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Landsberg

11.05.2015

Die Aufrichtigkeit des Alters

Eine Tournee zum 60. Geburtstag – das ist ein Geschenk, das Musiker Rainhard Fendrich nicht nur sich selbst, sondern auch vielen seiner Fans machte.
Bild: Julian Leitenstorfer

Interview Rainhard Fendrich kommt am 16. Mai nach Landsberg. Konzert im Sportzentrum ist ausverkauft

Man glaubt es kaum: Rainhard Fendrich, der ewige Sonnyboy und Mitbegründer des „Austro-Pop”, durfte am 27. Februar seinen 60. Geburtstag feiern. Anlass genug für den Wiener Liedermacher, Moderator und Schauspieler, sich selbst mit einem ganz speziellen Album zu beschenken: der etwas anderen, radikal persönlichen Rückschau auf seine bisherige Karriere, „Zwischen Gestern & Heute” betitelt. Auf den beiden CD’s zu finden sind neben Radio-kompatiblen Gassenhauern wie „Strada del Sole”, „Macho Macho” oder „Oben ohne” auch spannende unbekanntere Stücke, die teilweise in Reggae-, Blues- oder Rock-Gefilden bestens ein Zuhause gefunden haben. Zudem gibt es Duette mit Langzeit-Freunden wie Wolfgang Ambros oder Reinhard Mey.

Doch neben dieser individuellen Werkschau ließ es sich der „Mann mit dem Schmäh” nicht nehmen, auch eine Tournee auf die Beine zu stellen auf die er sich „unbändig freut”, wie er im Gespräch mit LT-Mitarbeiter Michael Fuchs-Gamböck unumwunden zugibt. Diese Gastspielreise führt den gebürtigen Wiener, verheiratet in zweiter Ehe und Vater von insgesamt drei Söhnen, am 16. Mai ab 20 Uhr auch nach Landsberg auf die Bühne im „Sport- und Veranstaltungszentrum”.

Wir wünschen nachträglich alles Gute zum Geburtstag - wie sehen Sie ganz persönlich rückblickend Ihre Karriere, die beinahe 40 Jahre andauert?

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Fendrich:Auch wenn gerne behauptet wird, dass für Künstler nur ihre kreative Zukunft entscheidend ist – je älter ich werde, desto stolzer und gleichzeitig auch wehmütiger blicke ich zurück in die Vergangenheit. Jedenfalls gefällt mir recht gut, was ich in bald 40 Jahren Karriere erreicht habe. Ich würde nichts anders machen. Selbst die Fehler, die jeder Mensch zwangsläufig begeht, gehören zum Rückblick dazu.

Wie schätzen Sie sich selbst ein: Als Singer/Songwriter, Liedermacher, Chansonnier, Schauspieler oder einfach nur Entertainer?

Fendrich: Ich bin, ganz altmodisch, ein Unterhaltungskünstler. Das mag anachronistisch klingen – und genau so ist es gemeint. Musikalisch geht es mir um handgemachten Sound. Da stehe ich in der Tradition von Koryphäen wie Cat Stevens oder Simon & Garfunkel. Ich komponiere übrigens ausschließlich für Leute meiner Generation. Denn obwohl ich Vater bin, habe ich vom Gefühlsleben anderer Generationen wenig Ahnung. Deshalb maße ich mir nicht an, Themen von jüngeren oder älteren Menschen anzugehen. Ich will schlicht authentisch bleiben, was immer das zu bedeuten hat.

Je älter Sie werden, zumindest scheint es mir so, desto bissiger, kritischer und auch fatalistischer fallen Ihre Texte aus. Geben Sie mir recht?

Fendrich: Dass ich fatalistisch wäre, ist zu weit gegriffen - aber tatsächlich habe ich als Ehemann und Vater mit enormer Lebenserfahrung in meinen Augen die Pflicht, meinem Seelenleben Ausdruck zu verleihen. Je älter ich werde, desto kompromissloser werde ich. Und ich denke, das ist fantastisch so. Außerdem kann ich gegen diese Entwicklung meiner Persönlichkeit eh nichts unternehmen. Und wenn die Leute meine aktuelle musikalische wie textliche Entwicklung nicht annehmen, habe ich eben Pech gehabt. Wichtig ist mir, dass ich mich auf meinen letzten Alben nicht einen Millimeter verbogen habe. Ab einem gewissen Alter wäre so was als aufrechter Mensch auch eine Schande.

Was bei Ihren aktuellen Konzerten auffällt, ist die immense stilistische Bandbreite, die sie repräsentieren: Von Reggae über Blues bis hin zu Tango und gelegentlich sogar Jazz ist jede Menge an Einflüssen vertreten. Wollen Sie bewusst weg vom Austro-Pop der frühen Tage?

Fendrich: Eigentlich war ich immer offen für so ziemlich alle Stilrichtungen. Ich habe stets versucht, mich musikalisch nicht einzuengen. Doch vermutlich habe ich in meinen Anfängen nicht den Mut gehabt, allzu weit über den stilistischen Tellerrand zu schauen. Heutzutage mache ich ausschließlich den Sound, der mir taugt.

Wie geht es weiter in Ihrer Karriere, gibt es dafür bereits konkrete Pläne?

Fendrich: Ich weiß nur, dass ich mich nach der aktuellen Tournee ziemlich rar machen werde in der Öffentlichkeit. Das ist gleichermaßen ein Privileg des Alters: Je älter man wird, desto freier ist man in seinen Entscheidungen. Zwar fühle ich mich nicht alt. Doch ich bin mir meines Alters bewusst. Das ist ein beruhigendes Gefühl. Ich bin definitiv wesentlich gelassener als früher. Über diesen Umstand bin ich sehr, sehr froh.

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