumeisterin Birgit Weber den Stadträten Ende Juli den aktuellen Bauantrag der Am Papierbach Entwicklungsgesellschaft (APE) für den Kulturbau vorgestellt. Dieser sieht einen Kultursaal mit 8,5 Metern Höhe sowie eine Gebäudehöhe von 21 Metern vor. Im Bebauungsplan ist eine Gebäudehöhe von 14,5 Metern vorgesehen. Kulturreferent Axel Flörke und seine Fraktionskollegen von der Landsberger Mitte beantragten daraufhin die Einberufung einer Sondersitzung zum Kulturbau. Flörke begründet das unter anderem damit, dass die Vorstellung des Bauantrags bei vielen Stadträten für „Erstaunen“ gesorgt habe.

"Der Stadtrat soll sagen, was er wünscht"

Vor der jüngsten Stadtratssitzung hatte sich der Gestaltungsbeirat unter anderem mit dem Kulturbau beschäftigt, wie Axel Flörke sagte. Das Gremium habe aber keine vernünftige Entscheidung treffen können. „Der Stadtrat soll sagen, was er wünscht, welche Art der Nutzung. Dann kann der Investor etwas vorlegen“, sagte Flörke. Für die Meinungsbildung der Stadträte hält Flörke nun einen Workshop besser geeignet als eine Sondersitzung. Und so änderte er seinen Antrag.

Auch Dritter Bürgermeister Felix Bredschneijder hält einen Workshop für sinnvoller. Er verwies aber auch auf den seit 2017 bestehenden Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan, in dem der Stadtrat festgelegt habe, dass in dem Gebäude im Erdgeschoss kulturelle Nutzungen Platz finden sollen. Er stellte daher die Frage: „Was wollen wir beschließen?“ Seiner Meinung nach habe der Stadtrat nicht zu entscheiden, wie der Kulturbau ansonsten genutzt wird und ob sich das rechnet. Wie berichtet, sieht APE neben Räumen für Kultur statt dem ursprünglich geplanten Boardinghaus ein Hotel mit 120 Betten vor.

Die Außenansicht des geplanten Kulturbaus.
Bild: ehret+klein

Axel Flörke sieht den Stadtrat durchaus in der Verantwortung. „Die Art der baulichen Nutzung hängt damit zusammen, wie das Gebäude aussieht. Wir müssen sagen, was wir wollen.“ Auch Stefan Meiser (ÖDP) sagte, Stadtrat könne sich nicht aus der Verantwortung ziehen. „Unser Signal muss sein, dass dieser Stadtrat nicht über eine bestimmte Gebäudehöhe hinausgeht.“ Was der Investor dann mache, sei seine Sache. „Es ist wichtig, wie das Gebäude aussieht“, sagte Petra Ruffing ( CSU). Nicht nur die Höhe des Kulturbaus sei entscheidend. Das habe auch der Gestaltungsbeirat in seiner Sitzung nahegelegt. „Wir müssen als Stadtrat ein Zeichen setzen und Vorgaben machen.“

Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) hatte im Vorfeld der Sitzung gesagt, dass die Stadt keine weitere Änderung des Bebauungsplans wünscht. Die sei aber notwendig, wenn das Gebäude 21 Meter hoch werde. Der Bauherr entscheide, ob eine Änderung angestrebt werden soll. Sie ist auch der Meinung, dass eine Befreiung in Sachen Gebäudehöhe nicht möglich sei. In der Sitzung sagte Baumgartl, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gebe: Der Investor könne den vorgelegten Bauantrag zurückziehen oder die Stadt ihn ablehnen.

"Wir müssen vermitteln"

Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) bezeichnete die Situation rund um den Kulturbau als verfahren. Das habe die Diskussion im Gestaltungsbeirat gezeigt. „Wir müssen vermitteln“, sagte er an die Stadträte gerichtet. „Wir haben ein Problem, weil die Bürger uns in die Pflicht nehmen“, sagte Christian Hettmer (CSU). Doch um eine Entscheidung zu treffen, wünschte er sich mehr Informationen. Denn bisher habe der Stadtrat mit Ausnahme von Animationen keine genauen Informationen über die im Zuge der Wettbewerbs- und Planungsphase vollzogenen Veränderungen erhalten.

Was vonseiten der APE im Bauantrag geplant ist, darüber hatte unsere Zeitung vor der Stadtratssitzung mit Projektleiter Benjamin Johansson gesprochen. Er sagt, dass die Gesamthöhe von 21 Metern aus der Saalhöhe von 8,5 Metern resultiert. Eine Änderung des Bebauungsplans kommt für Johansson nicht infrage, weil das viel zu lange dauern und die Bauzeit in die Länge ziehen würde. Im Bauantrag sei im Erdgeschoss des Kulturbaus neben der Hotellobby ein 450 Quadratmeter großer Saal geplant. Dessen Deckenhöhe liege auf etwa 80 Prozent der Fläche bei 8,50 Metern, ansonsten sei sie etwa einen Meter tiefer. Daneben seien die von der Stadt geforderten Räume für die Druckerei des Stadtmuseums (70 Quadratmeter) und für Workshops (30 Quadratmeter) vorgesehen. Die Räume des Hotels sind laut Benjamin Johansson über das gesamte Gebäude verteilt, von der Technik im Keller bis zu Hotelzimmern im Dachgeschoss.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Kulturbau: Stadtrat muss Verantwortung übernehmen

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