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Dettenschwang

05.11.2019

Die Dettenschwanger Kirchenfenster und das Oktoberfest

Beinahe 50 Jahre waren die historischen Glasmalereifenster der Dettenschwanger St. Nikolaus-Kirche verschwunden. Kirchenpfleger Jürgen Zirch (oben) hat sie nun in einer Garage wiedergefunden und sorgt nun für deren Restaurierung. 
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Beinahe 50 Jahre waren die historischen Glasmalereifenster der Dettenschwanger St. Nikolaus-Kirche verschwunden. Kirchenpfleger Jürgen Zirch (oben) hat sie nun in einer Garage wiedergefunden und sorgt nun für deren Restaurierung. 
Bild: Winfried Schappele

Plus In der Kirche St. Nikolaus in Dettenschwang sind historische Kirchenfenster wieder aufgetaucht. Warum Oktoberfest-Schankkellner dafür Geld spenden.

Wie kommt es dazu, dass sich ausgerechnet Schankkellner des Münchner Oktoberfests für die Kirche St. Nikolaus in Dettenschwang interessieren? Und dass sie dafür sorgen, dass 1000 Euro ihres hart verdienten Trinkgelds in die Sanierung der historischen Kirchenfenster fließen? Die Antwort dieser Fragen liegt in der Person von Jürgen Zirch. Denn der schenkt nicht nur jedes Jahr auf dem bekanntesten Volksfest der Welt aus, sondern ist gleichzeitig auch seit Januar Kirchenpfleger der katholischen Filial- und Pfarrkirche St. Nikolaus. Und dort fiel ihm sofort etwas auf.

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Eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme entdeckt

Jürgen Zirch entdeckte nämlich in den ersten Monaten in Dettenschwang eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme des Kircheninnenraums. „Die Fenster, die dort zu sehen waren, sahen anders aus als die heutigen“, wunderte er sich. Jürgen Zirch blieb neugierig. Denn auf dem Foto waren deutlich Glasmalereien in den Fenstern zu sehen. Links vom Altar ist als Motiv das Letzte Abendmahl („Hoc est corpus meum“) dargestellt, rechts vom Altar die Geburt Jesu („Gloria in excelsis deo“).

Heute ist aber in der Kirche davon nichts mehr zu sehen. Was war also mit den Fenstern passiert? Zirch ging auf die Suche – und wurde fündig. In einer Garage des Pfarrhofs entdeckte er die Fragmente der alten Kirchenfenster, die dort offenbar eingelagert und vermutlich vergessen worden waren. „Ihr Zustand war teils schön mit nach wie vor kräftigen Farben, andere Teile waren stark beschädigt.“

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Fast vollständig durch einen Brand zerstört

St. Nikolaus hat eine lange Geschichte hinter sich. Bereits 1516 wurde der Chor von Wessobrunnern Werkleuten errichtet. 1746 folgte das Langhaus (Joseph Schmuzer), 1875 wurde die Pfarrkirche dann nach fast vollständiger Zerstörung bei einem Brand wiederaufgebaut. Die Altäre enthalten Figuren des Hechenwangers Johann Luidl, die Mariendarstellung im linken Seitenaltar stammt von Johann Baptist Zimmermann.

Die Mittel für Ersatz fehlten

Jürgen Zirch berichtet, dass die Glasmalerei, die aus 36 kleineren, in Bleiverglasung aneinandergefügten Elementen um 1900 in einer Münchner Kunstglaserei entstanden waren, wohl bei der großen Kirchensanierung zwischen 1968 und 1971 aber entfernt wurden. „Damals unter Pfarrer Johann Schuster waren vermutlich auch die Mittel nicht da, um die teilweise gebrochenen Glasteile wieder zu ersetzen.“ So wurden die kostbaren Teile in der Garage des Pfarrhofs eingelagert, wo sie Zirch nun wieder ans Tageslicht beförderte. Für den Kirchenpfleger war schnell ein Entschluss gefasst: Die Fenster sollen wieder an ihren alten Platz. Er informierte Pfarrer und Pfarrgemeinde, aber auch das Landesamt für Denkmalpflege und dort war man offensichtlich angetan von diesem Fund. „Es wäre schön“, war vom Chef der Behörde, Generalkonservator Professor Mathias Pfeil, zu hören, wenn die historischen Fenster wieder an ihren angestammten Platz kämen.

Unterstützend ließ er eine Angebotswertung durch Abteilungsleiterin für Bau- und Kunstdenkmäler, Dr. Susanne Fischer, absegnen und den vorzeitigen Maßnahmenbeginn gestatten. Jürgen Zirch: „Wir dürfen die Fensterteile in dieser Woche nach München in eine Kunstglaserei bringen, damit die Teile fachgerecht gelagert sind.“ Auch der Augsburgs Diözesankonservator Dr. Michael Schmid schätzt die Glasmalerei hoch ein („künstlerisch sehr hochwertige Beispiele jener Zeit“) und steht hinter dem Projekt, das laut Zirch rund 60.000 Euro kosten wird.

Thema in der Gemeinderatssitzung

Diese Summe gilt es nun zusammenzubekommen. Zum einen werden die Dettenschwanger Glasmalereifenster und deren Restaurierung Thema in den außerordentlichen Haushaltsberatungen der Pfarrgemeinde wie auch in den anstehenden Beratungen der Marktgemeinde Dießen werden. Dort sitzt Jürgen Zirch übrigens auch als Gemeinderat. Ein Benefizkonzert ist bereits terminiert (24. November, 19.30 Uhr). Zum anderen will er nun in Dettenschwang und Umgebung von Haustür zu Haustür ziehen, um für das Projekt zu werben und um Spenden zu bitten. „Ich bin mir ganz sicher, dass wir das Projekt gemeinsam stemmen werden“, sagt er voller Zuversicht. Und die ist offenbar so groß, dass er bei seinem jüngsten Einsatz im Schankdienst auf dem Oktoberfest von seinen dortigen Saisonkollegen 1000 Euro einsammeln durfte – quasi der Auftakt der Spendensammlung.“

Mitte des nächsten Jahres sollen die restaurierten Glasgemälde wieder an ihren angestammten Platz kommen. Dann läuft parallel bereits die Generalsanierung der Pfarrkirche selbst. Geplant ist dabei, dass die Dacheindeckung erneuert, die Außenfassade komplett gemacht wird und der Anstrich im Innenraum erfolgt. Insgesamt wird die Generalsanierung rund 960.000 Euro kosten und soll bei günstigem Verlauf Mitte 2021 dann abgeschlossen sein.

Lesen Sie dazu auch: Versteckte Schätze unterm Kirchendach

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