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Theaterprojekt

09.10.2014

Die Erinnerungen dreier Frauen

Er lebt im Fuchstal: Regisseur Ioan C. Toma: Am 10. Oktober wird seine Inszenierung „Ballade der Mädchen vergangener Zeit“ im Stadttheater aufgeführt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Regisseur Ioan C. Toma spricht über seine Arbeit. „Ballade der Mädchen vergangener Zeit“ kommt Freitag ins Stadttheater

 Er ist ein Theaterbesessener – Regisseur Ioan C. Toma lebt für seine Produktionen und setzt sich auch für ungewöhnliche Projekte ein. Am Freitag, 10. Oktober, ab 20 Uhr wird seine Inszenierung „Ballade der Mädchen vergangener Zeit“ im Landsberger Stadttheater aufgeführt. Regisseur Ioan C. Toma ist derzeit jedoch in anderer Sache unterwegs. „Ich komme gerade von einer Bauprobe in Eggenfelden“, erzählt der umtriebige, seit mehr als 20 Jahren in Asch im Fuchstal lebende Regisseur. „Dort inszeniere ich ‘Der Messias’ von Patrick Barlow, eine typisch englische Komödie nach Art von Monty Python, die mittlerweile zum Weihnachtsprogramm gehört.“

Ernst ist dagegen das Theaterstück „Ballade der Mädchen vergangener Zeit“, das jetzt in Landsberg zu sehen ist. Toma hat es nicht nur inszeniert, sondern auch entwickelt. Er hat dafür die Lebensgeschichten von drei in Rumänien geborenen Frauen unterschiedlicher Herkunft verwoben und ihre Erlebnisse im Dritten Reich und während des Zweiten Weltkriegs zueinander gestellt. Da ist einmal Ana Novac, die als junges Mädchen im KZ inhaftiert war. Ihre Erlebnisse dort hat sie in einem Tagebuch festgehalten und es ironisierend „Die schönen Tage meiner Jugend“ genannt. 1929, im gleichen Jahr wie Ana Novac, ist Tomas Mutter Bettina Schuller geboren. Sie hat die Hitlerjahre im rumänischen Kronstadt verbracht und dort eine Kriegsbegeisterung erlebt, die auch vor Kindern nicht Halt gemacht hat. „Führerkinder“ sind Schullers Erinnerungen an diese Zeit. „Der Kontrapunkt zu diesen beiden Frauen ist Anita Nandris-Cudla“, sagt Ioan C. Toma, das ist eine Bäuerin aus der Bukowina, die 20 Jahre in der Deportation in Sibirien verbracht hat.“ Das Beeindruckende an ihren Aufzeichnungen sei, dass sie darin nicht nur über ihr persönliches Schicksal klagt.

„Sie denkt vor allem auch an die dortigen Ureinwohner, denen der Lebensraum genommen wurde, deren Rentierherden entfernt wurden.“ Bei der Aufführung rezitieren zwei Schauspielerinnen (Susanna Kratsch, Ileana Tautu) aus den Büchern von Novac und Schuller und stellen verschiedene Erlebnisse daraus auch szenisch nach. Die Aufzeichnungen der Bäuerin werden von den beiden Protagonistinnen chorisch gesprochen. Verbindendes Element ist Akkordeonmusik mit Jolanta Szczelkun, in Landsberg vom „Sammler der Augenblicke“ bekannt. Im Anschluss an die Aufführung ist ein Publikumsgespräch möglich.

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Dass Theaterleiter Florian Werner es riskiert und ihn mit dem Stück „Ballade der Mädchen vergangener Zeit“ nach Landsberg eingeladen hat, darüber sei er sehr dankbar, meint Ioan C. Toma. „Mir ist wichtig, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät“, so Toma. „Wenn heute Menschen irgendwo auf der Welt geköpft werden, dann sollten wir daran denken, dass das Gleiche vor nicht allzu langer Zeit auch hier passierte.“ Die Erinnerung daran über ein authentisches Theaterstück sei persönlicher, die Geschichte werde quasi „intravenös“ erfahren. „Neugierig und gespannt“ sei er auf die Reaktion des Landsberger Publikums, sagt der Regisseur. Bei den bisherigen Aufführungen sei diese in jeder Hinsicht gut gewesen. Dass es in dem Theaterstück nicht nur todernst und tieftraurig zugeht, dafür steht Ioan C. Toma. Die schlimmen Erlebnisse im KZ habe Ana Novac auch nur ertragen, so der Regisseur, weil sie sich stets Humor und positive Einstellung bewahren konnte. Er gehe grundsätzlich mit Witz an die Werke heran, sagt Toma, „Komik ist beispielsweise auch für die Klassik nicht schlecht“. Bei starken Stücken stecke der Humor immer drinnen, gehöre einfach dazu. Was ihm an seiner Arbeit als Regisseur besonders gefällt? „Es ist die Lust, Theaterbilder zu finden, es sind die stets spannenden Proben.“ Die nächsten Inszenierungen von Ioan C. Toma sind der bereits genannte Weihnachtsklamauk „Der Messias“. Premiere im Theater an der Rott in Eggenfelden ist am 5. Dezember, Schauspieler sind die auch hier bekannten Gerd Lohmeyer und Ferdinand Schmidt-Modrow sowie Birgit Zamulo.

Ein weiteres, bereits feststehendes Projekt könne er zusätzlich verraten, meint Toma. Im kommenden Jahr wird er in München für die „Theaterspiele Glyptothek im Innenhof“ den „König Ödipus“ von Sophokles neu inszenieren.

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