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Kaufering

08.06.2018

Dialyse: Dreimal die Woche fünf Stunden still liegen

Dreimal die Woche muss Patient Bruno Bremauer zur Dialyse. Im Bild von links: Dr. Sven Vogel, Patient Bruno Bremauer und Dr. Barbara Voigtmann.
Bild: Thorsten Jordan

Bruno Bremauer hat eine Autoimmunerkrankung, die seine Nieren zerstörte. Wie er mit der Erkrankung lebt, erzählt er bei einem seiner Termine in Kaufering. Er will das Beste aus seinem Leben machen.

Die Geschichte beginnt mit ein wenig rötlichem Urin. Sonst nichts. Keine Schmerzen, keine Müdigkeit. Genau einen Tag vor dem Jahreswechsel 2012 zu 2013. Der Hausarzt überweist zum Urologen. „Aber versuchen sie mal im Januar einen Facharzttermin zu bekommen, unmöglich“, sagt Bruno Bremauer, 52 Jahre alt, ein Hüne von einem Mann, nur die Haare und der Bart schon ziemlich grau. Der Flug nach Portugal war schon lange gebucht, das bisschen Urin sollte da nicht stören. Am 9. Januar dann eine deutliche Menge Blut. Ein portugiesischer Arzt überweist panisch in die nächstgrößere Stadt, Portimao. Von da ab verschlechtern sich die Blutwerte stündlich. Am 11. Verlegung nach Faro.

Die erste Blutwäsche seines Lebens

Die erste Blutwäsche seines Lebens. Da war Bruno Bremauer 47 Jahre alt, eine Tochter, im „LKW-Fahrbetrieb tätig“. „Ein sehr alter portugiesischer Arzt in weißem Kittel hat mein Leben gerettet, indem er hohe Dosen Penicillin und Cortison verabreicht hat.“ Bermauer hat, wie sich später herausstellte, eine eher seltene Autoimmunerkrankung der Nieren, einen Erreger, der sich von Eiweiß ernährt und die Nieren zerstört. Seine Niere sehe wie ein Naturschwamm aus, grob und zerrissen.

Die Niere ist ein Abfallsammler

Seit jenem Portugalurlaub, seit mehr als fünf Jahren nun, geht Bruno Bermauer dreimal die Woche zur Dialyse, jeweils fünf Stunden liegt er mit 27 weiteren Patienten, verteilt auf sechs Zimmer, meist in der Frühschicht, im Dialysezentrum Kaufering, mit offiziellem Namen „Medizinisches Versorgungszentrum Nephrocare“. Die meisten Nierenkranken sind eindeutig älter als Bruno Bermauer, oft haben sie durch Diabetes oder Bluthochdruck zerstörte Nieren.

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Alle werden ihr Leben lang dreimal die Woche zur Dialyse müssen, es sei denn, sie rutschen auf der Warteliste für eine Spenderniere nach oben und versuchen ihr Glück mit einem fremden Organ. Eine Niere ist ein hochentwickelter Abfallsammler und Hormonproduzent. Jeden Tag durchpflügen die beiden etwa faustgroßen Organe etwa 1500 Liter Blut und sortieren daraus 1,5 Liter Abfallprodukte und Wasser aus. Ein perfekter Filterprozess. Wenn dieser nicht mehr funktioniert, füllt sich der Körper mit zusätzlichen Wasser und Abfallprodukten, ein Zustand, den die Ärzte Urämie nennen. Wenn die Nieren ihre Arbeit einstellen, vergiftet und ertrinkt man quasi innerhalb kurzer Zeit und stirbt.

Dicke Beulen am Unterarm

Bermauer streckt seinen linken Arm vor, man solle einmal fühlen, wie schnell das Blut hier rausche. Zwei dicke Beulen am Unterarm, hier wird „ein mächtiges Ding reingejagt“, sagt er, mit einer kleinen Nadel sei da nicht viel zu holen. In der Regel wird ein arteriovenöser „shunt“ gelegt, dabei werden eine Vene und eine Arterie quasi kurzgeschlossen, um ein großvolumiges Gefäß zur Verfügung zu haben. Daran wird dreimal wöchentlich die sogenannte „künstliche Niere“ oder der Dialysator angehängt, eine etwa 20 Zentimeter große Röhre gefüllt mit bis zu 18000 feinsten, semipermeablen Hohlfasern (Kapillarmembrane). Neben der Blutreinigung werden Bruno Bermauer dabei etwa drei Liter Wasser entzogen. Das ist quasi sein Toilettengang. Von 102 Kilogramm muss er jedes Mal runter auf 99 Kilogramm. Die Tasse Tee und die Brotzeit, die er während der Dialyse erhält, schon mit eingerechnet.

Er hat gelernt, mit der Krankheit zu leben

Bermauer hat gelernt, mit seiner Krankheit zu leben. Man könne depressiv werden und verzweifeln, man könne jammern und leiden, letztendlich ist es eine Kopfsache, so Bermauer, wie man mit seinem Leben und seiner Krankheit umgehe. Er hat sich einen Hund geholt („damit ich regelmäßig rausgehe), ein Motorrad („für Tage, an denen es mir gut geht“), und fährt regelmäßig in Urlaub. In Kroatien, wo er öfters ist oder in Spanien, wo er gerne überwintert, gibt es überall Dialysestationen. Mit „viel Sportsgeist“ und mindestens ebenso viel Demut und Optimismus hat sich Bruno Bermauer in seinem Leben mit der Krankheit und der Dialyse eingerichtet.

Klar, gibt es Tage, wo es ihm auch „dreckig geht“, aber den emotionalen Teil der Krankheit, all die Sorgen und Wehwehchen drum herum, die kann er hier im Nephrocare-Zentrum lassen, da kümmert man sich um ihn, nicht nur physisch. „Diese Krankheit hat viel mit Ehrlichkeit und Vertrauen zu tun“, sagt Bermauer, deshalb ist er auch seinem Arzt Sven Vogel nach Kaufering gefolgt. „Wo der ist, geh ich auch hin“, sagt er, obwohl er bei sich zuhause, in der Nähe von Tutzing, auch eine Dialysemöglichkeit hätte. „Ich habe mir die Krankheit nicht ausgesucht, aber ich mache jetzt das Beste draus, so wie ich es will und in meinem Tempo.“

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