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Kaufering

19.12.2020

Der vierjährige Jerome aus Kaufering kämpft gegen den Krebs

Familie Wiegert (von links Jeanero, Mario, Jerome und Irina) am Weißensee bei Füssen.
Bild: Wiegert

Plus Der vierjährige Jerome Wiegert aus Kaufering ist Anfang 2020 an einer sehr aggressiven Krebsart erkrankt. Die Chemotherapie hat Spuren hinterlassen, aber die Familie gibt die Hoffnung nicht auf.

„Wie geht es Jerome?“ Diese Frage hat Familie Wiegert in den vergangenen Monaten wohl am häufigsten gehört. Anfang des Jahres war beim damals dreijährige Jerome ein extrem aggressiver Krebs festgestellt worden, der das Leben der vierköpfigen Familie komplett auf den Kopf gestellt hat. So wie es aussieht, kann Jerome Weihnachten zu Hause in Kaufering feiern: Momentan geht es Jerome nämlich gut. Was aber im Fall von Jerome „gut“ bedeutet, erklärt sein Vater Mario Wiegert.

Für die Familie hat der Albtraum im Januar dieses Jahres begonnen. Wie berichtet, wurde bei dem damals Dreijährigen Lymphdrüsenkrebs festgestellt, und zwar der schlimmsten Stufe. Das bedeutete, dass Jerome monatelang im Krankenhaus behandelt wurde. Unter anderem wurde auch sein Gehirnwasser sieben mal einer intensivstationären Chemotherapie unterzogen. „Alle Folgeschäden sind noch nicht abzusehen“, sagt Vater Mario Wiegert.

Erste Folgen der Chemotherapie sind eingetreten

Bei Jerome zeige sich bereits jetzt, dass er sehr vergesslich sei und manchmal Wörter einfach drehe. Und man wisse nicht, welche Folgen noch auftreten werden. „Aber Jerome ist noch sehr jung, wir hoffen, auf seine große Regenerationsfähigkeit“, sagt sein Vater. Auch körperlich sei der kleine Junge, der im Januar seinen fünften Geburtstag feiert, eingeschränkt. Viele weitere Therapien stehen damit an. Und über allem schwebt die große Angst: Taucht der Krebs noch mal auf?

Es war der einer der letzten Besuche von Mario Wiegert im Krankenhaus, dann kam der Lockdown.
Bild: Blog Jerome lebt

Alle vier Wochen steht eine Kontrolluntersuchung an. „Die Ärzte sagen immer nur: Wir finden keinen Krebs. Sie sagen nicht: Der Krebs ist weg“, erklärt Mario Wiegert. Würde der Krebs erneut ausbrechen, „dann hätten wir laut Statistik noch zwei Monate“. Der Albtraum geht für die Familie weiter.

Die Kauferinger Familie hat viel Unterstützung erfahren

Immerhin konnten die Spendenaktionen, die im Sommer angelaufen sind, die finanziellen Nöte schmälern. Unter anderem die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, hat die Familie unterstützt. „Diese Spenden haben uns unheimlich geholfen“, ist Mario Wiegert sehr dankbar. Denn so habe man viel Zeit mit Jerome verbringen können, ohne sich zumindest darum Sorgen machen zu müssen. Um sich dafür bei allen Unterstützern noch mal bedanken zu können, ist Mario Wiegert auch erneut ans Landsberger Tagblatt herangetreten.

Sorgen gab es trotzdem noch genug: Auch Jeromes älterer Bruder Jeanero (8) brauchte trotz der Fürsorge für Jerome Aufmerksamkeit – und er war gezwungen, die selbstauferlegte Isolation der ganzen Familie mitzutragen. Vor Kurzem erst feierte Jeanero Geburtstag – ohne Party. „Er sagte, er habe sowieso keine Freunde, da brauche es auch keine Feier“, sagt Mario Wiegert. Ein Satz, der Eltern erst mal Schlucken lässt.

"Meine all inclusive Bar... habe auch ab und zu acht Pumpen laufen, rund um die Uhr..." ist dieses Bild auf Jeromes Blog untertitelt.
Bild: Blog Jetzt leben Jerome

Schon vor Corona ist die Familie in Quarantäne gegangen

Die Familie befindet sich nämlich seit fast einem Jahr in selbst auferlegter Quarantäne – nicht nur wegen des Coronavirus’. „Nach einer Chemotherapie hat man das Immunsystem eines Neugeborenen“ sagt Jeromes Vater – da seien alle Viren nicht nur Corona. Jeanero habe deshalb auch nicht „normal“ in die Schule gehen können, aber seine Lehrerin in der Kauferinger Grundschule sei sehr verständnisvoll gewesen: Jeanero war nur in den ersten Stunden in der Schule, den Rest erledigte er von Zuhause aus. In allen anderen Bereichen hat man Kontakte ebenso fast komplett eingeschränkt. „Einzig aufs Einkaufen wollte meine Frau nicht verzichten, es war noch das letzte Stückchen Normalität in unserem Leben“, erzählt Mario Wiegert. Aber sie war nie zu den Stoßzeiten in den Geschäften.

Inzwischen musste seine Frau Irina auch einen weiteren schweren Schritt unternehmen: Sie befindet sich derzeit in der beruflichen Wiedereingliederung. Nach der Geburt von Sohn Jeanero hatten sich die Wiegerts entschlossen, dass Vater Mario zu Hause bleiben würde und Mutter Irina weiter arbeiten geht. Nach dem Krankheitsausbruch bei Jerome blieb natürlich auch die Mutter bei ihrem Sohn, „aber jetzt muss sie wieder arbeiten“, sagt Mario Wiegert, ansonsten wäre ihre Arbeitsstelle in Gefahr. „Das ist für sie natürlich auch sehr schwer“, da niemand wisse, wie es mit Jerome weitergehe.

Die Familie holt sich psychologische Hilfe

All diese Ungewissheiten sind an der Familie nicht spurlos vorübergegangen. „Wir haben uns deshalb auch psychologische Hilfe geholt“, sagt Mario Wiegert. Aber auch das sei nicht so einfach: „Die ortsansässige Therapeutin hat keine Kassenzulassung“, sagt Mario Wiegert – da könnten also weitere Kosten auf die Familie zukommen, wenn die Kasse nicht zahlt. Dabei wird nach Möglichkeit jeder Euro gespart. „Es kann ja sein, dass es bald eine neue Therapie für Jerome gibt“, und dafür wird alles, was geht, zur Seite gelegt. Oder um mit Jerome und der ganzen Familie etwas zu unternehmen. „Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns bleibt, aber diese Zeit wollen wir so gut es geht nutzen und sie für Jerome mit Erfahrungen ausfüllen“, sagt Mario Wiegert.

Familie Weigert will anderen Mut machen

Jetzt steht aber erst mal Weihnachten vor der Tür. „Für uns wird es ganz normal sein, alleine zu feiern“, sagt Jeromes Vater. „Vielleicht können wir da anderen auch eine Stütze sein. Natürlich fehlt es, dass man niemanden in den Arm nehmen kann, aber es ist auch eine Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen.“

"Juhu ich bin Zuhause. Seht Ihr meine Raubtiersammlung", steht unter diesem Bild auf Jeroms Blog.
Bild: Blog Jetzt leben Jerome

Und mit dieser Einstellung könne man vielleicht auch anderen helfen, die sich in schwierigen Situationen befinden. „Wir haben so viel Zuspruch erfahren“, sagt Mario Wiegert – dafür wolle man sich einfach bedanken, „und anderen auch ein bisschen Mut machen“. Auch auf dem Blog „Jetzt leben Jerome“, den die Familie inzwischen eingerichtet hat, und über den mit allen anderen in Kontakt bleiben will.

Inzwischen hat sich das Lions-Hilfswerk Landsberg angeboten, für Familie Wiegert Spenden zu sammeln. Der Vorteil: Dadurch kann auch einen Spendenquittung ausgestellt werden. Die Bankverbindung lautet: Lions-Hilfswerk Landsberg am Lech e.V.; Spendenkonto Nr. 9530 bei der Sparkasse Landsberg-Diessen (BLZ: 700 520 60); IBAN: DE18 7005 2060 0000 0095 30; BIC: BYLADEM1LLD; Verwendungszweck: Familie Wiegert.


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