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Ausstellung

04.06.2018

Der romantische Sehnsuchtsort

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3 Bilder

Neun Künstler zeigen in der Landsberger Säulenhalle ihre Interpretationen zum Thema „Baum, Wald, Leben“. Dabei geht es auch um Gesellschaftskritik und düstere Visionen

„Kein anderes Geschöpf ist mit dem Geschick der Menschheit so vielfältig, so eng verknüpft wie der Baum.“ Dieser Satz stammt von dem Historiker Alexander Demandt, der sich mit der Kulturgeschichte des Baums befasst hat, der nur an den Orten Wald bilden kann, wo er genügend Licht, Wärme und Wasser vorfindet. Und der Wald wiederum ist romantischer Sehnsuchtsort ebenso wie gerade heutzutage banaler Wirtschaftsfaktor. Mit seiner geheimnisvollen, oft von Mythen umwehten Aura hat er Dichter wie bildende Künstler im Laufe der Jahrhunderte immer wieder in seinen Bann gezogen und zu neuen Werken inspiriert.

Neun Künstler haben sich nun in der aktuellen Gemeinschaftsausstellung in der Säulenhalle zusammengefunden, um ihre ganz persönliche, teils sehr berührende Sicht, die in jedem einzelnen Fall jenseits kitschiger oder klischeehafter Darstellungen liegt, auf Baum, Wald und Leben preiszugeben. Im Gegenteil, alle Arbeiten setzen sich auf durchaus gesellschaftskritische Weise mit den Bedrohungen unserer Zeit auseinander, denen Bäume und Wälder weltweit gegenüber stehen.

Bedrückend auch in metaphysischer Hinsicht sind die Bilder von Ina Kohlschovsky, die sich auf den ersten Blick auf das Ende der 90er-Jahre berühmte „Blairwitch-Project“ beziehen, doch dahinter weitere Dimensionen aufscheinen lassen. Auch die Visionen von Julius Wurst sind eher düster. In dunklen Grau- und Blautönen künden seine blattlosen Baumporträts in Wachstechnik auf Holz und Leinwand eindrücklich von Luftverschmutzung und den damit einhergehenden Konsequenzen für die Natur und damit letztlich für den Menschen.

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Auch Karin Pfab verdeutlicht mit ihrer Installation „Wald“, wie groß der Raubbau an Hölzern in den einzelnen Kontinenten bereits ist und die schier unersättliche Gier des Menschen manche Waldlandschaften gerade in Afrika fast ausgerottet hat. Als würde sie diesen Faden aufnehmen, zeigt Julia Reich in ihren Materialabdrucken die zarte und verletzliche Ästhetik von Baumscheiben, die mit der Säge abgeholzt wurden. Das ganze Leben eines Baumes lässt sich an diesen Scheiben ablesen und stellt unmittelbar eine Analogie zum menschlichen Leben dar. Auch Veronika Flesch billigt jedem Baum eine eigene Geschichte zu, die sie in farbstarke grafische Kompositionen übersetzt, indem sie den Strukturen von Jahresringen und Baumrinden folgt. Als ehemalige Schülerin von Stanley William Hayter gelingen ihr so Drucke von expressiver Leuchtkraft und Klarheit. Marlen Peix beschäftigt sich in ihrer Installation „Seelen“ mit den Zwischenwelten, die der Wald evoziert. Bäume wie Seelen sind ohne Schutz verloren, die einen sterben, die anderen irren orientierungslos umher. Umso wichtiger ist es der Künstlerin, die Bedeutung der Natur in den Mittelpunkt des Bewusstseins zu rücken. Gabriele und Helmut Hager haben mit ihren „Landschaftstattoos“ eine individuelle, dabei sehr emotionale Annäherung an das Thema gewagt. So hat Helmut Hager in Baumstämme eingeschnittene Zeichnungen und Buchstaben fotografiert, sie als „Negative“ isoliert, auf ihre Umrisse reduziert und damit abstrahiert. Ergänzt werden seine ursprünglichen Bilder und die daraus entstandenen Abstraktionen durch die assoziativen Haikus von Gabriele Hager. In drei Reihen übereinander gehängt gewinnen die Sequenzen beinahe beschwörenden Charakter.

Die geschickte Hängung der Bildwerke in der Säulenhalle wird betont durch die Holzskulpturen von Johannes Hofbauer. Auch ihnen ist das Thema Zerstörung immanent: Aus Respekt vor dem Ursprungsmaterial verwendet der Künstler nur Holz von kranken, beschädigten oder bruchgefährdeten Hölzern, deren Schadensbild als Gestaltungselement in das jeweilige Kunstwerk gleichberechtigt integriert wird. Gibt es noch Hoffnung? Es gibt sie: In den Aufnahmen des Bayerischen Waldes unter dem Titel „Nouvelle Vie I und II“ von Karin Pfab, die das zaghafte Erstarken der nach dem Waldsterben sich selbst überlassenden Vegetation zeigen, aber auch in der filigranen Bronze-Knospe von Helmut Hager, die unbeirrt und selbstbewusst ihren Weg ins Leben nimmt.

Die Arbeiten sind noch bis Dienstag, 5. Juni, jeweils von 14 bis 20 Uhr in der Säulenhalle zu sehen.

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