Landsberg

07.10.2018

Der Traum vom Fliegen

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2 Bilder
Mit Kabelbindern hat eine Gruppe Erwachsener ein Flugobjekt in Anlehnung an ein Modell von Alois Wolfmüller gebastelt. Veranstalter war die Kunstbaustelle.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das Papierfliegerfestival „Fliang“ lockt vor allem Familien in die Säulenhalle nach Landsberg. Einer der fleißigen Bastler darf bald ein echtes Flugzeug besteigen.

In Landsberg ist wieder einmal der Urtraum der Menschheit wahrgeworden: der Traum vom Fliegen. Wo einst der Flugpionier Alois Wolfmüller (Er ebnete den Weg zum Fliegen ), Zeitgenosse Otto Lilienthals, damit beschäftigt war, aus Bast und anderen Materialien Vogelfedern zu imitieren, um sich mit einem selbst gebauten Flugapparat in die Lüfte zu schwingen, so waren nun Kinder und Jugendliche am Werk. Nach Anleitung oder eigener Kreativität falteten sie beim „Fliang“-Papierfestival auf ehemaligen Kartentischen des Fliegerhorstes Penzing, was das Zeug hielt.

Auch ein paar Erwachsene mischten sich in der Säulenhalle darunter, so zum Beispiel Roland und Brigitte Zwickel aus Landsberg. „Wie der Vater so der Sohn“, passte gleich mit doppelter Bedeutung. Denn Roland Zwickel faltet aus dem Gedächtnis exakt den Flieger, den sein Vater stets für ihn gebaut hat. Und Rolands Sohn Simon hat die Faltleidenschaft auch geerbt. Seine Rakete schafft es, Dreiviertel der Säulenhalle zu durchqueren, während Vaters Modell eher der elegante Gleiter ist, der sanft zu Boden schwebt. So ist es klar, wessen Flieger beim Vater-Sohn-Weitwurf von der Empore das Rennen macht.

Auch der Schulleiter versucht sich im Papierfliegerbasteln

Ein weiterer erwachsener begeisterter Papierbastler ist Christian Karlstetter, Leiter der Landsberger Mittelschule. „Vor 25 Jahren habe ich den letzten Papierflieger gebastelt“, sagt er. Jetzt hat er es wieder ausprobiert, Erinnerungen ausgekramt und ein Kunstflugobjekt gefaltet. „Da geht es um Schönheit, nicht um Weite.“ Karlstetter hat das Projekt der KunstBauStelle von Wolfgang Hauck an die Mittelschule gebracht. Hunderte von Fliegern sowie Kraniche und Tauben in Origamitechnik sind so in der Klasse 8m entstanden.

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Geleitet wurde der Workshop von Renate Stoiber. Die Kostümbildnerin, die 35 Jahre die Kostümwerkstatt der Bayreuther Festspiele geleitet hat, musste sich das Falten erst einmal selber beibringen. Daher weiß sie: Aller Anfang ist schwer und so eine Faltanleitung gibt manchem erst einmal das Gefühl: „Das schaffe ich nie!“ Hat man dann aber den Dreh raus, hat das Falten fast Suchtfaktor. „Manche Schüler haben das Falten zuerst als Babyarbeit abgetan, dann aber gestöhnt, dass es so schwierig sei“, sagt Karlstetter. Beim Papierfliegerfalten geht es um Genauigkeit, scharfe Falze und das Papier darf nicht einreißen.

Die Altstadt wird zur Flugwerft

Die Arbeiten der Schüler hängen nun an Fäden von der Decke der Säulenhalle und als Mobiles in vielen Geschäften rund um das Geburtshaus von Alois Wolfmüller in der Herzog-Ernst-Straße 179b, in dem sich heute der Buch- und Plattenladen von Edmund Epple befindet. Wolfgang Hauck sieht die Schülerarbeit nicht als bloßes Falten. „Wolfmüller verkörpert einen Menschen, der eine Idee hat und dranbleibt.“ Das kann auch Jugendliche motivieren, an ihre Ideen zu glauben. Geplant ist, das Projekt mit einer Schreibwerkstatt fortzuführen. Dabei soll es um Zukunft und Visionen gehen, so Hauck.

Der Wettflug wird spannend

An den Nachmittagen und am Samstagvormittag sind vor allem Familien mit Kindern zwischen neun und 14 Jahren da, am Freitagabend findet sich eine Gruppe Erwachsener zusammen, die mit Kabelbindern den Flügel knüpft, der in Anlehnung an ein Modell von Wolfmüller - aus Wühlmausgitter über einem Holzgestell gespannt - gebaut wurde. „Da sind nette Gespräche entstanden und beim Knüpfen wurden Kontakte geknüpft“, so Hauck.

Schließlich dürfen alle Bastler ihre Flugobjekte von der obersten Empore im Theatersaal in Richtung Bühne werfen - und manche schaffen es sogar, dort zu landen. Andere stürzen im Steilflug ab oder ziehen entspannte Bögen über die leeren Sitzreihen - auch die Wurftechnik bestimmt über die Weite. Rund 25 Kinder und auch einige Erwachsene geben sich dem Spaß des Wettbewerbs hin. Schließlich wird unter den Kindern noch ein Rundflug verlost. Der Gewinner, der zwölfjährige Niklas aus Landsberg, kann es kaum glauben, dass der Traum vom Fliegen für ihn wahr wird.

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