1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Der Uttinger Imker aus dem Bürgerkriegsland

Utting

21.06.2019

Der Uttinger Imker aus dem Bürgerkriegsland

13 Bienenvölker betreut der aus Syrien stammende Agrar-Ingenieur Bshar Alhilal in Utting. Auf dem Uttinger Wochenmarkt verkauft er seit Kurzem den gewonnenen Honig. Der Imkerei gehörte schon in seiner Heimat Damaskus seine große Leidenschaft.
Bild: Dagmar Kübler

Bshar Alhilal ist vor vier Jahren vor dem Krieg aus Syrien geflohen. Mittlerweile lebt er in Utting. Wie ihm die Imkerei bei der Integration geholfen hat.

Die Heimat zu verlassen, ist schwer. Insbesondere, wenn man Frau und Kinder zurücklassen muss. Der Syrer Bshar Alhilal lebt heute in Utting. Seine Familie konnte inzwischen nachziehen. Heute geht es ihm gut. Vor Kurzem hat der Agrar-Ingenieur eine feste Anstellung bei Agrolab in Eching angetreten, einem international agierenden Analytikunternehmen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Aber insbesondere während der Flucht über Beirut, die Türkei und Griechenland, während der Unterbringung in Sammellagern in Bayern und während der Zeit, als er, in Utting angekommen ist, einsam war und sich Sorgen um seine Familie im Kriegsgebiet machte, hat ihm die Liebe zu seinen Bienen geholfen. das erzählt er im LT-Interview.

Viele Uttinger kennen ihn vom Wochenmarkt

2003 hat Alhilal bereits in seiner Heimat mit der Imkerei begonnen. Die Liebe zu den Bienen begleitet ihn bis heute. „Während der Flucht habe ich immer wieder Bienen gesehen. Sie haben mich an meine Heimat erinnert“, sagt Alhilal. „Wenn ich bei den Bienen bin, vergesse ich alle meine Probleme.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Imkerei hat dem 35-Jährigen auch bei der Integration in Utting geholfen. Er hat nämlich Kontakt zu hiesigen Imkern gesucht und ist auf Steffen Pfau und Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimker Bundes, gestoßen. Die beiden hätten ihn sofort dabei unterstützt, in Deutschland wieder mit der Imkerei zu beginnen, erzählt er voller Dankbarkeit.

Material und Bienenvölker konnte er kostenlos oder zu einem günstigen Preis erhalten. Die beiden Imker haben ihn mit zu ihren Völkern genommen, wo Alhilal viel über die hiesige Imkerei lernen konnte. Auch hat er Kontakt zur Imkerschule in Landsberg bekommen und sogar den Deutschen Imkertag durfte er besuchen. Viele Imker und Hersteller von Imkerbedarf habe er dort kennenlernt, berichtet er noch heute mit Begeisterung.

In Eching hat der Agrar-Ingenieurin eine Stelle gefunden

Bshar Alhilal spricht hervorragend Deutsch. In Damaskus war er Beamter mit fester Anstellung im Agrarministerium. Zu seinen Aufgaben zählte, Rückstände von Pestiziden in importiertem Gemüse festzustellen. Viele Jahre studierte er an der Universität, wo er promovierte und den ersten Kontakt zu Bienen und der Imkerei bekommen hatte. Das gehöre dort zur Ausbildung eines Agraringenieurs, erzählt er. Eine Imkerschule, Imkerverbände und dergleichen gibt es in Syrien aber nicht. Das Wissen über die Imkerei erlangt zum einen der Agraringenieur, weshalb unter den Imkern viele mit dieser Laufbahn sind. Oder es wird in Familien von einer Generation zur nächsten weitergegeben. 40 Bienenvölker hatte Alhilal in Syrien. Mit vier Völkern hat er in Utting wieder angefangen, nun sind es bereits 13. An zwei Standorten stehen seine Bienenkästen inzwischen, auch in freier Natur auf gemeindlichen Flächen im Westen.

Plötzlich sticht eine der Bienen zu

Bei einem Besuch dort herrscht reger Flugverkehr und prompt wird Alhilal beim Fotoshooting von einer Biene gestochen. Er bleibt ganz gelassen: „Da hilft Knoblauch – einfach damit einreiben“, lautet sein Rat. In Deutschland sei die Imkerei einfacher als in Syrien, so Alhilal. Während er in Syrien den Winter über immer große Verluste bei den Bienenvölkern hatte, sei heuer nur eines eingegangen. Das liege unter anderem daran, dass es hier genügend Mittel wie Oxalsäure gibt, um die Varoamilbe zu bekämpfen.

In Syrien gibt es diesen Schädling auch, aber durch das Embargo sind viele Chemikalien nicht mehr erhältlich. Deshalb kann sich auch die Faulbrut ausbreiten, eine der schlimmsten Bienenkrankheiten, die in Deutschland zum Beispiel kaum vorkomme. In Syrien sei jedoch fast jeder Imker betroffen, so Alhilal. Auch die Rote Wespe gefährde dort die Bienenbestände, ebenso die starke Trockenheit im Sommer.

Was Deutschland in Sachen Natur von Syrien unterscheidet

Im Frühjahr gebe es jedoch einen größeren Artenreichtum als hierzulande. Wildblumen, Anis und Schwarzkümmel sind beliebte Nektarpflanzen, ebenso Zitronen- und Orangenbäume, die eher an der Küste wachsen, sowie Baumwollpflanzen, die im Osten des Landes gedeihen. Waldhonig kann in Kiefernwäldern in Küstennähe geerntet werden, so der 35-Jährige. Ein Honig, der Spitzenpreise erzielt, ist der Berghonig. Während in Deutschland sowohl cremiger als auch flüssiger Honig seine Liebhaber findet, ziehen Alhilals Landsleute flüssigen Honig vor. Imker müssen also immer darauf achten, dass ihr Honig nicht kristallisiert.

Seit Mitte 2018 ist Bsar Alhilal nun auch eine feste Größe auf dem Uttinger Wochenmarkt und sehr zufrieden mit dem Honigverkauf. Der Wochenmarkt gibt Alhilal außerdem einmal mehr das Gefühl, dazuzugehören. „Ich bekomme dort den Eindruck, schon ein richtiger Uttinger zu sein!“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren