1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Der Landsberger Staranwalt

Landsberg

25.08.2018

Der Landsberger Staranwalt

Der Landsberger Rechtsanwalt Joachim Feller hat viele prominente Mandanten und ist ein gefragter Interviewpartner fürs Fernsehen.
Bild: Thorsten Jordan

Joachim Feller ist Landsbergs bekanntester Strafverteidiger. Zu seinen Mandanten zählen auch Prominente. Momentan berät er den „Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch.

Fernsehinterview zum Thema Ursula Herrmann in der Rechtsanwaltskanzlei Dlugosch, Feller, Mielke: Joachim Feller vertritt den Bruder der 1981 entführten und zu Tode gekommenen Schülerin aus Eching in einer Zivilsache. Darüber wollen die Journalisten mit ihm sprechen. Vor der Kamera zu stehen, ist für Joachim Feller nicht ungewöhnlich, er vertritt Mandanten in teilweise spektakulären Fällen.

2014 landete der 56-jährige Landsberger auf der Focus-Topliste der 100 besten Strafverteidiger – benannt von Berufskollegen. Der erste Mord, mit dem Feller als Verteidiger konfrontiert war, war der sogenannte „Fleischhammer-Mord“ 2005, als ein junger Mann in Ummendorf eine junge Frau grausam ermordete. Seitdem hat er in vielen Mordfällen verteidigt und derartige Fälle bringen ein Medienecho. „Das bekommt eine gewisse Eigendynamik. Ich denke, ich war in den vergangenen zwei Jahren zehn Mal im Fernsehen“, sagt Joachim Feller.

Der Mordfall von Ummendorf war sein erster dieser Art

Anders als in vielen Fernsehfilmen, geht es laut Feller in Verhandlungen zu Tötungsdelikten aber oft nicht darum, ob jemand die Tat begangen hat, sondern um die sogenannte „Strafzumessungsentscheidung“, sprich darum, wie die Tat zu bewerten ist. Aber auch Feller hat Fälle, in denen es um Schuld oder Unschuld geht – und auch er gewinnt nicht immer: Wenn man als Anwalt von der Unschuld des Mandanten überzeugt ist und dieser verurteilt wird – „da knappert man daran“.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Scharfzüngig in den Verhandlungen und immer gut gekleidet, ist Feller in der Öffentlichkeit zu erleben. Kategorisiert zu werden, behagt ihm aber nicht: Auf einen Artikel aus dem Manager-Magazin vor zehn Jahren, in dem das Leben deutscher Millionäre skizziert ist, ist er nicht gut zu sprechen. Das Magazin hatte ihn, den aktiven Polo-Spieler, bei einem Turnier interviewt.

Eigentlich wollte er mit Studienkollegen eine Kanzlei eröffnen

Rechtsanwalt habe er immer schon werden wollen, verrät Feller. Es sei ihm um Strafverfahren gegangen. Nach dem Abitur am Ignaz-Kögler-Gymnasium studierte er in Regensburg und Madrid. Er sah seine berufliche Perspektive eher in einer großen Stadt. „Ursprünglich wollte ich mit Studienkollegen eine Kanzlei eröffnen.“ Doch bei einer Einladung in Landsberg erzählten ihm die Richter Dieter Völkel und Ingo Lehmann, dass die renommierte Kanzlei Dlugosch jemanden suche. „So kam ich mit 29 Jahren zurück nach Landsberg.“ Seit 1995 ist die Kanzlei eine Sozietät.

Mit dem Namen Feller verbinden sich viele lokal bedeutenden Fälle – von der Verteidigung des ehemaligen Landsberger Kämmerers, Manfred Schilcher in der Derivatgeschichte, über den Fall des „Heckenschützen von Pitzling“ bis hin zum Opferanwalt eines gemobbten Lehrlings, den Kollegen angezündet hatten. Feller ist nicht nur im Strafrecht tätig, er hat auch in anderen Bereichen – beispielsweise im privaten Baurecht – Mandanten und einige davon sind prominent, wie er erzählt. Namen werden freilich nicht genannt. Feller vertritt aber auch viele normale Angeklagte, die sich wegen ganz gewöhnlicher Delikte – vom Cannabis-Anbau bis zur Schlägerei – verantworten müssen.

Entspannung sucht Joachim Feller beim Polospielen

Entspannung sucht der gebürtige Landsberger in der Natur, beim Segeln und Polospielen. Feller ist seit 2004 verheiratet und hat einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Seine Frau brachte zwei Kinder in die Ehe und der gemeinsame 16-jährige Sohn lebt noch daheim.

Was macht einen guten Strafverteidiger aus? Er müsse ein guter Jurist, sein, eine starke Persönlichkeit und Einfühlungsvermögen haben, sagt Feller. In einem Mordverfahren sei man starken Emotionen ausgesetzt. „Als Strafverteidiger blickst du auch in Abgründe. Heute entscheide ich, ob ich ein Mandat annehme oder nicht.“ Beispielsweise bei Fällen von sexuellem Missbrauch: „Wenn ich Zweifel an der Unschuld habe, mache ich es nicht.“ Der Anwaltsberuf sei aber auch sehr spannend, da man mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun habe – „vom Mörder bis zum Vorsitzenden eines Dax-Unternehmens“. Grundsätzlich müsse man mit sachlicher Distanz an einen Fall herangehen, wie ein Chirurg.

In einem Bereich kritisiert er das Justizsystem

Joachim Feller ist weit davon entfernt, ein trockener Jurist zu sein und Emotionen sind ihm nicht fremd, wenn es um Unrecht geht. Beispielsweise im Fall Ursula Herrmann, den er immer noch für ungelöst hält. Oder hinsichtlich des Umstands, dass in Bayern Staatsanwälte zu Richtern werden. Er wünscht sich Neutralität bei den drei beteiligten Parteien Anklage, Verteidigung und richtender Instanz. Und er verweist darauf, dass Staatsanwälte nur immer den Fall auf Papier sähen, während der Strafverteidiger es mit dem Menschen zu tun habe.

Auch in Sachen Seenotrettung bezieht Feller Position: „Ich berate Claus-Peter Reisch.“ Der Kapitän des Seenotrettungsschiffs Lifeline wird in Malta von dortigen Rechtsanwälten in der Anklage wegen der Zertifizierung des Schiffs vertreten. Feller nutzt seine politischen Kontakte, um zu helfen: „Es geht um eine legale Möglichkeit, dass im Mittelmehr wieder Seenotrettung betrieben werden kann.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren