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Finning

06.04.2019

Der Mann, der Nester für Schwalben baut

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3 Bilder
Klaus Janke beim Aufhängen eines Vogelnistkastens.
Bild: Julian Leitenstorfer

Klaus Janke aus Finning kam erst in der Rente auf den Vogel. Er kümmert sich auch um Rauch- und Mehlschwalben. Warum ihn das zum Erfinder werden ließ.

Ein Greyhound döst bereits wieder auf einem großen Teppich inmitten des Zimmers, nachdem er den Besuch an der Haustür begrüßt hat, die orientalische Kurzhaarkatze Mio streicht neugierig um die Beine, während der spanische Straßenkater Capito den Raum fluchtartig verlässt: Klaus Janke und seine zweite Frau Lisa leben in ihrem Haus in Finning mit diesen Tieren zusammen, doch einen Großteil seiner Freizeit widmet der 80-Jährige einer ganz anderen Tierklasse: den Vögeln.

Die Jugend im Isartal verbracht

Aber erst seit Klaus Janke mit 65 Jahren in Rente ging: „Es ist losgegangen mit den Kiebitzen“, erzählt Janke. Denn er, der seine Jugend im Isartal verbrachte, kannte diese Wiesenbrüter von dort nicht und wurde über den Gebietsbetreuer für den Ammerseeraum, Christian Niederbichler, bei einer Führung am Ammersee-Südende darauf aufmerksam. „Und dann kam Christian und fragte mich, ob ich Schwalben zählen will ...“ Janke sammelte 2007 Daten für den Euroatlas. Und hat als Mitglied des Landesbundes für Vogelschutz in den vergangenen Jahren immer mehr Wissen über die schwarz-weißen Insektenjäger angesammelt. Er erlebte selbst, wie sich der Lebensraum dieser Vogelart verändert: Sie finden beispielsweise in oder an den modernen Milchviehställen keine Möglichkeit mehr zu nisten, da die Nischen und rauen Wände fehlen, um dort ihre Nester bauen zu können. So hat Klaus Janke „Schwalbenwinkel“ für Rauchschwalben entwickelt, die er dieses Frühjahr in einer Aktion kostenlos an Landwirte abgibt.

Als Skilehrer gearbeitet

Doch zurück zur Vita von Klaus Janke, der 1939 in München geboren wurde und kriegsbedingt seine Kindheit mit zwei jüngeren Brüdern im Schwarzwald verbrachte. Dort wurde der Grundstein gelegt, für eine Leidenschaft: „Mit viereinhalb Jahren stand ich auf 1,70 Meter langen Hickory-Skiern.“ Die Jugend verbrachte Janke im Isartal, arbeitete später als Wirtschaftsingenieur bei Agfa und Osram und wurde in erster Ehe Vater von einer Tochter und einem Sohn. Schon während des Studiums arbeitete er als Skilehrer bei Sportscheck, machte 1965 die Ausbildung zum staatlichen Skilehrer. Und erinnert sich an Zeiten Mitte der 1960er-Jahre, als vom Münchner Hauptbahnhof an den Wochenenden acht bis zehn Züge voller Skifahrer Richtung Berge fuhren. „Sportscheck hatte damals 1200 Skilehrer.“

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Klaus Janke war auch begeisterter Leichtathlet, „Sprint und Weitsprung“. Selbstverständlich verfolgte er die Olympischen Spiele in München 1972 auch live als Zuschauer, „noch vor dem Attentat“. Alpin-Skifahren will er jetzt „nach 75 Jahren“ aufgeben, aber sportlich bleibt er weiter, beispielsweise als Tennisspieler.

Früh Starenkästen gebastelt

Doch zurück zu den Vögeln, für die er sich in gewisser Weise schon als Jugendlicher interessierte: Angeregt durch einen Biologielehrer habe er Starenkästen gebastelt. „Und mich gewundert, dass die Stare immer nur davor rumflattern“. Er hatte die Einfluglöcher zu klein gemacht. „Es waren 32 Millimeter, keine 46, wie sie Stare brauchen.“ Also hieß es auf den Baum klettern und die Löcher größer sägen. Solche Fehler passieren ihm heute nicht mehr, seine Rauchschwalben-Nisthilfe, den Schwalbenwinkel, hat er sich sogar patentieren lassen. Es handelt sich um ein hölzernes Eck, in dem sich eine kleine Nistschale befindet – so wie sich eine Rauchschwalbe ein Nest in einem Stall oder einer Halle bauen würde. Für Mehlschwalben, die außen an einem Gebäude ihr Nest anbringen, braucht es wieder andere Nester.

Beim Thema Schwalben, aber auch bei den Kiebitzen, erlebte Janke viele Landwirte als sehr aufgeschlossen. „Aus Kinsau hat mich beispielsweise mal ein Landwirt angerufen, weil durch die Erschütterungen, verursacht durch Straßenbau, Mehlschwalbennester heruntergefallen sind und er etwas dagegen tun wollte.“ Nur einmal sei er mit der Aussage konfrontiert worden, man wolle keine Schwalben im Stall, aus hygienischen Gründen. „Sicherlich sollte man wegen des herabfallenden Kots keine Nester über dem Melkstand haben“, sagt Janke. Über den Lauf- und Liegeflächen der Kühe sei dies aber sicherlich kein hygienisches Problem. Übrigens bräuchten die Rauchschwalben nicht unbedingt einen Stall für ihre Nester: „In Dießen gibt es welche in der Halle eines Sägewerks.“

Hilfe für Uhudame Susi

Als er jedoch für das Volksbegehren Artenschutz warb, bekam er auch Anfeindungen zu spüren. Klaus Janke engagiert sich auch im Arbeitskreis Dorfökologie. Eine Aktion dieser Finninger Ehrenamtlichen war es beispielsweise, auf Gemeindeflächen 1000 Krokusse zu pflanzen. „Es geht darum, die sogenannten ‚Eh-da-Flächen‘ zum Blühen zu bringen.“ Den LT-Lesern ist Janke als Schwalbenzähler, aber auch als Uhu-Kümmerer bekannt. Er brachte Uhudame Susi, die sich im Jahr 2017 in Eresing in einem Zaun verhedderte, zu einer Greifvogel-Auffangstation bei München. Susi wird nicht mehr heimkehren, die Uhudame schafft es mit dem Fliegen nicht mehr. „Aber vielleicht kann sie noch Junge bekommen.“

Die Geschichte von Uhudame Susi lesen Sie hier: Susi, die Uhudame, soll eine Familie gründen

Wer von Klaus Janke einen Schwalbenwinkel erwerben will, kann sich über die E-Mail-Adresse likla.janke@gmx.de an ihn wenden.

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