Ausstellung III

14.05.2019

Der Mensch als Insekt

Die Ausstellung „Die Haut, in der ich wohnte“ von Matthias Rodach ist im Foyer des Landsberger Rathauses zu sehen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Matthias Rodach stellt im Foyer des Rathauses aus. Er zeigt, was übrig bleibt, wenn der Mensch aus seiner Haut schlüpft

Kann der Mensch in der heutigen Zeit der vielen Veränderungen überleben, kann er sich anpassen? Oder muss vielmehr ein neues Modell Mensch geschaffen werden? Der in Dießen lebende und arbeitende Künstler Matthias Rodach macht sich darüber schon länger Gedanken, versuchte diese künstlerisch umzusetzen. Zu den Kreiskulturtagen „Mut“ stellte er sichtbar gemachte Gedanken fertig. Das Ergebnis mit dem Titel „Die Haut, in der ich wohnte“ und gleich mehrfachem Bezug zum Motto „Mut“ ist im Foyer des Historischen Rathauses in Landsberg zu sehen.

Mutig ist schon, nur eine Form eines menschlichen Körpers beziehungsweise das, was als Haut übrig bleibt, wenn alles andere herausgenommen wird, in mehrfacher Replik in der Rathausgalerie auszustellen. Mut bewies auch ein Freund des Künstlers, der sich als Modell zur Verfügung gestellt hatte, um wie Rodach im Gespräch mit Annunciata Foresti bei der Vernissage erklärte, den Künstler zur Fertigstellung einer Arbeit zu bewegen. Es habe gehakt, gibt der Bildhauer zu.

Hintergrund der Arbeit sei der „schlimme Umgang des Menschen mit der Erde“ und damit einhergehend, das Insektensterben. Diese ziehen sich nach dem Tod sehr gleichmäßig nach innen zusammen, das habe er auf den Menschen übertragen wollen. Es sei ihm nicht gelungen. Die Arbeit ruhte und konnte erst mit einem lebenden Modell beendet werden. Entstanden ist ein erwachsener Mensch in für den kindlichen Fötus typischer Form beziehungsweise das, was übrig bleibt, wenn der Mensch aus seiner Haut „schlüpft“.

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Alle Figuren weisen eine Öffnung am Rücken auf. Auch das ist wieder ein Bezug zum Insekt. Es sind Verpuppungen, in denen „ein neues Modell Mensch“ herangereift ist. So wie aus der Larve nach längerem Verpuppungsschlaf ein Schmetterling wird, so sollte auch das Individuum „Mensch“ sich erneuern. Zum Schutz der Erde? Als Anpassung an neue Gegebenheiten? Solche Gedanken überlässt die Installation dem Betrachter. Die menschlichen Hüllen sind aus Papier. „Wenn ich Papier schöpfe“, so erklärt Matthias Rodach das, „ist das Ergebnis ein unbeschriebenes Blatt, eine Neuschöpfung.“

„Die Haut, in der ich wohnte“, Installation von Matthias Rodach im Foyer des Historischen Rathauses Landsberg; zu sehen bis einschließlich Sonntag, 2. Juni, zu den üblichen Rathausöffnungszeiten.

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