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Landsberg

02.07.2018

Der Lifeline-Kapitän lässt sich nicht einschüchtern

Claus-Peter Reisch muss am Montag zu einem Gerichtstermin auf Malta. Es geht um die Beflaggung der "Lifeline".
Bild: Axel Steier/Missions Lifeline, dpa

Der Skipper Claus-Peter Reisch aus Landsberg muss am Montag zu einem Gerichtstermin auf Malta. Er hatte mit seiner Crew 234 Flüchtlinge gerettet.

Der Kapitän des Seenotrettungsschiffes „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, hat am Montag in Malta einen Termin vor Gericht. Während Malta ihn offensichtlich belangen will, „rollt eine Solidaritätswelle“, wie der Landsberger unserer Redaktion berichtete. Der Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann ruft beispielsweise per Youtube-Video zu Spenden für die Gerichtskosten der Lifeline-Mitarbeiter auf, und auch der Kabarettist Urban Priol unterstützt den Skipper.

Reisch hatte mit seiner 17-köpfige Crew vor Libyen 234 Flüchtlinge gerettet. Da weder Malta noch Italien dem Schiff einen Hafen öffneten, lag die Lifeline sechs Tage vor Malta. Erst als sich sieben weitere europäische Staaten bereit erklärten, einen Teil der Flüchtlinge zu übernehmen, ließ Malta die Lifeline am Mittwochabend einlaufen.

Warum das Schiff als Vergnügungsfahrzeug registriert ist

Für Reisch hat die Seenotrettung ein Nachspiel – freilich erst einmal anders als gedacht: Zwar wirft ihm Italien vor, Anweisungen missachtet und die Flüchtlinge nicht an die libysche Küstenwache übergeben zu haben, doch um diese Sache geht es gar nicht. „Auf Malta geht es jetzt um die Beflaggungsgeschichte.“ Wie berichtet, ist die Lifeline nicht ins niederländische Schiffsregister eingetragen und soll laut Maltas Premier Joseph Muscat von den niederländischen Behörden als staatenlos bezeichnet worden sein. Freilich hat Kapitän Reisch ein Flaggen-Zertifikat in der Tasche, und zwar vom niederländischen Wassersportverband. Denn die Lifeline ist als „pleasure craft“, also Vergnügungsfahrzeug registriert – „wie alle Schiffe der Nichtregierungsorganisationen seit 2015“, so Reich.

Das Rettungsschiff Lifeline liegt am Pier in Valletta. Sein Kapitän muss zum Gerichtstermin.
Bild: Jonathan Borg, dpa

Das sei nichts Neues für die Behörden, und bisher habe es beim Aus- und Einlaufen deswegen auch nie eine Frage gegeben. Schließlich könne die Lifeline nicht als gewerbliches Boot angemeldet werden, es handle sich um ein Non-Profit-Unternehmen. Auch bei der Frequenzzuteilung für den Funk sei das Schiff als Yacht mit „Search and Rescue“, also Such- und Rettungsaufgaben bezeichnet worden.

Täglich gibt es er fünf bis sechs Interviews

Reisch sieht die Sache als Politikum. So einen Aufruhr um seine Person habe er noch nie im Leben gehabt, fünf bis sechs Interviews gebe er täglich. „Ich bin aber niemand, der davonläuft, ich werde das möglichst pragmatisch abhandeln. Ich lasse mich nicht einschüchtern.“

Außerdem ist der Skipper der Meinung, dass sich, wenn, dann die Vorwürfe eher gegen den Verein Mission Lifeline richten müssten. Wenn er als Kapitän die Schiffspapiere in die Hand bekäme, müsse er doch nicht prüfen, ob die Behörden richtig gehandelt hätten.

Der Termin ist auf den Montag auf 11 Uhr festgesetzt. Reisch geht davon aus, dass es sich um eine Art Verwaltungsgericht handelt. Er hat Anwälte für Seerecht an seiner Seite.

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