1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Der Schöpfer des Kaltenberger Narrenzepters

Kaltenberg

12.07.2018

Der Schöpfer des Kaltenberger Narrenzepters

Das Zepter des Gauklerkönigs 2018 wurde von Roman Zanker geschaffen.
Bild: Archivfoto: Thorsten Jordan

Roman Zanker, Kunstschmied aus dem schwäbischen Oberliezheim, ist seit 1992 beim Ritterturnier vertreten. Die Wahl zum Gauklerkönig beginnt am Freitag.

Zum 39. Mal öffnet das große Tor zu Schloss Kaltenberg all denen, die Einlass begehren, am Freitag, 13. Juli, seine Pforten. Die wackeren Ritter zu Pferd wird man dann aber vergeblich suchen, dafür aber auf Narren, Jongleure, Gaukler und Spielleute in Massen antreffen, die aus dem Mittelalter, zumindest dem auf Kaltenberg gültigen, ein farbenfrohes und stimmungsvolles Fest machen. Es ist Gauklernacht, ein Fest der Sinne und – aufgemerkt, der Startschuss zur großen Wahl zum Gauklerkönig 2018, dem edlen Wettstreit der Narren, Akrobaten und Spielleute. Veranstaltet von der Ritterturnier Veranstaltungs GmbH und der Augsburger Allgemeinen, dem Mutterhaus des Landsberger Tagblatts.

Alle sind hinter einem her

Und alle sind sie eigentlich, neben der Ehre natürlich, hinter einem her: dem Zepter des Gauklerkönigs von Kaltenberg. Und da erlebt der Wettbewerb eine echte Neuerung. Denn erstmals wird das Insignum der (Gaukler)Macht aus den Reihen der Marktleute und Kaufleute auf Schloss Kaltenberg kommen. Schöpfer ist Roman Zanker, seines Zeichens langjähriger Kunstschmied, und für viele Kaltenberger Mittelalterfans längst kein Unbekannter mehr.

Dabei hatte der Metallbauer mit Mittelalter ursprünglich überhaupt nichts am Hut. Keine Fantasy-Romane, keine Schwerter an der Wand. Roman Zanker, der aus der Nähe von Aichach stammt, arbeitete in der Industriemontage. Beim kleinen Ein-Mann-Unternehmen in Sulzbach (Landkreis Aichach-Friedberg) namens Atelier Petz arbeitete er im Karussellbau für Jahrmärkte – oder für Pop-Weltstars: „Eines unserer Karussells stand auf Michael Jacksons Neverland-Ranch.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Roman Zanker aber wollte weiterkommen. Während seiner Ausbildung in der Fachlehranstalt für Metalltechnik in Augsburg hatte er sich zum Kunstschmied weitergebildet. Er hatte nämlich ein großes Hobby: Schmuck, den er allerdings zunächst nur für Freunde und Bekannte kreierte.

Eine Münze nach der anderen

Dann sprach ihn 1989 ein Bekannter, der um seine Fertigkeiten wusste, an, doch mit auf das Schlossfest in Neuburg zu kommen. Gesagt getan. Roman Zanker packte Gürtelschnallen und Kerzenständer ein und vereinbarte dort mit dem Veranstalter, den Ottheinrichstaler herzustellen. Auf dem Historienfest prägte Zanker vor begeistertem Publikum eine Münze nach der anderen.

Nun hatte der Kunstschmied seinen Weg gefunden, der ihn fortan zu historischen Festen und Kunsthandwerkermärkten ins In- und auch Ausland führte. Bis er für sich entschied: Das muss nicht sein, einen Markt für seinen Historienschmuck gibt es auch in Süddeutschland. Seither gilt seine Aufmerksamkeit dem Dreieck Stuttgart-Nürnberg-München – und eben Kaltenberg.

So original wie möglich

Und wieder waren es Mitwirkende, die ihn Anfang der 1990er-Jahre auf seinen Weg brachten. Die Gundelfinger – Roman Zanker lebt mittlerweile in Oberliezheim im Landkreis Dillingen –, die auf Schloss Kaltenberg viele Jahre ihr Lager aufgeschlagen hatten, baten Roman Zanker um Schmuck für ihre Kostüme. Denn Roman Zanker hatte sich einen Namen als Spezialist gemacht. Er ging in Museen, besorgte sich Literatur. Sein Anspruch: so original wie möglich. „Bis etwa 1995 gab es im süddeutschen Raum keinen, der historischen Schmuck angeboten hat.“ Roman Zanker entwickelte sich weiter und hat heute einen ganz persönlichen Stil. Er kreiert Schmuck im sogenannten Wickelmodell, also an einem Stück. Das brachte ihm auch einen treuen Fanklub ein.

1992 war es dann soweit. Die Augsburger Bürgergilde nahm ihn mit auf das Ritterturnier nach Kaltenberg mit in ihr Lager. Roman Zanker gefiel die Umgebung und der Live-Charakter des qualitativ sehr hochstehenden Mittelalterevents. „Ich kommuniziere auch sehr gerne mit den Besuchern, erkläre und mache gern auch eine Gaudi mit.“

Der geübte Blick

Als das Angebot unserer Zeitung kam, für dieses Jahr einen neuen Gauklerstab zu schmieden, musste er nicht lange überlegen. Oft schon hatte er sich nämlich die Zepter der vergangenen Preisträger angesehen und war voll des Kollegen-Lobs: „Mit dem geübten Blick hat man gleich gesehen, dass es sich dabei um schöne und qualitativ hochwertige Arbeiten handelte.“

Und Roman Zanker machte sich sofort ans Werk. Der Kopf „seines“ Gauklerstabs besteht aus dem gleichen Material wie seine Amulette, aus Delta-Schmiede-Messing. „Das ist reines Kupfer-Zink im Verhältnis 80 zu 20.“ Den Stab ließ er von einem befreundeten Drechsler anfertigen und war mit dem Premieren-Werk durchaus zufrieden: „Beim nächsten Mal werde ich den Gesichtsausdruck vielleicht noch etwa kecker machen.“

Es gab bisher zwölf Gauklerkönige

Bereits zwölf Gauklerkönige haben einerseits die Fach-Jury der beiden Veranstalter und dann die Leser der Augsburger Allgemeinen und des Landsberger Tagblatts gekürt. 2006 holte sich als erster „natürlich“ Wandelbar, der spätere königliche Hofnarr den Titel. Darauf folgten dann Casulino, die Hexe Roxana, Dr. Dr. Dr. Dr. Bombastus und Bruder Leonardo, Forzarello, Die Spielleut Cantoris, Ruven, der Kristallmagier, der sich den Titel auch 2016 als Ruven Nagel, der Kristallmagier, holte. Dann folgte 2013 die Compagnie Entr’Act, 2014 Die Spielleut Cantoris, 2015 Spielmann Mick und Barde Danny, Ruven Nagel und aktueller Titelträger ist der Gaukler und (Wort)Akrobat Fabio Esposito.

Der schwarze Prinz

Sie alle und noch einige andere mehr werden sich auch in diesem Jahr wieder im Wettstreit messen. Zehn von ihnen wird die Jury bereits in der Gauklernacht, die am Freitagabend um 17 Uhr beginnt, einer ersten, strengen, aber gerechten Auswahl unterziehen. Die Jury besteht dabei aus Michael Peinkofer, dem Autoren der neuen Kaltenberg-Story „Der schwarze Prinz erobert Kaltenberg“, der Bühnenbildnerin Susanne Weibler, der Fotografin Saskia Pavek sowie Sandra Braeucker-Rühfel und Karl Rauch von der Augsburger Allgemeinen. Vorsitzende der Jury ist Beatrix Prinzessin von Bayern. Sie werden die Kandidaten begutachten und anschließend bewerten. Ihr Votum wird dann mit einem Anteil von 40 Prozent in der Gesamtbewertung gewichtet.

Ab Samstag, 9 Uhr, ist dann die Internet-Seite des Gauklerkönigs freigeschaltet. Dann kann jeder seine Gunst, vor allem aber seine Stimme vergeben. Die letztmalige Chance zur Stimmenabgabe ist dann der Sonntag, 29. Juli, um 12 Uhr mittags. Dann ist die Wahl beendet und der Gauklerkönig 2018 steht fest.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
MBE_9232a(1).jpg
Landsberg

Besuch von AfD-Politikerin Storch sorgt für Protest

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden