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Konzert

24.02.2015

Der schräge Cowboy aus Texas

A journey in time tour 2015 mit Kinky Friedman in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Kinky Friedman ist Countrysänger, Autor und Komiker

Im typischen Südstaaten-Outfit, mit schwarzem Hut, Mantel und Stiefeln, tritt der 71-jährige Countrysänger und Romanautor, der schon einmal als Gouverneur von Texas kandidiert hat, auf die Bühne. Sein Auftritt ist schlicht und bescheiden, nur eine akustische Countrygitarre unterstützt ihn bei seinen kritischen Songs. Kritische Countrysongs?

Ja, genau. Bei Kinky Friedman ist alles anders, als man es erwartet. Er ist Jude – und erscheint im Cowboy-Look. Er tritt vehement gegen jede Art von Rassismus ein– und hat einen Song gegen die Frauenbewegung geschrieben. Er ist kritisch und feinsinnig – und lebt in Texas. Er ist Jude, über 70 und besitzt keine Immobilie. Er ist eben Kinky – was so viel heißt wie „verdreht“ oder „schräg“. All das erzählt er zwischen seinen Songs, mit schrägem, derbem und bisweilen düsterem Humor. Mit der Musik hält er es schlicht, seine Songs sind selten länger als zwei Minuten. Drei Akkorde und ein bisschen Gesang dazu, und auch der ist rau und derb.

Seine Songs handeln oft von Unrecht, Unterdrückung, Judenverfolgung. So wie „The Ballad of Ira Hayes“ über die Missachtung und Unterdrückung der Indianer in den USA. Oder wie „They Ain’t Making Jews Like Jesus Anymore“, über Judenhass, wie „Ride ‘em, Jewboy“, ein Song über den Holocaust, der in der Countrymusik sonst nun wirklich kein Thema ist. „Die Deutschen sind mein zweitliebstes Volk. Mein liebstes sind alle anderen“, ist einer seiner oft wiederholten Sprüche, die das eingefleischte Kinky-Publikum liebt. Wenn Friedman erzählt, ist sein breites Texanisch nicht immer leicht zu verstehen, aber wenn ein Witz ankommt, dann richtig. Für die Homo-Ehe warb er bei seiner Wahlkampagne mit dem Slogan: „Warum sollen die es besser haben als wir anderen?“

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Für die Fans eine lebende Legende

Als er die Geschichte über seinen Vater Tom Friedman, den Navigator, vorliest, ist es ganz still im Saal. Der Vater gehört zu den Helden, die Friedman verehrt, und denen er sein Buch „Heroes of a Texas Childhood“ gewidmet hat, weil sie sonst in seinem Land nirgends auch nur wahrgenommen werden. Jesus, Gandhi und Mandela zählt er zu den großen Geistern, die Menschen noch heute inspirieren, mehr als jeder Politiker dies jemals könnte. Wenn es aber zu ernsthaft wird, reißt Kinky die Stimmung mit einem Gassenhauer wie „Proud To Be An Asshole From El Paso“ wieder herum.

In den Pausen und nach dem Konzert gibt sich Kinky Friedman leutselig, redet mit jedem und signiert „anything but bad legislation“. Ein sympathischer Altstar zum Anfassen, der für seine Fangemeinde eine lebende Legende ist.

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