Newsticker
Pfizer kann nicht so viel Impfstoff liefern wie zugesagt
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Der Penzinger Fliegerhorst wird zum Pandemiezentrum

Penzing

13.05.2020

Der Penzinger Fliegerhorst wird zum Pandemiezentrum

Im ehemaligen Stabsgebäude des Fliegerhorsts in Penzing (oben) soll unter anderem die Infektambulanz Platz finden.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der Landkreis Landsberg rüstet sich für eine zweite Welle an Corona-Fällen. Auf dem früheren Bundeswehr-Gelände in Penzing sollen Infizierte und Erkrankte isoliert werden können.

Die Zahl der Personen, die im Landkreis Landsberg positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ist in den vergangenen Tagen nur leicht angestiegen. Aktuell sind es laut Landratsamt 352 Personen. Doch der Landkreis will auf eine zweite Welle vorbereitet sein. Landrat Thomas Eichinger geht davon aus, dass spätestens im Winter, wieder mehr Corona-Fälle auftreten werden. Deswegen richte man gerade auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts in Penzing ein Pandemiezentrum ein. Dort könnten Infizierte und Erkrankte unter anderem aus Asylunterkünften und Behinderteneinrichtungen isoliert werden. Doch auf dem Bundeswehr-Gelände ist noch mehr geplant.

Den Standort in Penzing bezeichnete Landrat Thomas Eichinger bei einem Pressegespräch vor Ort als ideal – unter anderem wegen der guten Verkehrsanbindung und der abgeschiedenen Lage am Ortsrand. Und so habe das Landratsamt die Bundeswehr um Amtshilfe ersucht und darum gebeten, Gebäude für ein Pandemiezentrum nutzen zu dürfen. Im Zuge dieser Amtshilfe mietet der Landkreis die Gebäude kostenfrei, lediglich für Heizung, Wasser, Strom und andere Nebenkosten muss er aufkommen, wurde beim Ortstermin bekannt. Sogar die Möblierung der Zimmer übernehme der Staat. Dauerhaft dürfen die Gebäude und das Gelände aber nicht genutzt werden. „Die Amtshilfe gilt vorerst für ein Jahr“, sagte Reimund Menner, der Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums.

Versorgungsarzt Dr. Markus Hüttl informierte über das Pandemiezentrum.
Bild: Thorsten Jordan

Wie die Gebäude künftig genutzt werden, darüber gab Versorgungsarzt Dr. Markus Hüttl Auskunft. Im ehemaligen Stabsgebäude unweit der Hauptwache sollen die Infektambulanz, eine Zahnarztpraxis, das Infektmobil und der Drive-in für Corona-Tests untergebracht werden. Infektambulanz und Infektmobil, der derzeit in einem Gebäude am Klinikum in Landsberg stationiert sind, sollen am 21./22. Mai auf den Fliegerhorst umziehen. Bislang betreute die Infektambulanz laut Hüttl rund 450, das Infektmobil an die 350 Personen. Wenige Tage später soll die Corona-Test-Strecke in Penzing in Betrieb gehen. Sie werde vor dem ehemaligen Stabsgebäude zunächst mit einer Spur starten. Drei Spuren, auf denen getestet werden kann, seien möglich.

Mitte nächster Woche könnten bereits die ersten Infizierten oder Erkrankten in anderen Gebäuden untergebracht werden. Ein Haus, das außerhalb des Bundeswehr-Geländes liegt, sei für Menschen mit Behinderung vorgesehen, die sich mit dem Virus anstecken und in ihrer Einrichtung nicht isoliert werden können. Drei weitere Gebäuden könnten belegt werden, wenn sich Personen in Asylunterkünften infizieren. Erste Fälle habe es bereits gegeben, wie Landrat Thomas Eichinger bei dem Pressegespräch sagte. Die Kontaktpersonen der Infizierten würden ebenso in einem eigenen Gebäude untergebracht wie positiv getestete Asylbewerber mit beziehungsweise ohne Symptome, wie Markus Hüttl erklärte.

Die Zimmer in den Isolier-Einrichtungen sind bereits möbliert.
Bild: Thorsten Jordan

Teil des neuen Pandemiezentrums ist auch ein Lager für Schutzausrüstung, das bereits bezogen wurde. „Wir sind umgezogen“, sagte Robert Waldhauser, der Leiter der Gruppe Schutzausrüstung im Landratsamt. Der Bestand an Schutzausrüstung sei zuletzt stark erhöht worden. „Wir können einer zweiten Welle getrost entgegensehen“, so Waldhauser. Bisher seien knapp 200.000 Artikel an rund 300 Stellen wie Altenheime, Ärzte, Feuerwehren oder Busunternehmen weitergegeben worden.

Unweit der Hauptwache des ehemaligen Fliegerhorsts befinden sich, außerhalb des Bundeswehr-Geländes, einige Mietwohnungen. Deren Bewohner wurden am Mittwoch via Brief vom Landratsamt informiert, dass in ihrer Nachbarschaft ein Pandemiezentrum errichtet werden soll. Das Gebäude, in dem Infizierte und Erkrankte aus Behinderteneinrichtungen untergebracht werden sollen, liegt gleich neben den Mietwohnungen. Dass sie erst jetzt von den Plänen erfahren, kritisieren einige der Anwohner. In dem Schreiben des Landratsamts heißt es, dass für sie durch die Errichtung des Pandemiezentrums zu keiner Zeit eine Gefahr bestünde. Die dort untergebrachten Personen werden vom Personal der Behinderteneinrichtungen beziehungsweise von Mitarbeitern der Abteilung Asyl sowie einem Sicherheitsdienst betreut, wurde beim Pressegespräch gesagt.

Wie auf Nachfrage unserer Zeitung zudem bestätigt wurde, hat das Landratsamt vor wenigen Tagen einen mit dem Coronavirus infizierten Asylbewerber kurzfristig in einer der Wohnungen untergebracht. Ab Mitte nächster Woche stünden in so einem Fall dann aber die Gebäude innerhalb des Fliegerhorst-Geländes zur Verfügung.

Nicht am Fliegerhorst in Penzing, sondern in Riederau soll eine Isolier-Einrichtung für pflegebedürftige Personen eingerichtet werden. Derzeit laufen die Verhandlungen mit dem Besitzer des ehemaligen Pflegeheims, wie Markus Hüttl auf Nachfrage sagte. Sollte man sich einigen, stünden in Riederau 20 bis 40 Betten zur Verfügung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren