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Nach dem Doppelmord in Penzing

09.01.2009

Der Sohn: Knecht auf dem eigenen Hof

Auf diesem Hof lebte der Sohn mit seinen Eltern. Beide hatte er mit einer Axt erschlagen und in eine Güllegrube geworfen.
Bild: Thorsten Jordan

Noch immer rätseln die Penzinger, wie es zu dem schrecklichen Ereignis kommen konnte, bei dem ein Ehepaar vom Sohn erschlagen wurde. Eine Freundin berichtete nun, der 34-Jährige habe keine schöne Kindheit gehabt. Im Gegenteil. Von Dieter Schöndorfer

Penzing - Noch sind die schrecklichen Ereignisse von Penzing, bei dem ein Ehepaar vom Sohn erschlagen wurde, keine Woche vorüber. Und noch immer wird im Ort unter den Bewohnern, Freunden, Bekannten und Verwandten der alteingesessenen Familie gerätselt, wie es zu der Tat kommen konnte.

Noch einmal werden die unterschiedlichsten Gefühle wohl aufgewühlt werden, wenn die beiden Opfer am Samstagvormittag auf dem Alten Friedhof in Penzing zu Grabe getragen werden.

Auf der Suche nach Gründen für die Tat ist auch eine Jugendfreundin, die "beim Gaber", wie das landwirtschaftliche Anwesen in Penzing bezeichnet wird, hin und wieder zu Gast war.

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"Ich war total geschockt, als ich von der Geschichte erfuhr", erinnert sie sich an ein Telefonat mit einer Bekannten. Sie hätte nie damit gerechnet, dass der 34-Jährige zu solch einem Vorgehen fähig sein könnte. Im Gegenteil: "Ich dachte immer, hoffentlich tut er sich nicht selbst einmal etwas an."

Denn ihrem Erleben nach war es im Elternhaus für den einzigen Sohn zu keiner Zeit einfach. Die Freundin spricht sogar von "keiner schönen Kindheit". Sie habe das Gefühl gehabt, dass der Sohn deutlich weniger galt als seine um zwei Jahre jüngere Schwester.

Er sei mehr der "Knecht" auf dem heimischen Anwesen gewesen, der aber nicht gegen diese in ihren Augen ungerechte Behandlung aufbegehrte. Ihr gegenüber hätten sich die Eltern jedoch nie unfreundlich gegeben. Sie berichtet aber auch von eingeschränkten Freiheiten, unter denen der Sohn sehr litt.

Fleißig und viel im Stall und auf den Feldern gearbeitet

Wie auch Altbürgermeister Ottmar Mayr, der gleich gegenüber wohnt, beobachtete, arbeiteten Vater und Sohn "sehr fleißig und viel" im Stall und auf den Feldern. Oft genug seien beide noch lange beim Vieh gewesen, als rundherum in den Anwesen schon Ruhe eingekehrt war. Der Sohn tat das offensichtlich nicht immer ganz freiwillig.

Die Bekannte: "Der Vater schrieb ihm schon vor, wann er wie lange weggehen durfte." Wenn man sich im Freundeskreis traf, sei er oft sehr spät zu der Gruppe dazugestoßen und es kam durchaus vor, dass er wortlos dasaß und teilweise sogar einschlief.

In der vergangenen Zeit sah man sich nur noch sporadisch, da die Freundin im Ort nur noch sporadisch präsent war. Verwunderlich sei es, dass niemand eine Wesensveränderung bei dem 34-Jährigen festgestellt haben will. "Wie mir auch Nachbarn berichteten, war er ein anderer Mensch geworden, der zuletzt sogar den Kontakt zu seinen Freunden abbrach." Selbst wenn sie sich in Penzing begegneten, kam es vor, dass er sie kaum wahrnahm.

Sie weiß aber, dass es einige Menschen im Dorf gibt, die um diese Situation Bescheid wissen und den inzwischen in Haft sitzenden Mann, trotz der grausamen Tat, nicht alleine lassen wollen. Das ist auch ihr ganz wichtig, wenngleich sie klarstellt: "Die Tat ist durch nichts zu entschuldigen."

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