1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Dettenschwang: Ist der Glockenstreit jetzt beigelegt?

Dettenschwang

02.05.2019

Dettenschwang: Ist der Glockenstreit jetzt beigelegt?

In Dettenschwang wehrt sich eine Einwohnerin gegen das Läuten der Kirchenglocken frühmorgens um 5.30 Uhr.
Bild: Thorsten Jordan

In der Freinacht nehmen Unbekannte in Dettenschwang die Beschwerdeführerin gegen das Geläut aufs Korn. Die Pfarrei hat schon reagiert. Was sich bei den Glocken von St. Nikolaus ändert.

Wer in einem Dorf Kritik am Klang der Kirchenglocken äußert, zieht oft den Zorn der Einheimischen auf sich. In Dettenschwang äußerte sich das in der Freinacht. In dem Dießener Ortsteil hatte – wie berichtet – eine Anwohnerin vor allem das Angelus-Läuten um 5.30 Uhr kritisiert. Die Beschwerdeführerin, die namentlich nicht genannt werden will, wiederholte gegenüber dem LT, dass sie grundsätzlich nichts gegen das Glockengeläut habe – aber zu dieser frühen Uhrzeit und in dieser Lautstärke. Sie hatte sich mit einer Beschwerde an Pfarrer Josef Kirchensteiner gewandt. Das wird ihr angekreidet: In der Freinacht wurde ein aufwendiges Transparent in der Dorfmitte aufgestellt. Darin wird die Beschwerdeführerin in Gedichtform scharf kritisiert.

Lesen Sie dazu: Anwohnerin wehrt sich gegen frühes Läuten der Kirchenglocken

Die Beschwerde der Frau hatte schon erste Folgen: Es wurde ein Gutachten über die Lautstärke der Glocken angefertigt. Die Schallpegelmessung ergab, dass die Glocken von St. Nikolaus zu laut sind: Der Wert des Stundenschlags liegt laut Angaben des Bistums Augsburg im Spitzenwert bei 71,6 Dezibel (db(A)) und der Spitzenwert des Viertelstundenschlags bei 70,8 Dezibel (db(A)) gelegen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was ist zulässig? Das richtet sich danach, wie ein Gebiet definiert ist. Im Flächennutzungsplan sind die Bereiche um die Kirche St. Nikolaus teils als Dorfgebiet und teils als Wohnbaufläche ausgewiesen. Im Dorfgebiet liegen die einzuhaltenden Werte laut Bistumsangaben grundsätzlich tagsüber bei 60 und nachts bei 45 Dezibel. Im allgemeinen Wohngebiet lägen die einzuhaltenden Werte grundsätzlich tagsüber bei 55 und nachts bei 40 Dezibel.

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen – und dazu zähle gemäß der Rechtsprechung auch der Stundenschlag – dürften tagsüber bis zu 30 und nachts um 20 Dezibel höher liegen als die vorgegebenen Werte. Somit seien in Dettenschwang je nach Gebiet die Werte von 90 beziehungsweise 85 Dezibel tagsüber und 65 beziehungsweise 60 Dezibel nachts einzuhalten.

Zu unterscheiden sind auf jeden Fall der Stundenschlag und das liturgische Läuten, das rechtlich der kirchlichen Selbstverwaltung unterliegt. In Dießen beginnt das Angelus-Geläut beispielsweise erst um 6.30 Uhr: Laut Angabe des Bistums lautet die Empfehlung, das Angelus-Lätuen nicht vor 7 Uhr und nicht nach 20 Uhr durchzuführen.

Was die Pfarrei jetzt macht

Der Stundenschlag von St. Nikolaus soll nun gedämpft werden. „Wir haben schon eine Fachfirma beauftragt und auch noch einmal nachgehakt, der Auftrag wurde aber noch nicht ausgeführt“, so Pfarrer Josef Kirchensteiner. Beim Angelus-Läuten soll dagegen alles beim Alten bleiben. Der Geistliche hatte die Beschwerde im Pfarrgemeinderat und in der Kirchenverwaltung eingebracht und beide Gremien seien dagegen gewesen, das Angelus-Läuten zu verändern: „Ich respektiere den Willen der Dettenschwanger.“ „Das Läuten soll so bleiben, wie es ist“, sagt Kirchenpfleger Jürgen Zirch. Beim Stundenschlag könne die Intensität des Anschlags verändert werden, das Läuten ließe sich nicht verändern. Den Dettenschwangern seien ihre Glocken wichtig, sagt Zirch. Im Zweiten Weltkrieg seien die Glocken eingezogen worden und die Bevölkerung habe sich nach dem Krieg um ein neues Geläut bemüht.

Wie laut empfinden nun andere, die in der Nähe der Kirche wohnen, das morgendliche Glockengeläut? Gaby Metzger aus München ist 1999 mit ihrer Familie in ein Haus neben der ehemaligen Raiffeisenbank gezogen. „Anfangs bin ich schon im Bett gestanden“, erzählt sie, aber man gewöhne sich daran. „Mittlerweile überlege ich manchmal beim Aufwachen, ob sie nun geläutet haben oder nicht?“

Eine Nachbarin stand anfangs immer senkrecht im Bett

Gemeinderat Stefan Wilkening wäre es vor allem im Winter lieber, die Glocken würden später läuten. „Es könnte eine Stunde später sein.“ Er wache aber nicht jeden Tag davon auf. Wilkening hat eine Ferienwohnung, vertrieben hätten die Glocken noch niemanden, erzählt er. Freilich würden vor allem Gäste aus dem protestantischen Norden nachfragen, denn sie kennen kein Angelus-Läuten. „Ich finde die Glocken wunderbar“, sagt Gemeinderat Michael Hofmann. Früher seien die Bauern so früh aufgestanden, heute seien es viele Pendler, die in die Arbeit fahren. 5.30 Uhr sei die passende Zeit. Und es sei den Leuten im Dorf wichtig. „Wenn der Pfarrer es verschiebt, gehe ich nicht mehr in die Kirche“ – eine solche Aussage hat Hofmann schon gehört.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

03.05.2019

Unser Planet hat genug Plätze ohne Glockengeläut. Es besteht kein Anwesenheitszwang.

Permalink
02.05.2019

Glockengeläut ist eine absolute Unsitte und passt nicht mehr in die heutige, aufgeklärte, säkulare Zeit. Abschaffen!

Permalink
03.05.2019

Der war gut ..... :-)

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren