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Eresing

25.11.2017

Der geistliche Festsaal leuchtet wieder

Die Sanierungsarbeiten an der St. Ulrich in Eresing sind weitgehend abgeschlossen. Die Eröffnung mit Gottesdienst findet am 2. Dezember statt.
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Die Sanierungsarbeiten an der St. Ulrich in Eresing sind weitgehend abgeschlossen. Die Eröffnung mit Gottesdienst findet am 2. Dezember statt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Sanierung der Eresinger Pfarrkirche ist abgeschlossen. Am ersten Advent kommt Bischof Konrad Zdarsa zur Wiedereröffnung des Gotteshauses.

„Plötzlich ist da dieser offene Blick.“ Pfarrer Thomas Wagner beeindruckt der lichte Raum, in den er jetzt blickt, wenn er sonntags in Eresing den Gottesdienst feiert. Vor mehr als zwei Jahren startete die Sanierung der Pfarrkirche St. Ulrich – zuerst außen, dann innen. Jetzt ist das Gerüst wieder entfernt. Am Sonntag, 3. Dezember, ab 9.30 Uhr wird die Mitte des 18. Jahrhunderts umgebaute und aufwendig ausgestattete Kirche mit einer Messe mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa wiedereröffnet.

Abgesehen von den Herausforderungen, denen sich Pfarrer Wagner als Bauherr stellen musste, ist es für ihn ein besonderes Erlebnis, die Kirche jetzt so frei von aller Verbauung zu sehen. Wagner wurde erst Ende 2014 mit der Gründung der Pfarreiengemeinschaft Geltendorf mit Kaltenberg, Hausen, Eresing mit Pflaumdorf und Schwabhausen auch für Eresing Geistlicher. Der Blick auf die Gläubigen war, zumindest während der Messe, in der letzten Zeit durch ein Gerüst eingeschränkt.

Die Bildung einer Pfarreiengemeinschaft vergleicht Wagner mit einer Baustelle. Doch gerade, dass es so ein großes Projekt zu stemmen galt, war nach Wagners Ansicht positiv in dieser Situation. Er habe eine große Hochachtung vor dem Pfarrgemeinderat und der Kirchenverwaltung, die sich überdurchschnittlich engagiert hätten. Das Ziel sei auf Sachebene gewesen, die Kirche zu sanieren. Auf einer anderen Ebene hätten die Menschen zusammengefunden. Kreative Ideen seien entstanden, um Spenden zu akquirieren. Die Sanierungskosten lagen laut Wagner bei 1,7 Millionen Euro.

Dominikus Zimmermann war der Bauherr

St. Ulrich zähle zu den 100 schönsten Kirchen in Bayern, zitiert Pfarrer Thomas Wagner einen gleichnamigen Buchtitel und verweist darauf, das Dominikus Zimmermann den Eresinger Sakralbau nach der Wieskirche geschaffen habe – gewissermaßen als „I-Tüpfelchen“. Es sei die einzige Dorfkirche, der sich der Landsberger Baumeister gewidmet habe. Die Eresinger Kirche wurde Mitte des 18. Jahrhunderts umgebaut. Dominikus Zimmerman schuf einen mit reichlichen Rokokoformen ausgestatteten „geistlichen Festsaal“ (Wikipedia). Das Hauptfresko stammt von Franz Martin Kuen und stellt die Schlacht am Lechfeld dar. Demnach verteidigte der Heilige Ulrich 955 als Bischof von Augsburg die Stadt gegen die Ungarn und hatte so einen großen Anteil am Sieg Ottos I. über die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld.

Soweit reichen die geschichtlichen Spuren in der Eresinger Kirche nicht zurück, ein Stein mit der Jahreszahl 1488 verweist auf die Spätgotik. Mit Mariensäule und Pfarrhof bildet St. Ulrich eines der bedeutendsten historischen Ensembles im Landkreis. Wie bei den meisten Arbeiten an historischen Gebäuden ging es auch bei St. Ulrich um die Statik, Dachdeckerarbeiten und Reparaturen im Dachstuhlgebälk. Eine schlimme Überraschung war, wie Pfarrer Wagner berichtet, der Zustand der sogenannten Bockshaut, die das Deckengemälde mit dem Dachgewölbe verbindet. Sie war stark beschädigt. „Die Gerüstkosten zählten hier zu einem der größten Posten.“

Das Taufbecken ist wieder zugänglich

Und es ging um die Pflege, den Unterhalt, aber auch die Modernisierung des Kircheninneren: Ein neues Licht- und Heizungskonzept wurde umgesetzt, eine elektronische Liedanzeige eingebaut, die Fresken wurden überarbeitet, Bilder gereinigt, verputzt, gemalert und Blattgold neu aufgetragen – einige Handwerker schließen ihre Arbeiten gerade ab. Und der Eindruck der nun von der Patina der Jahre befreiten Innenausstattung ist überwältigend, wenn – wie dieser Tage – die Sonnenstrahlen in den Kirchenbau dringen und ihn zum Leuchten bringen. Dem Kirchenraum wurde aber auch in seiner religiösen Ausgestaltung eine einst vorhandene Funktionalität zurückgebracht: Das Taufbecken im Westen, das laut Wagner verbaut war, wurde freigelegt. Ein wichtiger liturgischer Ort, an dem der Mensch in die Gemeinschaft aufgenommen werde und dies genau gegenüber dem Ort, an dem die Eucharistie gefeiert werde.

Hergerichtet wurde auch die Unterkirche, die „zugestellt, feucht und dunkel“ war. Gegenüber der prächtig ausgestatteten Kirche bildet diese mit nackten Wänden und gotischer Formensprache in ihrer Schlichtheit ein reizvolles Gegenmoment. Wie dieser Raum genutzt werden soll, kann Wagner noch nicht sagen. Am Patronatstag der Kirche wird die Festmesse in der Pfarrkirche gefeiert. Wagner kann sich aber vorstellen, dass in manchen Jahren beim Ulrichsfest auch wieder ein Gottesdienst an der Ulrichskapelle stattfinden könnte, wie dies heuer der Fall war.

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