Projekt

26.09.2014

Der verdorbene Apfel

Monika Friesl-Junker und Regina Kläger, frisch geschminkt.

Die „Randerscheinungen“ bereiten ein abendfüllendes Theaterstück vor

Ansagen wie in einem Zug schwirren durch den Raum, eine junge Frau mit einer hervorragenden Soul/Jazzstimme singt, Stühle und andere Einrichtungsgegenstände werden von A nach B geschleppt, auffällig geschminkte Gestalten sind unterwegs. Kein Zweifel: In der Aula der Beruflichen Schulen Landsberg wird geprobt, an einem Theaterstück gefeilt.

„Es macht einfach Spaß, hier dabei zu sein“, erklärt Regina Kläger mit fröhlich grinsendem Gesicht und einem schicken Herzchenmund. „Es läuft langsam“, meint Maximilian Huber, einer der beiden Regisseure. Sein Kollege Julian Pietsch pflichtet ihm bei. Die beiden jungen Landsberger, Student und Schüler, haben im vergangenen Jahr das „Projekt Randerscheinungen“ ins Leben gerufen und mittlerweile als Verein eintragen lassen.

Ziel des Projekts soll es sein, Probleme von Randgruppen in der Bevölkerung zu thematisieren, über Theaterstücke, Filmprojekte und Ausstellungen um Verständnis zu werben und eine Integration anzustoßen. Mit einer ersten Theateraufführung, einem aus verschiedenen Kurzszenen zusammengesetzten Werk, brachten sich „Randerscheinungen“ ins Bewusstsein der Zuschauer.

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Dieses Mal stellten sich Huber und Pietsch gemeinsam mit rund 30 Mitwirkenden einer neuen, einer größeren, erweiterten Herausforderung. Erstmals bringt die Gruppe ein abendfüllendes, durchgängiges Theaterstück auf die Bühne. Natürlich sind, was bei der Arbeit mit in festen Arbeitsverhältnissen stehenden Laien erwartet werden kann, immer mal wieder Ausfälle zu beklagen. Mitwirkende sagen ab, neue müssen gefunden werden.

Aktuelles Beispiel ist die Hauptdarstellerin, sie ist erst jetzt, im September, eingesprungen. Maximilian Huber und Julian Pietsch haben noch jedes Mal Ersatz gefunden, im Bekanntenkreis, in der Nachbarschaft. Oder Neueinsteiger wie die pensionierte Kunstlehrerin und Schultheaterleiterin Monika Friesl-Junker bringen ein paar ehemalige Schüler aus ihrer Theatergruppe mit.

Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ habe ihn inspiriert, sagt Autor Maximilian Huber über sein Werk mit dem Titel „Der verdorbene Apfel“. In beiden Stücken geht es um Ausgrenzung, um das Verstoßen, das an den Rand Drängen von Personen, deren Verhalten nicht der von der Gesellschaft vorgegebenen Norm entspricht. Und es geht darum, wie viel die Gesellschaft bereit ist zu tun, damit diese Richtlinien eingehalten und nicht überschritten oder verwischt werden.

Mit der Aufführung besagten Stücks knüpfen die „Randerscheinungen“ an die Szenen des ersten Theaterabends im vergangenen Jahr an. Es werden Tabuthemen angerissen und hier vor allem die immer noch nach Traditionen verteilten Geschlechterrollen – so wie sie die Gesellschaft erwartet oder vorgibt. Es geht um Geschlechtsumwandlung und gleichgeschlechtliche Liebe und darum, wie die Menschen damit umgehen.

Hat das verschlafene Nest am Moor, in dem eines Tages ein dubioses Paar aufkreuzt, etwa einen großen dunklen Flecken in seiner Vergangenheit? Wurde hier ein Verbrechen begangen, nur um die „Normalität“ zu wahren?

Theaterstück von Maximilian Huber, Regie: Maximilian Huber und Julian Pietsch, 25 bis 30 Mitwirkende; Aufführungen im Landsberger Stadttheater, Schlossergasse, am Donnerstag, 30. Oktober, um 20 Uhr, Samstag, 1. November, um 19 Uhr, und Dienstag, 4. November, um 20 Uhr.

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