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Verkehr im Landkreis Landsberg

13.07.2016

Die Fuchstalbahn fährt aufs Abstellgleis

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Die Reaktivierung der Fuchstalbahn für den Personenverkehr soll jetzt auch im Regionalplan aufs Abstellgleis geschoben werden: Eine entsprechende bisher enthaltene Zielformulierung soll gestrichen werden. 
Bild: Thorsten Jordan (Archivfoto)

Das Ziel, den Personenverkehr zu reaktivieren, soll aus dem Regionalplan gestrichen werden. Zwischen Landsberg und Schongau ist das aber kein großer Aufreger.

„Der Betrieb auf der Strecke Landsberg–Schongau [soll] wieder aufgenommen werden.“ Dieses Ziel aus dem aktuellen Regionalplan für die Region München soll es im künftigen Regionalplan nicht mehr geben. So sieht jedenfalls der aktuelle Fortschreibungsentwurf aus. Dass der Entwurf noch einmal geändert wird und das bisherige Ziel, den Personenverkehr zwischen Landsberg und Schongau wieder aufzunehmen, beibehalten bleibt, ist unwahrscheinlich. Denn die Gemeinden im Fuchstal haben gegen diese Streichung keine Einwände. Und auch Schongaus Bürgermeister Falk Sluytermann (SPD) bekennt, zwar ein „großer Eisenbahnfan“ zu sein, er sehe aber auch die Realitäten, äußerte er gegenüber dem LT.

Die Realitäten zu der nur noch für den Güterverkehr genutzten Bahnstrecke bilden sich beispielsweise in fünf Aktenordnern des Nahverkehrsexperten im Landsberger Landratsamt, Dietmar Winkler ab. Dazu gehöre beispielsweise, dass völlig unklar sei, wer in die notwendigen Signale, Bahnübergänge und Bahnsteige investieren würde. Der Schienenverkehr sei Aufgabe des Freistaats, sagt Winkler, doch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) spielte zuletzt den Ball zurück an die Kommunen: Zunächst einmal müsse sich die Region zur Fuchstalbahn bekennen, auch indem die Kommunen finanzielle Beiträge für die notwendigen Infrastrukturertüchtigungen leisten. Außerdem wird bezweifelt, ob auf der Fuchstalbahn die für eine Reaktivierung erforderlichen 1000 Fahrgäste an Werktagen erreicht werden können. Die Gegend zwischen Schongau und Landsberg sei dünn besiedelt, die früheren Bahnhöfe lägen oftmals weit von den jeweiligen Dörfern entfernt und schließlich komme man auf der ausgebauten B17 schnell voran.

Diese Stichworte lassen auch im Gespräch mit den Fuchstaler Bürgermeistern nicht lange auf sich warten. Wie tief etwa die Gemeinde Fuchstal das Thema hängt, zeigt sich daran, dass sie sich nicht einmal an den Kosten für ein Gutachten beteiligen wollte, wie Bürgermeister Erwin Karg erwähnt. Er glaube zwar, dass es aus seiner Kommune viele Pendler gebe, die nach Kaufering oder sogar nach Geltendorf fahren, um dann mit dem Zug in Richtung München zu fahren. Dass sie aber in einen Zug auf der Fuchstalbahn einsteigen würden, kann er sich nicht vorstellen: „Sie müssen ja erst mit dem Auto zum Bahnhof rauskommen“ – und der ist von den Ortsmitten von Asch und Leeder gut einen beziehungsweise fast zwei Kilometer entfernt. Dafür brauche man dann auch wieder ein Auto.

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Deshalb wäre eher an bessere Busverbindungen zu denken, meint Karg, „doch da fährt eh keiner mit“ – eine Beobachtung, die auch Dietmar Winkler bestätigt. „Wir hatten zwischen Landsberg und Schongau einen Stundentakt eingeführt, aber der wurde nicht genutzt“, sagt er. Ein nennenswertes Fahrgastpotenzial sieht Winkler nur in Denklingen, „der Rest ist jenseits von Gut und Böse“. Einen Standortvorteil für die Gemeinde sähe Karg in der Wiederaufnahme des Personenverkehrs nicht: Auch Auswärtige, die sich überlegen, ins Fuchstal zu ziehen, hätten noch nie nach einer Bahnverbindung gefragt. Interessanter, glaubt auch Karg, wäre die Fuchstalbahn allenfalls für Denklingen. Denn hier führt das Gleis zumindest am Ortsrand entlang.

Und deshalb ist die Fuchstalbahn dort schon eher ein Thema, allerdings aus einem anderen Grund, wie Bürgermeister Michael Kießling (CSU) anmerkt. Wenn die Rede auf die Bahn kommt, gehe es weniger um die Frage, ob dort eines Tages wieder Personenzüge fahren, sondern eher um den Lärm, den der Gütertransport verursacht. Auch die Denklinger Kommunalpolitiker ließ die beabsichtigte Änderung des Regionalplans kalt, berichtet Kießling. „Der Gemeinderat hat dazu keine Stellung abgegeben“, berichtet der Rathauschef. Grundsätzlich brächte eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs schon Vorteile für Denklingen, allerdings sei die Frage, wie dies bewerkstelligt werden kann. Die Bahn habe in der Vergangenheit sämtliche Infrastruktur abgestoßen und es müssten sicherere Bahnübergänge und neue Bahnsteige gebaut werden, „das wäre mit wahnsinnigen Kosten verbunden“, sagt Kießling. Schätzungen in den vergangenen Jahren gingen von Kosten zwischen zehn bis 20 Millionen Euro aus.

Und dann bestehe noch ein Problem, für das es bislang überhaupt keinen Lösungsansatz gebe: Der Bahnübergang in der stark befahrenen Katharinenstraße in Landsberg, den Dietmar Winkler aus dem Landratsamt anspricht. Das sei auch ein Hindernis im Hinblick auf Überlegungen, zumindest im Landsberger Stadtgebiet die Bahn nach Süden um Haltepunkte am Englischen Garten und an den Oberen Wiesen zu verlängern.

Solche Verlängerungsüberlegungen gibt es auch in Schongau. Per Resolution hat sich der Weilheim-Schongauer Kreistag dafür ausgesprochen, einen weiteren Haltepunkt beim Krankenhaus einzurichten. Mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sei man deswegen in Kontakt, berichtet Bürgermeister Sluyterman. Mit der Schließung des Peißenberger Krankenhauses hat eine bessere Nahverkehrsanbindung der Schongauer Klinik eine zusätzliche Relevanz bekommen, sagt Sluytermann. Auch die Beruflichen Schulen im Norden der Stadt wären damit nahverkehrstechnisch besser erschlossen – zumindest von Peiting, Peißenberg und Weilheim her. Eine über Schongau Nord hinausgehende Reaktivierung der Fuchstalbahn sieht Sluyterman hingegen in „weiter Ferne“. In Schongau fokussiere man eine Beschleunigung der Pfaffenwinkel- beziehungsweise Ammerseebahn über Weilheim nach Augsburg und München. Eine Beschleunigung um fünf Minuten mache es dann auch möglich, den Zug bis zum Krankenhaus fahren zu lassen.

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