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11.01.2018

Der Protest hängt am Zaun und im Schaufenster

Petra Thurner (links) und Silke Wiedenmann lehnen eine Fußgängerzone in der Mühlstraße ab und fordern mehr Parkplätze. In einigen Schaufenstern, oder wie hier am Zaun, hängen derzeit derartige Plakate, mit denen Geschäftsleute und Gastronomen ihrem Protest ausdrücken.
Bild: Stephanie Millonig

Viele Geschäftsleute in der Mühlstraße in Dießen fürchten, dass aus der geplanten probeweisen Fußgängerzone ein Dauerzustand werden könnte. Außerdem geht es um den Dauerbrenner Parkplätze.

„Unsere Mühlstraße darf nicht sterben. Deshalb fordern wir mehr Parkplätze für unsere Gäste & Kunden und keine Fußgängerzone.“ Mit Plakaten mit sinngemäß diesem Inhalt bringen seit einigen Tagen Dießener Geschäftsleute und Gastronomen in der Mühlstraße ihre Opposition zu einer von ihnen befürchteten Entwicklung zum Ausdruck. Mit dem Umbau der Mühlstraße wurde die Anzahl der Parkplätze reduziert und jetzt ist für den Sommer eine probeweise Einrichtung einer Fußgängerzone am Wochenende (Samstag, 13 Uhr bis Sonntag, 20 Uhr) vorgesehen. Derzeit ist ein Planer damit beschäftigt, das Prozedere für diesen Probelauf zu erarbeiten. Parkplätze, die fünf Gehminuten entfernt sind, gibt es am Bahnhof.

Eine Fußgängerzone am Wochenende empfinden zumindest die befragten Ladenbesitzer als nicht so problematisch, da die meisten sowieso Samstag Mittag schließen. Der Wirt des Unterbräus, Martin Brink, sieht dies anders: Es gebe vielleicht 100 schöne Tage, bei schlechtem Wetter sei die Straße jedoch tot, und seine Gäste wollten vors Lokal fahren können.

Außerdem fürchten er und die Inhaberin eines Friseursalons, Silke Wiedenmann, dass die Fußgängerzone zum Dauerzustand werden könnte. „Es hat vor dem Mühlstraßenumbau auch geheißen, die Zahl der Parkplätze bleibt gleich und die Parkzeit bleibt bei zwei Stunden“, kritisieren sie. Und sie wünschen sich, von der Gemeinde stärker ernstgenommen zu werden in ihren Anliegen.

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„Wo kann man unterschreiben?“, dies sei die Reaktion der Kunden und Gäste, die beide erleben. Silke Wiedenmann stellt auch infrage, ob die Straße lebendig wird, wenn die Autos daraus verbannt werden: „Ein Italiener fährt auch direkt mit seinem Wagen vors Lokal.“ Die meisten Geschäftsleute, die sich beteiligen, verweisen darauf, dass die Mühlstraße für eine Fußgängerzone kein ausreichend abwechslungsreiches Angebot an Geschäften habe. Der Uhrmacher Gerhard Lempik hat mit der derzeitigen Situation und auch mit einer Fußgängerzone am Wochenende kein Problem, „aber sollte das ausgedehnt werden ...“ Auch er befürchtet, die Verkehrsberuhigung in diesem Bereich könnte sich schleichend ausweiten. Und auch bei ihm fahren viele Kunden mit dem Auto vor. Patricia Menner will in ihrem Nagelstudio noch ein Plakat aufhängen. Sie ist der Meinung, dass es keine Fußgängerzone braucht: „Wenn ich am Samstagnachmittag noch arbeite, ist draußen keiner auf der Straße.“

Petra Thurner geht davon aus, dass sie am Samstag vielleicht etwas von einer Fußgängerzone profitieren könnte, da ihre Modeboutique bis 16 Uhr geöffnet hat. Unter der Woche wollten die Kunden aber schnell einkaufen und nahe dem Laden parken. Sie habe auch viele Kunden von außerhalb, die mit dem Auto kämen. So fordert auch sie mit einem Plakat am Zaun mehr Parkplätze.

Gegen eine Fußgängerzone ist auch Karin Rauch-Geller. Sie befürchtet, dass ihre Pensionsgäste dann nicht mehr vorfahren können, um auszuladen. Am Wochenende sei eine Fußgängerzone in Ordnung, sagt Barbara Mastaller-Gastl, doch auch die Fischer am Untermüllerplatz wollen mit dem Auto erreichbar sein: „Es kommen viele Kunden aus dem Wohnstift Augustinum.“

Es an einem Wochenende im Monat im Juli, August und September mit einer Fußgängerzone zu probieren, hatte der Gewerbeverband im Juli vorgeschlagen. „Wir wollen mit den Bürgern gemeinsam den Ort gestalten“, erläutert die Vorsitzende des Gewerbeverbandes, Ursula Wacke, dass dies auch als eine Reaktion auf die Diskussionen um die Situation in der Mühlstraße zu sehen ist. Denn es gibt Initiativen, die am Untermüllerplatz gar keine Parkplätze wollen.

Wacke betont jedoch gegenüber dem Landsberger Tagblatt, dass es dem Gewerbeverband um eine temporär sehr begrenzte Sperrung für Autos gehe. Gegen eine generelle Fußgängerzone sei auch der Gewerbeverband „Wir fordern eine Einbahnregelung“, sagt sie. Wacke kann die Geschäftsleute und Gastronomen – auch in der Eisdiele Venezia hängt ein Plakat – gut verstehen, „das sind Verzweiflungsaktionen“.

Bürgermeister Herbert Kirsch verweist darauf, dass eine Probephase für eine Fußgängerzone am Wochenende geplant sei. Nach dem Ende der Probephase werde man mit allen Beteiligen das Ergebnis diskutieren. Er geht davon aus, dass das beauftragte Büro das Projekt im ersten Quartal des Jahres vorstellen wird. Er erinnert daran, dass es ja Forderungen aus der Bürgerschaft seien, beispielsweise den Untermüllerplatz frei von parkenden Autos zu halten.

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