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Landkreis Landsberg

06.08.2019

Der Lech soll wieder zum wilden Fluss werden

Der Lech soll wieder zu einem wilden Fluss werden (das Luftbild den Lech zwischen Augsburg und Landsberg, wie er 1908 aussah). Das fordert der Regionalbeauftragte des Bund Naturschutz, Thomas Frey.
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Der Lech soll wieder zu einem wilden Fluss werden (das Luftbild den Lech zwischen Augsburg und Landsberg, wie er 1908 aussah). Das fordert der Regionalbeauftragte des Bund Naturschutz, Thomas Frey.
Bild: Wasserwirtschaftsamt Donauwörth.

Plus In 15 Jahren laufen die ersten Kraftwerkskonzessionen südlich von Landsberg aus. Der Bund Naturschutz will, dass der Fluss wieder so wild wird, wie er früher einmal war.

Aus einem atemberaubenden Wildfluss haben die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten eine Kette von Stauseen gemacht: Die Rede ist vom Lech, der heute praktisch nichts mehr mit einem natürlichen Gewässer zu tun hat, sondern im 19. und 20. Jahrhundert für Stromerzeugung und Hochwasserschutz verbaut wurde. Der Bund Naturschutz (BN) will nun eine Zeitenwende einleiten – um den einstigen Wildfluss zumindest teilweise wiederherzustellen.

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Ansatzpunkt kann in den nächsten Jahrzehnten das Auslaufen der Kraftwerkskonzessionen sein. Zu den ersten Staustufen, deren Bewilligungen auslaufen, gehören laut BN diejenigen, die im südlichen Landkreis Landsberg liegen. Die ersten (Landsberg, Pitzling, Dornstetten, Lechmühlen und Lechblick) enden bereits 2034, dann folgen Apfeldorf (2035), Epfach (2039) und mit einigem Abstand Kinsau (2050).

Früher waren die Lechauen mehrere Kilometer breit

Zum aktuellen ökologischen Zustand des Lechs fällt Thomas Frey, dem für Schwaben und das westliche Oberbayern zuständigen Regionalreferenten des BN, praktisch nichts Positives ein. Das Grundproblem sei, dass durch die Staustufen der Fluss seine Durchgängigkeit verloren und keine Dynamik mehr habe. Nicht nur die Fische, sondern auch das Geschiebe (das einst die riesigen Kiesschichten aus den Alpen ins Alpenvorland transportierte), gelange nicht durch die Staustufen hindurch. Dazu komme, dass Dämme den Fluss von den Auenbereichen abschneiden. Zwischen Landsberg und Augsburg waren diese Auen einst bis zu vier Kilometer breit.

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Das habe vor allem Folgen für die Natur: Die typischen Lebensräume solcher Wildflusslandschaften (erkennbar sind sie noch am Tiroler Lech) seien großteils verloren gegangen. Die Kraft des Wassers sorge ständig für Veränderungen und lasse ganz spezielle Artenzusammensetzungen entstehen. Weil es aufgrund der Staustufen kein Kiesgeschiebe mehr gibt, können sich zum Beispiel Fische, die auf Kiesbänken laichen, nicht mehr auf natürliche Weise vermehren. Der steinige Nachschub aus den Alpen wird durch den Forggensee gekappt, im weiteren Verlauf wird der kiesige Untergrund immer stärker von Schlamm bedeckt, der Fluss tieft mehr ein. Dadurch käme auch die Stromerzeugung alsbald an ihre Grenzen, erklärt Frey weiter.

Der Weg könnte Jahrzehnte dauern

So weit die Diagnose, aber wie kann die Therapie aussehen? Thomas Frey zeichnet dabei das „Leitbild eines dynamischen Naturschutzes“. Langfristig könne es nicht mehr darum gehen, zum Beispiel die an den Lechdämmen entstandenen Ersatzlebensräume zu pflegen. Der Fluss müsse vielmehr in die Lage versetzt werden, diese Lebensräume durch die eigene Dynamik immer wieder neu hervorzubringen. Einzelheiten dazu kann Frey dazu nicht nennen: „Als BN haben wir derzeit auch noch kein Konzept, weil das alles sehr komplex ist.“ Es gehe nicht nur um die Ökologie, sondern auch um wasserwirtschaftliche Aspekte, das Grundwasser und die Energieerzeugung. 100 Prozent Natur sei nicht das Ziel des BN: „Zu sagen, sprengt alle Staustufen weg, ist nicht möglich“, sagt Frey. Es gehe darum, eine teilweise ökologische Verbesserung herbeizuführen.

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