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Kinsau

16.11.2018

Der Schulweg wird zur Gefahr

Direkt neben der Staatsstraße in Kinsau führt der schmale Pfad über ein Privatgrundstück. Der Eigentümer hat den Weg jetzt dichtgemacht und Verbotsschilder aufgestellt.
Bild: Oliver Sommer

Seit gut 50 Jahren wird in Kinsau ein Pfad auf Privatgrund als öffentlicher Weg genutzt. Jetzt hat ihn der Eigentümer dichtgemacht. Warum Eltern Unterschriften sammeln.

In Kinsau tobt ein Streit um einen Pfad auf einem Privatgrundstück neben der Staatsstraße. Der Eigentümer hat den schmalen Kiesweg dichtgemacht. Jetzt müssen Fußgänger, darunter auch die Schulkinder, auf die Straße ausweichen. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats hat Marion Schilcher eine Liste mit 380 Unterschriften an Bürgermeister Marco Dollinger übergeben. Die Unterzeichner fordern, dass der Weg an der Apfeldorfer Straße wieder begehbar wird.

Wer in Kinsau vom Schlosswirt zur Bushaltestelle will, in Richtung Bahnhofstraße geht oder in entgegengesetzter Richtung, steht in Höhe des Anwesens Herzogstraße 2 vor einem Problem: Seit dem Frühjahr versperren dort Stahlrohre den schmalen Weg. Anfänglich behinderten große Steine den Schneepflug, dann verboten Schilder das Betreten, nun ist der Pfad mit einem Metallhandlauf versperrt – an einer Engstelle, an der es für größere Fahrzeuge äußerst schwierig ist, aneinander vorbeizukommen.

Aktion zielt in die falsche Richtung

„Wenn da ein Autofahrer zu spät erkennt, dass die Fußgänger nicht ausweichen können, passiert garantiert etwas“, sagt Marion Schilcher. Sie ist eine der Betroffenen und an der Stelle oft mit dem Kinderwagen unterwegs. Sie legte eine Unterschriftenliste aus und sammelte auch an den Haustüren. Sie habe durchaus Verständnis für den Landwirt, seine Aktion ziele aber in die falsche Richtung: „So wird nicht die Gemeinde, sondern die Bürger getroffen“, sagt sie unserer Zeitung.

Vor allem die Schüler seien auf dieses rund 20 Meter lange Stück Weg über Privatgrund angewiesen. Denn direkt dahinter liegt die Bushaltestelle. Aber auch Unterschriften von Eltern, die im Neubaugebiet oder im unteren Dorf leben, habe sie gesehen. Denn wer seine Freunde besuchen will, müsse dort entlang. Auch viele, deren Kinder nicht mehr betroffen sind oder die keine Kinder haben, hätten unterzeichnet: „Keiner will dort einen Unfall verursachen“, sagt Marion Schilcher.

Kurz vor der Einigung

Gut 50 Jahre konnte der Weg von der Öffentlichkeit genutzt werden. Doch mittlerweile habe der Grundstücksbesitzer Angst, in Regress genommen zu werden, etwa wenn sich eine Ladung Schnee auf dem Dach löst und auf einen Spaziergänger herunterkracht. Dabei hat die Gemeinde dem Landwirt angeboten, die Unfallversicherung zu übernehmen, den Weg zu ertüchtigen, Schnee zu räumen und einen Schneefang für das Dach zu bezahlen, wie Bürgermeister Dollinger in der Sitzung sagte. „Jedes Mal, wenn wir kurz vor einer Einigung standen, kam wieder etwas Neues und die Unterschrift wurde uns versagt“, sagte der Rathauschef.

Der Grundstückseigentümer hat sich in einem Brief an die Gemeinde gewandt. Darin kritisierte er unter anderem, dass weder geräumt, noch Kies von der Fläche entfernt wurde. Offenbar sieht er auch ein Problem, aus seinem Hof auszufahren, wenn wie vorgesehen an der Stelle ein 1,5 Meter breiter Geh- und Radweg gebaut wird. Die wahren Gründe für den Streit sind aber offenbar andere, wie in der Sitzung gesagt wurde.

Bauantrag abgelehnt

Im März hat der Gemeinderat einen Bauantrag des Sohns des Grundstückseigentümers abgelehnt. Grund: Die Flächen in dem Baugebiet seien Außenbereich. Betroffen von der Entscheidung waren auch andere Bürger aus dem Ort. Auch Bürgermeister Dollinger sieht in der Ablehnung des Bauantrags einen Grund für das Zerwürfnis. Und daher seien die Argumente, die der Landwirt für die Wegsperrung ins Feld führt, nicht stichhaltig.

Marco Dollinger setzt nun auf eine Expertenrunde, die demnächst tagen soll. Mit Vertretern von Polizei, Landratsamt, staatlichem Bauamt und Gemeinde will er diskutieren, wie der Gefahrenschwerpunkt in der Herzogstraße künftig entzerrt werden kann. Damit zumindest die Schüler die Stelle vorerst sicher passieren können, kann er sich vorstellen, zumindest in der Früh einen Lotsendienst einzusetzen.

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