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Serie (Teil 4)

28.08.2015

Die Enkelkinder, die Malerei und der Vespa-Roller

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Auf Opas Roller ist es schön: Altbürgermeister Fritz Haaf mit seinen Enkeln Emily und Maximilian.

Die Finninger Altbürgermeister Fritz Haaf und Josef Degle verfolgen die Gemeindepolitik noch interessiert

Zeit mit der Familie verbringen, ferne Länder bereisen, einem geliebten Hobby frönen, andere berufliche Aufgaben oder Ehrenämter übernehmen – die Liste der Dinge, die ein Politiker nach seiner Amtszeit tun kann, ist lang. Das LT hat bei den ehemaligen Rathauschefs des Ammersees nachgefragt, wie ihr Alltag jetzt aussieht. Heute berichten die Finninger Altbürgermeister Josef Degle und Fritz Haaf.

Eine große Feier soll es nicht werden, aber „eine Portion Leut’ wird schon kommen“, wenn Josef Degle in diesen Tagen seinen 78. Geburtstag feiert. „So lang es noch geht, muss man die Feste feiern, wie sie kommen“, sagt er lachend. „Und noch geht es mir gut.“ Degle war von 1989 bis 2002 Bürgermeister der Gemeinde Finning – er übernahm das Amt nach dem Tod seines Vorgängers Ludwig Pantele. „Es war eine anstrengende, aber eine sehr positive Zeit. Damals ist das gesamte Kanalnetz gemacht worden, da war schon sehr viel zu tun. Aber ich war unheimlich gern Bürgermeister und wusste ja, was ich da tue.“ Denn zuvor war Degle, der Träger des Goldenen Ehrenrings der Gemeinde ist, 17 Jahre lang Zweiter Bürgermeister gewesen. Nach zwei Perioden trat er nicht mehr an – auch wegen seines 1982 gegründeten Zimmereibetriebs in Finning: „Ich habe die Zimmerei 2002 an meinen Sohn Dieter übergeben und konnte ihn mehr unterstützen, nachdem die Amtszeit abgeschlossen war.“ Noch heute greift er seinem Sohn unter die Arme – „und tu’ das, was ich früher nicht so gern machen wollte: die Werkstatt aufräumen“, sagt er schmunzelnd. Um sich zu entspannen, malt Degle. „Mit Kunst hat das nichts zu tun, aber ich male gerne – einfach das, was mir gefällt, keine bestimmte Richtung.“ Mit Aquarell hat er angefangen, inzwischen greift er auch zu Acrylfarben. „Und jeden Mittwoch treffe ich mich mit einer Gruppe von Freunden, dann fahren wir mit dem Fahrrad 40 bis 60 Kilometer – das ist pfundig und hält fit.“ Das Radfahren sei auch gelenkschonender als das Laufen, denn „am Fuß fehlt’s leider inzwischen“, sagt Degle, der 2003 zum Altbürgermeister der Gemeinde Finning ernannt worden ist. Wegen der Fußbeschwerden sei auch das Fußball- und Tennisspielen nicht mehr drin. In beiden Sportarten war der 78-Jährige früher aktiv. „Aber ich schaue heute noch jedes Heimspiel des TSV Finning an. Und meine Enkelsöhne spielen Fußball im Verein“, freut er sich. Josef Degle hat zwei Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel. „Da ist immer viel los – aber das ist auch schön so, die Kleinen sind eh die Wichtigsten.“ Aus der Gemeindepolitik hält sich der Altbürgermeister raus, wie er sagt. „Ich habe aber zu allem meine Meinung und verfolge alles.“ Präsent ist das Rathaus sowieso jeden Tag für ihn – denn er wohnt gleich nebenan.

Von einer Minute zur nächsten war der Druck weg

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Sein Amtsnachfolger Fritz Haaf – von 2002 bis 2014 Bürgermeister von Finning und ebenfalls Träger des Titels „Altbürgermeister“ – hält es mit der Gemeindepolitik genauso wie Josef Degle: „Ich mische mich nicht mehr ein, erteile anderen keine Ratschläge. Das können alles der neue Gemeinderat und der amtierende Bürgermeister selbst entscheiden.“ Das Interesse dafür, was in Finning passiert, sei aber nicht abgerissen. „Natürlich nicht! Man hat ja zwölf Jahre lang mitgestaltet, war verantwortlich. Das kann man nicht einfach so ablegen. Es hat auch eine Zeit gedauert, Abstand zu gewinnen – von einer Minute zur nächsten war der Druck weg“, sagt der 64-Jährige, der erstmals 1990 in den Gemeinderat gewählt worden war. Obwohl der Bruch nicht einfach gewesen sei – die Entscheidung, nicht mehr als Rathauschef zu kandidieren, hat Haaf nicht bereut. „Das Leben ist lockerer und ruhiger. Als Bürgermeister steht man 24 Stunden unter Strom und muss immer da sein, immer funktionieren.“

Langweilig ist es ihm aber nicht: „Bisher war da nicht viel freie Zeit. Wir haben unser Haus für meine Tochter und meinen Enkelsohn umgebaut und sind noch nicht ganz fertig damit. Außerdem bin ich in meinem früheren Job als selbstständiger Versicherungsmakler tätig, habe zwei Töchter und zwei Enkelkinder.“ Von einem Rentnerdasein könne keine Rede sein. Auch mit 65 nicht – Fritz Haaf feiert im Oktober Geburtstag. „So lange die Gesundheit mitspielt und es mir Spaß macht, will ich noch ein paar Jahre weiter arbeiten. Ich hatte gar nicht vor, mich in die Ecke zu setzen und nichts mehr zu tun.“ Wenn er gerade nicht beruflich oder als Opa gefragt ist, fährt Haaf gerne mit seinem weißen Vesparoller herum, verbringt heiße Sommertage am See. Außerdem ist er Mitglied in verschiedenen Finninger Vereinen („Das werde ich jetzt wieder mehr aktivieren“), fährt im Winter Ski.

An seine Zeit im Rathaus denkt Haaf gerne zurück. „Zwei, drei weitere Jahre hätte ich mir schon noch vorstellen können, aber nicht mehr unbedingt eine ganze Periode. Aber wenn man noch mal antritt, ist man es den Bürgern schuldig, es die ganzen sechs Jahre zu machen.“

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