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Fuchstal

30.01.2020

Die Fuchstaler können ab sofort Fuxstrom kaufen

Bei der Preisverleihung: (von links) Jana Westphal (Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe), Staatssekretär Uwe Feiler, Bürgermeister Erwin Karg, Werner Ruf und Josef Weber.
Bild: Volkmar Otto

Plus Die Gemeinde Fuchstal ist nun auch eine von drei deutschen Bioenergie-Kommunen. Zudem gibt es Neuigkeiten vom Regionalstrom und vom Wärmetopf mit Batteriespeicher.

Die Gemeinde Fuchstal ist mittlerweile nicht nur Klimaschutz-Modellkommune und Region, sondern seit neuestem auch Bioenergie-Kommune. Uwe Feiler, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, überreichte Bürgermeister Erwin Karg auf der Grünen Woche in Berlin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung. Feiler nannte in seiner Ansprache die drei ausgezeichneten Kommunen Pioniere der Energiewende, die sich für Klimaschutz und erneuerbare Energiequellen einsetzten. Neuigkeiten gibt es auch vom „Fuxstrom“.

Neben Fuchstal, das mit dem Ortsteil Leeder ins Rennen gegangen war, gehören auch Asche in Niedersachsen und Mengsberg in Hessen dazu. Bei der Preisverleihung mit dabei waren das Fuchstaler Gemeinderatsmitglied Josef Weber und Biogasanlagenmitbetreiber Werner Ruf, dessen Anlage und deren Wärmenutzung entscheidend zur Prämierung der Gemeinde beigetragen hatten. In der Begründung der Auszeichnung wurde auch auf die Regionalstrom-Vermarktung aus der Biogaslange, den kommunalen Fotovoltaikanlagen und der Bürgerwindkraft verwiesen.

Für diesen „Fuxstrom“ habe man mittlerweile die ersten Kunden aus dem Gemeindebereich gefunden, sagt Kristina Dürr vom Büro Sing für erneuerbare Energien in Landsberg unserer Zeitung. Mit dem RegioGrünStrom habe man einen Regionalstromvermarkter aus Markt Erlbach in Mittelfranken gefunden, der die komplette Bürokratie wie etwa die An- und Abmeldungen und Rechnungstellung übernehme.

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So viel kostet der Fuxstrom

Mit einem Preis von 27,9 Cent je Kilowattstunde und einer monatlichen Grundgebühr von 11,05 Euro für den Einzelkunden könne man sich gegenüber anderen Anbietern durchaus sehen lassen, meint Dürr. Dafür liefere man auch Strom aus erneuerbaren Energien, die im unmittelbaren Nahbereich erzeugt werde. Und dabei sollte, so Bürgermeister Karg, ebenso wie beim Kauf von Eiern, Milch und Kartoffeln vom Bauern nicht alleine der Preis eine Rolle spielen, sondern die Gewissheit, dass die Wertschöpfung am Ort bleibe. Für diesen Strom benötige man keine Trassen durch ganz Deutschland. Der ursprünglich angedachte Rabatt für die Fuchstaler und deren Nachbarn sowie für die Kommanditisten der Windkraftanlagen könne man beim Verbrauchspreis nicht einräumen, so Dürr. Spielraum habe man jedoch bei der Höhe der Wechselprämie.

Drei weitere Windräder sind geplant

Möglich sei es auch bei der Gründung der Bürgerwindkraft für die neuen drei Windräder, dass man hier von vornherein Mittel für diese Wechselanreize vorsehe. Die Bürger aus der Gemeinde werden in einem Beitrag in „Heimat Fuchstal“ über die Möglichkeit informiert, den vor ihrer Haustür produzierten Strom zu beziehen. Außerdem wird zeitnah von der Startseite der Gemeinde eine Verknüpfung zu dem Angebot erstellt. Beim Stromverkauf handle es sich um eine schwarze „Null“, beantwortete Karg die Nachfrage, ob für die Gemeinde auch materiell etwas herausspringe.

Das Foto zeigt die bereits verlegte Stromtrasse. 
Bild: Andreas Hoehne

Gegen die Verwirklichung der geplanten drei weiteren Windräder im Gemeindewald sprechen derzeit nur noch Bedenken des Artenschutzes, speziell die Gefährdung des Milans. Man sei aber guten Mutes, versichert Dürr, dass die Regierung zu einer positiven Entscheidung komme. Seiner Ansicht nach habe die Population der Milane eher zugenommen und man habe ihm in den über drei Jahren Betriebszeit noch keinen Vogel präsentiert, der durch die bestehenden Windkraftanlagen getötet worden sei, sagte Karg.

Ernst wird es mit dem Fünf-Millionen-Euro Prestigeprojekt der Energiewende, dem Bau des 5000 Kubikmeter Wasser fassenden Wärmetopfes und des Fünf-Megawatt-Batteriespeichers. Der Baugrund wurde mittlerweile vorbereitet und sie rechne für das Frühjahr mit dem Beginn der Bauarbeiten, meint Dürr. Die neun Kilometer lange Stromleitung von den Windrädern war, wie bereits berichtet, im November verlegt worden. Bei der Vergabe der Aufträge für Speicher und Batterie stehe man im Auswahlverfahren, so Dürr.

Die Experten sind erstaunt

Vier Bundesministerien beschäftigten sich mittlerweile mit der Gemeinde, sagt Erwin Karg. So wären auch Dr. Alexander Reis und Steffen Schwan ziemlich erstaunt gewesen, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Wort kamen. Die beiden Vertreter des Umwelt-Campus Birkenfeld betreuen im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Coachingphase für Fuchstal als Modellkommune für nachhaltige Entwicklung. Sie versprachen, bis zum Sommer dem Gemeinderat ein konkretes Projekt zu benennen. Man wolle auf jeden Fall etwas machen, wo es hinterher heiße, es habe sich für die Gemeinde gelohnt, sagte Reis zum Abschluss seines Vortrags. Wen wundert es, dass man angesichts der vielen laufenden Projekte sich im Fuchstaler Rathaus noch keine Gedanken darüber gemacht hat, wie man die 10.000 Euro Preisgeld verwenden soll.

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