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Stoffen/München

31.05.2018

Die Geheimnisse des schönen Leo

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3 Bilder
Jungfilmer Benedikt Schwarzer bei der Recherche zu seinem film „Die Geheimnisse des schönen Leo“.
Bild: Schwarzer

Dokumentation Der Stoffener Benedikt Schwarzer hat einen Film über seinen Großvater, den CSU-Politiker Leo Wagner, gedreht. Und ist dabei auf viele Überraschungen gestoßen

Das Gerücht, dass der CSU-Politiker Leo Wagner (1919-2006) einer derjenigen war, die 1972 beim Misstrauensvotum gegen Kanzler Willy Brandt die eigene Partei verraten haben, hielt sich hartnäckig. Der in Stoffen aufgewachsene Jungfilmer Benedikt Schwarzer, Kulturförderpreisträger 2016 des Landkreises Landsberg, ging dem Gerücht nach.

Das Interesse begründet sich darin, dass Leo Wagner sein Opa mütterlicherseits ist. Es entstand der 80-minütige Dokumentarfilm „Die Geheimnisse des schönen Leo“, der beim dok.fest München 2018 mehrfach gezeigt wurde und in mehreren Preiskategorien nominiert war. Ergebnis: Beim BR-kinokino-Publikumspreis wurde der Film der zweitbeliebteste unter 154 gezeigten. Die Jury beim FFF-Förderpreis Dokumentarfilm wertete den Streifen als einen der besten drei.

Er recherchierte sogar in Stasi-Akten über den eigenen Großvater

Schwarzer hat für „Die Geheimnisse des schönen Leo“ jahrelang intensiv recherchiert. In seiner Familie sei sein Opa stets geheimnisumwittert gewesen – ein fast gefürchtetes Phantom, das bei seinen Besuchen zu Hause mit „einen auf Familie machen“ höchstens die Grundordnung durcheinanderbrachte. Schwarzer interessierte zunächst die Geschichte rund um das Misstrauensvotum, bei dem Brandt wider Erwarten nicht gestürzt wurde. Schwarzer forschte in Archiven, blätterte in Stasi- und Gerichtsakten, sprach mit Wegbegleitern seines Großvaters.

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Letztendlich fand er sich im Rotlichtmilieu der damaligen Bundeshauptstadt Bonn wieder. Was Schwarzer ans Licht beförderte, war aber vielmehr als nur schiefe Politik. Die Familiengeschichte muss neu geschrieben werden: Bei einem Gentest stellte sich heraus, dass Wagners Kinder verschiedene Väter haben und er vermutlich weder Sohn noch Tochter gezeugt hat.

Sein Abitur machte er am IKG

Benedikt Schwarzer ist in Stoffen aufgewachsen. Nach dem Abitur am Ignaz-Kögler-Gymnasium arbeitete er als Fotoassistent und -designer und zusätzlich als Regie- und Kameraassistent bei Dokumentar- und Spielfilmen. Bis 2017 studierte der 31-Jährige Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Während dieser Zeit entstanden die Videoinstallation „Shoot me“ und der zweikanalige Videoloop „Auge in Auge“.

Der Dokumentarfilm „Die Geheimnisse des schönen Leo“ hat den Jungfilmer mehr als fünf Jahre beschäftigt. Angestoßen von seinem Mentor, Regisseur Hans Steinbichler, begann Schwarzer mit Recherchen und Projektierung. Letztere wurde im Rahmen eines Wettbewerbs nicht nur prämiert und mit dem „ARRI pitch.award 2014“ ausgezeichnet. Der Filmer fand dabei mit Carl-Ludwig Rettinger auch einen Produzenten. Die Hauptdreharbeiten fanden 2017 statt.

Es folgten sieben Monate am Schnittpult sowie Bild- und Tonbearbeitung. Im April 2018 war alles abgeschlossen, beim dok.fest München wurde die Doku welturaufgeführt. Die Musik stammt von Alexander Maschke. An der musikalischen Umsetzung war Michael Lauterbach, Kulturförderpreisträger 2010, beteiligt.

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