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Landsberg

24.01.2018

Der Stein der Verfassung

Bei der Vorstellung der Landsberger Geschichtsblätter ging es unter anderem um den Konstitutionsstein im Englischen Garten.

Die neuen Landsberger Geschichtsblätter sind da. Bei der Vorstellung rückt ein etwa 40 Zentimeter hoher Tuffstein in den Mittelpunkt. Was es mit ihm auf sich hat.

Angenommen, Sie haben es in die Endrunde einer Quizshow geschafft. Die Ein-Millionen-Euro-Frage: Was ist Landsbergs unscheinbarstes und unbekanntestes Denkmal und wo steht es? Der Telefonjoker sagt: Es ist etwa 40 Zentimeter hoch und aus Tuff. Nun? Es ist ein kleiner, steinerner Kubus, arg erodiert und bemoost und befindet sich im Englischen Garten flussaufwärts in der Nähe des Pavillons links am Weg. Was aussieht wie vergessenes Baumaterial oder der klägliche Überrest von etwas Größerem, ist tatsächlich ein Denkmal, nämlich ein „Konstitutionsstein“ oder „Ständestein“. Der ehemalige Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern hat bereits 2010 in den damaligen „Landsberger Geschichtsblättern“ auf den unwürdigen Zustand des Denkmals hingewiesen.

Das Jahr 2018 steht nicht im Zeichen so „spektakulärer Persönlichkeiten“ wie Baader, Zimmermann oder Herkomer, so die Vorsitzende des Historischen Vereins, Sigrid Knollmüller, zur Eröffnung. Sondern wir feiern in Bayern die Abschaffung der Monarchie im Rahmen der Novemberrevolution und die Ausrufung des Freistaates vor genau 100 Jahren sowie – und jetzt kommen wir zu unserem Stein – vor genau 200 Jahren die Verfassung des Königreichs Bayern, dem Volk vom König Maximilian I. Joseph von Bayern übergeben: Die „Magna Charta Bavariae“, eine rechtliche Grundordnung, die nach jahrhundertelanger absolutistischer (Herzogs- und kurfürstlicher) Herrschaft erste Grundrechte, Anfänge der Gewaltenteilung, ständeunabhängige Volksvertretung gewährte.

Der Stein wurde aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress erfuhr das Territorium Bayern umfassende Gebietserweiterungen. Der Pfälzer Kurfürst Maximilian IV. Joseph wurde 1806 als Max I. König von Bayern gekrönt. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches war aus dem Kurfürstentum Bayern ein unabhängiger Staat entstanden, der sich alsbald eine eigene Verfassung gab.

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Aus diesem Anlass hat der Historische Verein gemeinsam mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein beschlossen, den Landsberger „Konstitutionsstein“ aus „seinem Dornröschenschlaf zu erwecken“, so Dr. Werner Fees-Buchecker, ihn auszugraben, zu restaurieren und an prominenterer Stelle mit Gedenktafel ehrenvoll wieder aufzustellen.

Bei der Vorstellung der „Landsberger Geschichtsblätter 2018“ im Pfarrsaal Mariä Himmelfahrt referierte Fees-Buchecker (Schriftführer und Schriftleiter der Geschichtsblätter sowie Stadtheimatpfleger) über den Landsberger Konstitutionsstein und weitere Verfassungsdenkmäler in Bayern.

Er erinnert an das Dienstjubiläum von König Max I.

Der kleine Kubus wurde seinerzeit vom Landsberger Steinmetz Joseph Bogner geschaffen und 1824 – zum 25. Regierungsjubiläum von Max I. – abseits der Stadt in den Grünanlagen des Englischen Gartens aufgestellt. Die sechs gleichen Seiten symbolisieren laut Fees-Buchecker die Gleichheit der Rechte und Pflichten, die Lage außerhalb der Stadt erklärt er mit der damals vorherrschenden Naturliebe im Zeitalter der Romantik, die Ebenerdigkeit der Aufstellung bedeute Stabilität. Ein schlichter Kubus also als Sinnbild für eine dauerhafte Verfassung.

Am 10. Juni dieses Jahres soll die feierliche Wiedereinweihung dieses alten Denkmals stattfinden. Im zweiten Teil des Abends dankte Fees-Buchecker, stellvertretend für den Historischen Verein, allen diesjährigen Autoren der Geschichtsblätter. Es ist wieder eine „bunte Mischung von wissenschaftlichen und populären Artikeln vom Mittelalter bis in die Jetztzeit und von der Kunstgeschichte, der allgemeinen Geschichte bis zur Volkskunde“ vertreten. Herauszuheben ist die Entdeckung eines Deckenbildes von Johann Baptist Baader in einem Kloster in Rom. Peter Gayer (aus der Stadtbücherei) hat die „Stecknadel im Heuhaufen“ gefunden und seine Entdeckung ausführlich beschrieben.

Interessant auch, die „Geschichte der Pflugfabrik“ noch einmal zu lesen (Autor: Georg Ringmayr). Insgesamt ist ein höchst interessantes und vielfältiges Heft entstanden. Ohne das tiefgehende Interesse und den Forschergeist der vielen ehrenamtlich arbeitenden Landsberger würde vieles im Verborgenen bleiben.

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