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5. Bezirksfest

03.06.2014

Die Bürgermeisterin begrüßte in Gebärdensprache

Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl begrüßte zunächst in Gebärdensprache, dann wurde ihre Rede beim Bezirksfest der Hörgeschädigten von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt.
Bild: Janina Reich

Verband der Hörgeschädigten will die öffentliche Wahrnehmung weiter voranbringen

Besonders groß war der Geräuschpegel im Sportzentrum zunächst nicht. Der Grund: Die meisten Gäste verständigten sich in Gebärdensprache. Dass aber andere dagegen keine Gebärdensprache verstanden, war beim 5. Bezirksfest der Hörgeschädigten Oberbayern kein Problem. Hörende, Schwerhörige und Gehörlose verstanden sich problemlos, zur Not mit Händen, Füßen oder einfach mit Stift und Papier. Später ging es dann aber lustig und vor allem laut her.

Von historischen Stadtführungen mit Gebärdendolmetschern über Schach- und Kegelturniere bis hin zum Kartrennen – den gesamten Tag über war für Hörende und Hörgeschädigte jede Menge Programm geboten. Dass das aber nicht immer so ist, stellte Bezirksvorsitzender Rudolf Gast in seiner Festrede am Abend klar: Das Bezirksfest sei die einzige Möglichkeit, den Verband zu präsentieren. „So wurde der gesamte Tag ein Schaufenster für die Öffentlichkeit.“

Beim bunten Festabend im Sportzentrum herrschte dann gute Stimmung, angeheizt durch die Sambagruppe OutraVez. Auch wer nichts oder kaum hören kann, spürt die Klänge der Musik und kann im Takt tanzen und klatschen. Wobei: Geklatscht wird auf einer Veranstaltung für Hörgeschädigte aber eher nicht. Der Applaus wird mit ausgestreckten, winkenden Händen kundgetan. Damit aber jeder alles verstehen konnte, waren zwei Dolmetscherinnen vor Ort. So stand Bezirkstagspräsident und Schirmherr Josef Mederer nicht allein auf der Bühne, denn auch er wurde von einer Gebärdendolmetscherin unterstützt. „Sie sind eine Institution mit großem Engagement und Einsatz“, lobte der Bezirkstagspräsident. Aber man müsse nun enger zusammenarbeiten und die Kräfte bündeln. „Sie müssen gehört werden und ihre Erfahrungen einbringen“, betonte Mederer.

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Mehr Dolmetscher und mehrere Infostellen für Betroffene seien das Ziel, bis dahin sei es aber noch ein langer Weg. Rudolf Gast gab zu bedenken, dass eine Kontaktperson für Hörgeschädigte in jedem Landkreis sinnvoll wäre. „Landsberg könnte sogar Vorreiter sein“, meinte Gast, wovon sich Landrat Thomas Eichinger offenbar überzeugen ließ, denn er versprach, das Thema an den neu gegründeten Inklusionsbeirat weiterzugeben.

Einen Applaus mit winkenden Händen bekam auch Landsbergs Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl, als sie das Publikum in Gebärdensprache willkommen hieß. Sie persönlich habe an dem Abend bereits viel gelernt und wünsche sich, die Bürger für das Thema zu sensibilisieren, denn „Taubheit oder Schwerhörigkeit sind oft unsichtbar“. Sie sei stolz, dass der Stadtrat bereits das Stadttheater, den Festsaal im Rathaus und dort den Sitzungssaal mit induktiven Höranlagen ausgestattet hat. „Das ermöglicht eine Teilhabe am kulturellen und politischen Leben in Landsberg“, so Baumgartl.

Kreistag stellt jedes Jahr ein Budget zur Verfügung

Auch Barbara Juchem, betonte, dass die Belange der Hörgeschädigten durchaus ernst genommen würden. „Vor knapp zehn Jahren wurde ich die kommunale Behindertenbeauftragte und gleich die erste Anfrage kam vom Gehörlosenverband“, erinnerte sich Juchem. Seitdem stelle der Kreistag jedes Jahr ein gewisses Budget für Gebärdendolmetscher zur Verfügung. Das lobte Bernd Schneider, Vorsitzender des Landesverbandes für Gehörlose in Bayern: „Wir müssen weiter an einem Strang ziehen.“ (jar)

Informationen im Internet unter www.gehoerlosenclub-kaufering.de

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